Gesundheit Filigrane Eingriffe in Pflanzen gelten nicht mehr als Gentechnik

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Eingriffe in die Gene von Pflanzen mit neuen Genwerkzeugen wie zum Beispiel Crispr-Cas9 gelten offenbar nicht mehr als Gentechnik. Damit lassen sich nun gezielt die Eigenschaften von Pflanzen ändern, ohne dass die Eingriffe später kenntlich gemacht werden müssen, wenn diese zu Lebensmitteln verarbeitet wurden. Das berichtet die WirtschaftsWoche.

Adonisröschen im Sonnenaufgang Quelle: dpa

Mit Hilfe der neuen Methoden, die unter anderem die am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig arbeitende Forscherin Emmanuelle Charpentier entwickelt hat, werden die Gene einer Pflanze nicht stärker verändert als bei konventioneller Zucht. Selbst kritische Verbraucher dürften sich von der neuen Technik überzeugen lassen. So sei es grundsätzlich möglich, mit Hilfe des neuen Werkzeuges etwa in der Erdnuss das Protein auszuschalten, auf das viele Menschen allergisch reagieren, sagt Bernd Müller-Röber, Leiter einer Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam-Golm, der WirtschaftsWoche: „Wenn die Gene für ein Allergen bekannt sind, ist das mit der neuen Technik kein Problem.“

Viele Eingriffe sind derart filigran, dass so erzeugte Pflanzen nach aktueller Gesetzeslage nicht unter die Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) fallen. So sieht das Ricardo Gent, Geschäftsführer der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie: „Ein GVO im Sinne der EU-Richtlinie entsteht nur, wenn die ausgetauschten Gene aus einer anderen, mit der Pflanze nicht kreuzbaren Art stammen.“ Deutsche Behörden haben bereits der US-Firma Cibus signalisiert, sie betrachteten deren mit den neuartigen Genmethoden erzeugten Raps, der gegen ein Pflanzenschutzmittel resistent ist, derzeit als konventionell gezüchtet.

Kritisch sieht allerdings Christiane Woopen, die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, die Möglichkeit, die Methode Crispr-Cas9 auch am Menschen einzusetzen. Zwar seien „Keimbahneingriffe am Embryo“ verboten, so Woopen. Allerdings seien mit den bereits vorhandenen Möglichkeiten, Embryonen vorgeburtlich zu testen und bei schweren Erkrankungen auch in Deutschland ganz legal abzutreiben, die Grenzen allmählich fließend. Das Problem müsse global geregelt werden, so Woopen: „Sonst reisen Eltern, die das wünschen, eben in ein Land ohne Verbot.“ Sie will das Thema aufs Programm des nächsten weltweiten Treffens der nationalen Ethikräte setzen, dessen Gastgeberin sie im März 2016 in Berlin ist.

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