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Freytags-Frage

Muss Fracking verboten werden?

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Deutschland braucht eine sichere Versorgung

Solche Unbedenklichkeitsbescheinigungen reichen natürlich nicht aus, eine Technologie zu befürworten. Es muss auch eine Nachfrage geben, die in der Tat vorhanden zu sein scheint. Denn ein Land wie Deutschland braucht eine sichere Versorgung mit Strom und Wärme in gleichbleibender Qualität. Diese aufrecht zu erhalten, ist nicht einfach und bedarf enormer Anstrengungen. Einige Schwierigkeiten bestehen:

Da sind zunächst unsere unmittelbaren Herausforderungen der Energieversorgung in Deutschland zu nennen. Diese haben ihre Ursache vor allem in der planwirtschaftlichen Politik der Energiewende.

  • Durch den Wegfall der Atomenergie besteht Bedarf an herkömmlicher Energie auch weiterhin.
  • Gleiches gilt dann, wenn die Energieträger der Wende – Wind und Sonne – ausfallen. Dann muss immer noch genug Kapazität zur Verfügung stehen.
  • Diese wird in der Regel mit ineffizienten Kohlekraftwerken bereitgestellt, weil sie abgeschrieben sind, während effiziente Gaskraftwerke (zum Beispiel eine hochmoderne Anlage in Irsching) keinen Strom produzieren, da sie noch zu teuer sind.
  • Die Energiewende wird langsam so teuer, dass die Bundesregierung handeln muss, wenn sie nicht einerseits Zustimmung, andererseits den Verlust weiterer Arbeitsplätze befürchten will. Eine vergleichsweise saubere heimische Alternative zum Erdöl macht da durchaus Sinn.
  • Ein weiteres Argument bezieht sich auf den Ölpreis. Gegenwärtig ist Öl sehr billig, so dass die Suche nach heimischen Alternativen nicht dringlich erscheint. Das kann sich schnell ändern, und möglicherweise auch sehr stark. In diesem Fall ist die Erkenntnis über eine heimische, saubere und – hoffentlich – sichere Alternative sehr beruhigend.

Insgesamt ist zu erwarten, dass der Preisanstieg fossiler Brennstoffe irgendwann abrupt sein wird. Das wird noch einige Jahre bis Jahrzehnte dauern, ist aber recht sicher (bei endlichen Ressourcen ist ein Preisanstieg unvermeidbar). Eine heimische Alternative hilft bei der Anpassung.

Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis es gelingt, die Energieversorgung ohne fossile Brennstoffe hinzubekommen. Deren Preisanstieg wird die Suche nach nachhaltiger Energieversorgung verstärken; in der Zwischenzeit kann heimisches Gas helfen.

Umwelt



Hinzu kommt, dass wir unsere fossilen Brennstoffe zumeist aus Ländern beziehen, die politisch nicht sehr zuverlässig sind (Russland, Naher Osten). Grundsätzlich spricht nichts gegen den Außenhandel, denn gegenseitige Abhängigkeit macht unabhängig. Je unbeständiger die Lieferländer sind, desto geringer die Unabhängigkeit. Sie kann durch eine heimische Ergänzung des Energiemix noch gesteigert werden.

All diese Argumente sprechen zumindest dafür, die Erprobungen vorzunehmen. Dies müssten gerade die Befürworter der Energiewende verstehen. Denn sie sind nicht dagegen vorgegangen, als die Bundesregierung mit der Abschaltung der Atomenergie ein enormes Risiko hinsichtlich der Energieversorgung eingegangen ist. Das Risiko einiger – sorgfältig überprüfter und mit hohen Auflagen versehener – Erprobungsmaßnahmen dürfte da doch überschaubar sein. Das Regelungspaket sieht zudem strenge Umweltauflagen vor. Hier besteht also die gute Chance, einen Standard des Hydraulic Fracking zu setzen, der sowohl den Umweltbedenken als auch der Energienachfrage angemessen Rechnung tragen kann. Deshalb sollte der Bundestag dem Regelungspaket zustimmen. Fracking muss nicht verboten werden – schon gar nicht in Unkenntnis der Chancen und Risiken.

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