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GE-Manager Tony Gale "Von Sensoren fremdbestimmt"

Der Chef der General-Electric-Stadtsparte über intelligente Stromnetze, sparsamen Nahverkehr und zur Frage, warum das größte Hindernis beim Energiesparen der Mensch ist.

Tony Gale, Chef der General-Electric-Stadtsparte, im Interview. Quelle: Pressebild

WirtschaftsWoche: Mister Gale, wenn wir uns in zehn Jahren zu diesem Interview in London treffen würden, der Stadt, in der Sie leben und arbeiten, was hätte sich im Vergleich zu heute verändert?

Gale: Die Stadt wird sehr viel nachhaltiger und grüner sein als heute. Auch in London werden die Regierung, die lokalen Verwaltungen und die Bürger nicht darum herumkommen, sich zwei zentralen Herausforderungen zu stellen: Die Stadt braucht eine neue Energieversorgung, und sie muss bei den Gebäuden und im Bereich der Infrastruktur effizienter werden. Das gilt übrigens für alle Metropolen auf der Welt.

Darüber wird seit Jahren viel geredet, passiert ist wenig.

Das stimmt. Es liegt schlichtweg daran, dass Stadtplaner und Politiker zu sehr in alten Kategorien denken. Nehmen Sie die Energieversorgung: Hier gelten große, zentrale Kraftwerke immer noch als Nonplusultra. Neuerdings fordern viele Experten große Windparks auf See.

Wie Sensornetze das Leben in der Stadt erleichtern können
Intelligente AbfalleimerDie Müllentsorgung lässt sich mit neuen technischen Möglichkeiten in großem Maße optimieren. In Philadelphia werden aktuell solarbetriebene Mülleimer aufgestellt, die mit einer eingebauten Müllpresse ausgestattet sind. Sobald sie voll sind, wird den Abfallbetrieben via Mobilfunk eine Nachricht geschickt - und der Müllwagen rückt an. Illustration: Javier Martinez Zarracina
Intelligente StraßenlaternenEine der größten finanziellen Belastungen für Großstädte stellt die Beleuchtung da - daher gilt es: Strom sparen. Die Uni Delft hat Straßenlaternen entwickelt, die mit Bewegungsmeldern ausgestattet sind. Befindet sich kein Atuo, Radfahrer oder Fussgänger in der Nähe einer Laterne, dimmt sie sich automatisch. Illustration: Javier Martinez Zarracina
Schlauer BürostuhlAuch der Energieverbrauch von öffentlichen Gebäuden kann durch Sensoren gesenkt werden. So hat das nordrhein-westfälische Elektronikunternehmen IQfy einen Bürostuhl entwickelt, der dank eines eingebauten Sensors in der Sitzfläche registriert, ob eine Person auf ihm sitzt oder nicht. Verlässt der Mitarbeiter längere Zeit seinen Arbeitsplatz, schaltet der Sensor automatisch Beleuchtung, Monitor und Klimaanlage ab. Illustration: Javier Martinez Zarracina
Regenwasser sammelnNeben Strom lässt sich durch etwas Technik auch Wasser sparen. So kann Regenwasser gesammelt und in Tanks gespeichert werden, um es für die Toilettenspülung wieder zu verwenden. Illustration: Javier Martinez Zarracina
Wassersprinkler mit FühlernAuch auf anderem Wege lässt sich der Wasserverbrauch von Städten weiter senken. In der nordspanischen Stadt versucht man es mit Wassersprinklen, die durch einen im Boden installierten Fühler registrieren, ob der Boden zu trocken ist und bewässert werden muss. Illustration: Javier Martinez Zarracina
Software gegen den FeinstaubDurch Sensortechnik kann man Städte nicht nur sparsamer, sondern auch gesünder machen. So testet IBM derzeit eine Software, die Daten aus Luftmessstationen und Verkehrssensoren auswertet, und so die Feinstaubbelastung für einzelne Straßen berechnen kann. Steigt die Belastung zu stark an, kann der Verkehr umgeleitet oder die Grünphasen der Ampelanlagen verlängert werden. Illustration: Javier Martinez Zarracina
Kameras und InduktionsschleifenVerkehrsstöme steuern und damit Stau vorbeugen - mit der Kombination aus Induktionsschleifen, Kameras und der Positionsdaten der Mobiltelefone der Autofahrer ist das möglich. Auf diese Weise kann der Verkehr für jede Straße zu jeder Zeit präzise vorausgesagt werden. Illustration: Javier Martinez Zarracina

Sie nicht?

Höhere Anteile von erneuerbarem Strom erreichen wir in einzelnen Stadtvierteln schneller mit kleinen dezentralen Anlagen, die Gas, Wind oder Sonne nutzen.

Manche Forscher behaupten, die Städte der Zukunft werden sich mit diesen Kleinanlagen vollständig selbst mit Strom und Wärme versorgen. Teilen Sie diese Vision?

Für ganze Metropolen ist das utopisch. Aber für einzelne Stadtviertel funktioniert es.

Und zwar wie?

Uns schwebt eine lokale Grundversorgung durch umweltfreundliche Minikraftwerke vor, die mit Erd- oder Biogas aus Abfällen oder Pflanzenresten Strom und Wärme produzieren. Wenn die Nachfrage hoch ist, schalten die lokalen Energiemanager Wind- oder Sonnenstrom dazu.

Wird das für die Versorgung einer Millionenstadt wie London genügen?

London lässt sich so nicht versorgen. Es fehlt der Platz für Windturbinen und Solaranlagen. Außerdem ist die Windstärke in Städten oft zu gering, um die Anlagen effizient zu betreiben.

Also scheitert die Idee einer komplett grünen Stromversorgung von Megastädten vor allem an der dichten Besiedelung?

So ist es. Wir planen gerade ein Projekt in einer englischen Kleinstadt mit etwa 60.000 Einwohnern. In dem Ort gibt es viele unbebaute Flächen. Mit einer Handvoll großer Windräder, Solaranlagen und einer Gasturbine wollen wir dort die Hälfte des Energieverbrauchs decken.

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