Greenpeace-Studie Outdoor-Jacken dünsten Chemikalien aus

Die Outdoor-Branche wirbt gern mit unberührter Natur. Dabei verwendet sie selbst hochgiftige Stoffe.

Die größten Outdoor-Ausrüster
Peter Schöffel Quelle: AP
Mountainbiker Quelle: PR
Frau mit Zelt Quelle: dpa/dpaweb
MammutObwohl die Schweizer bei der Händlerkette Intersport zu den meist verkauften Marken gehört lief es beim Outdoor-Ausrüster Mammut im vergangenen Jahr nicht zufriedenstellend. Der hohe Kurs des Franken verhagelte die Bilanz, und das obwohl die Firma in Deutschland ein zweistelliges Umsatzplus verbuchen konnte. Wegen des hohen Kurses lief auch das Geschäft im Heimatmarkt schlecht, denn die heimischen Kunden fuhren lieber ins nahe Ausland um einzukaufen. „Wir mussten die Preise in der Schweiz deshalb zwischen zehn und 15 Prozent senken", klagte Firmen-Chef Rolf Schmid in einem Interview. So ist der Umsatz 2011 um fast fünf Prozent auf 211 Millionen Franken gesunken. Quelle: dpa
Adidas-Zentrale Quelle: dapd
Steilwandkletterer Quelle: Screenshot
Jack WolfskinDer größte deutsche Hersteller von Outdoor-Bekleidung profitiert von den aufstrebenden Märkten in Asien. Die guten Geschäfte dort haben den Umsatz in Fernost 2011 mehr als verdoppelt. Weltweit stieg der Umsatz um 22,5 Prozent auf 355 Millionen Euro. Im europäischen Ausland sei der Umsatz ebenfalls überproportional gestiegen, heißt es vom Unternehmen aus dem hessischen Idstein im Taunus. Wie die meisten Unternehmen der Branche macht Jack Wolfskin zum Gewinn keine Angaben. Auch im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres ist der Umsatz um fast zehn Prozent gewachsen. Im zweiten Quartal könnte das schon anders aussehen. Im Sporteinzelhandel gehen die Geschäfte mit Jacken, Hosen und Rücksäcken von Wolfskin weniger gut. Andreas Rudolf, Geschäftsführer der Händlervereinigung Sport 2000 gegenüber dem Handelsblatt: "Die haben bei uns zweistellig an Umsatz verloren. " Wolfskin hat seit einem Jahr keinen Chef mehr. Der langjährige Vorstandschef Manfred Hell verließ das Unternehmen als der Finanzinvestor Blackstone Wolfskin übernahm. Quelle: dpa/dpaweb
Columbia SportswearFür das Geschäftsjahr 2011 stieg der Profit um 34 Prozent auf 84 Millionen Euro. Der Umsatz der Firma aus Portland kletterte um 14 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Besonders in Lateinamerika und im Asien-Pazifik-Raum konnte die Firma ihre Umsätze steigern – um 29 Prozent. In Europa, Afrika und dem Nahen Osten lag der Zuwachs bei 24 Prozent. Quelle: REUTERS
Amer SportsDer finnische Sportartikel-Konzern Amer Sports ist in Deutschland eher unbekannt. Doch hinter dem Namen verstecken sich anerkannte Outdoor-Marken wie zum Beispiel Salomon oder Arc'teryx. Das finnische Unternehmen startete erfolgreich ins Geschäftsjahr 2012 und konnte im ersten Quartal seine Erlöse um 9 Prozent auf 489,8 Millionen Euro steigern. Schuhe und Bekleidung von Salomon leisteten dazu einen erheblichen Beitrag und auch die Tennismarke Willson sorgte für klingelnde Kassen. Im Jahr 2011 konnten die Finnen rund 1,14 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften. Quelle: dpa
Granitfelsen Half Dome im kalifornischen Yosemite National Park Quelle: dpa

Wetterfeste Markenkleidung von The North Face, Patagonia, Adidas und Salewa dünstet Chemikalien aus. Zwei unabhängige Labore haben im Auftrag von Greenpeace 17 Outdoor-Artikel auf per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) und andere Schadstoffe geprüft (zur Studie). In allen Proben wurden PFC nachgewiesen.

„Die Outdoor-Branche wirbt nach wie vor mit unberührter Natur. Aber ihre Kleidung enthält Schadstoffe, die sich inzwischen rund um den Globus nachweisen lassen. Das ist vor allem ein Problem in den Produktionsländern. Aber auch bei uns finden wir PFC in der Umwelt, im Trinkwasser und im menschlichen Blut“, sagt Manfred Santen, Chemie-Experte von Greenpeace.

PFC lassen Wasser und Schmutz von Outdoor-Kleidung abperlen und finden sich auch in den innen liegenden wasserdichten Membranen (zum Beispiel Gore-Tex). Fluorverbindungen können in der Umwelt kaum abgebaut werden und gelangen über Nahrung, Trinkwasser und Luft auch in den menschlichen Organismus. Einige PFC können das Immunsystem und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und zu Schilddrüsenerkrankungen führen.

Neben den Ausgasungstests untersuchten die Labore auch das Material selber. Handschuhe der Marke Mammut enthielten illegale Konzentrationen der gesundheitsschädlichen Perfluorsulfonsäure (PFOS). Laut Greenpeace überschreitet der Wert den gesetzlichen Grenzwert von einem Mikrogramm pro Quadratmeter um das Neunfache. Jacken von Schöffel, Jack Wolfskin und Mammut enthielten bedenkliche Konzentrationen der giftigen Perfluoroktansäure (PFOA). Hohe Werte weiterer PFC wie Fluortelomeralkohole (FTOH) wurden in fast allen Jacken festgestellt, Spitzenreiter waren die Jacken von Adidas, Jack Wolfskin, The North Face und Salewa. Bedenklich sind auch einige Test-Ergebnisse anderer Schadstoffe, wie der hormonell wirksamen Weichmacher (Phthalate) oder Nonylphenole.

Alternativen zu dieser schadstoffbelasteten Outdoor-Kleidung sind bereits auf dem Markt. Dazu zählen Jacken mit PFC-freien Membranen oder Imprägnierungen aus Polyester und Polyurethan. Auch diese Jacken sind winddicht, atmungsaktiv und halten einem Wolkenbruch stand. „Vor dem Kauf sollten Verbraucher prüfen, ob sie eine Jacke für den Gipfelsturm oder den Spaziergang benötigen. Die schadstofffreien Jacken genügen fast immer“, sagt Santen.

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Greenpeace fordert die Outdoor-Industrie auf, konkrete Ausstiegsziele für PFC festzulegen und fluorfreie Alternativen weiterzuentwickeln. Der Ausrüster Jack Wolfskin gibt an, dem Wunsch bereits nachgekommen zu sein. Nachdem Greenpeace herausgefunden hatte, dass auch in den Outdoor-Jacken von Jack Wolfskin Fluorchemie verwendet wird, versprach das Unternehmen, bis 2014 die Hälfte der Bekleidungskollektionen ohne PFC anzubieten. Bis 2020 will der Konzern komplett aus der Fluorchemie auszusteigen.

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