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Grüne Pioniere Sozial ist sexy

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Kolb weiß, was sie will


Längst lebt die Sozialunternehmerin zwei Leben. In Berlin treibt sie den Markenaufbau voran und freut sich, nach Wochen der Hektik einmal im Monat für ein paar Tage in diese so andere Welt orientalischer Gelassenheit einzutauchen. „Checklisten bringen hier nichts, und Termine vereinbare ich schon gar nicht mehr“, sagt Kolb. Klar: Meist dauert es länger – und die Wege sind oft verschlungen. „Aber irgendwie ergibt sich dann doch alles.“


Inzwischen hat sie ein dichtes Kontaktnetz in Marokko geknüpft. Die meisten Geschäftsabschlüsse verhandelt sie selbst. Wie neulich mit dem Handwerker, der ihr künftig Taschen zusammennähen soll. Bei einem Tee fachsimpelt sie mit ihm über Ledersorten und handelt Liefertermine aus – freundlich aber bestimmt. Fast immer bekommt sie am Ende, was sie will.


So kennt Frank Schmidt sie, seit Kolb 1996 nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Hohenheim bei Stuttgart in seiner PR-Agentur Schmidt und Kaiser anfing. „Sie war eine äußerst attraktive Erscheinung“, erinnert er sich an die erste Begegnung. „Vor allem aber war sofort klar, dass sie einen eigenen Kopf hat und weiß, was sie will.“ Auch wenn Kolb 2001 in München ihre eigene Werbeagentur Calliope gründete, mit der Deutschen Bank als erstem Kunden, verloren sie und Schmidt sich nie aus den Augen. Er war immer überzeugt: „Wenn jemand ein so komplexes Projekt wie Abury gestemmt bekommt, dann die Andrea.“


Meisterprüfung mit Mandela


Die Fähigkeit, Dinge zum Erfolg zu führen, bewies sie schon vor Jahren. Im September 1999 organisierte Kolb an der Spitze eines 70-köpfigen Teams in Monaco die ersten Laureus World Sports Awards – ein viertägiges Event mit Sportstars wie Boris Becker, John McEnroe und David Coulthard, Top-Models wie Naomi Campbell und Modegrößen wie Karl Lagerfeld. Das monegassische Königshaus unterstützte die Veranstaltung, und einer der Ehrengäste war Nelson Mandela, bis wenige Monate zuvor Präsident Südafrikas. „Das war ihre Meisterprüfung“, sagt Schmidt. „Sie vereint strategisches Denken mit Kreativität und hoher sozialer Kompetenz. Das gibt es äußerst selten.“


Schon in der Schule trieb Kolb ihre Neugier für Menschen an – vor allem für Außenseiter. So gab sie zum Beispiel einer türkischen Mitschülerin Nachhilfe und deckte sie bei deren Eltern, die nicht wissen durften, dass ihre Tochter im Badeanzug schwimmen ging. So lernte sie, die Sensibilität zu entwickeln, mit der sie Menschen für ihre Ideen einnehmen kann. Darauf ist sie heute angewiesen. Denn die Mittel sind knapp, und der Idealismus vieler Unterstützer ist entscheidend.


Kolb hat längst einen weiteren Plan: Sie möchte ihr Modell auf andere Länder übertragen und so der Webkunst mit Bananenseide in Nepal oder dem Töpferhandwerk in Ecuador zu einer Zukunft verhelfen. Zuzutrauen ist es ihr.

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