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Grüne Pioniere Rebellin vom Lech

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Lob von der IG Metall

Näherinnen in Trinkalders Fabrik

Trinkwalder gibt ihnen Zeit, sich wieder in einen Achtstundentag einzufinden. Auf keinen Fall will sie die Frauen überfordern. Sie können sich ihr Pensum einteilen, keine arbeitet im Akkord. Trotz der kommoden Bedingungen zahlt Trinkwalder zehn Euro pro Stunde. Selbst die örtliche IG Metall lobt das Projekt.

Ihre Zugeständnisse an die eingeschränkte Leistungsfähigkeit der Frauen erkauft sich die Unternehmerin mit bescheidenen Gewinnspannen. Doch das stört sie nicht. „Es muss so viel hängen bleiben, dass ich Jobs schaffen kann.“

Den Näherinnen ihrerseits ist jenseits einer anständigen Bezahlung und rücksichtsvoller Arbeitsbedingungen vor allem eins wichtig: Sie zählen wieder etwas.

Etwa Brigitte Zanardi, die Einkaufstaschen zum Versand bereitstellt. Die 58-Jährige hatte 2009 ihre Stelle als Küchenhilfe verloren. Arthrose und eine verkrümmte Wirbelsäule schränken ihre Fitness ein. Bei Manomama hat sie die Freiheit, ihr Arbeitstempo daran anzupassen. Ehrensache, dass sie dafür alles gibt. „Ich fühle mich nicht mehr wertlos“, sagt sie und hofft, bis zur Rente bleiben zu können.

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    Geschäft läuft besser als erwartet

    Zu sehen, wie „die Ladys wieder aufblühen“, macht Trinkwalder glücklich. Immer stärker spürt sie allerdings auch, was sie sich mit ihrem sozialen Auftrag aufgebürdet hat. Zwar laufen die Geschäfte weit besser als kalkuliert. Die Drogeriekette DM etwa orderte plötzlich monatlich 240 000 Einkaufstaschen aus Stoff in Himbeerfrisch und Apfelgrün – geplant waren gut 80 000.

    Doch der an sich erfreuliche Boom bringt Trinkwalder an die Grenzen ihrer wirtschaftlichen Möglichkeiten: Auf einmal muss sie weit mehr Stoffe, Nähgarne und Knöpfe einkaufen als geplant. Und weit früher eine Reservefläche für die wachsende Produktion ausbauen. Ende dieses Monats soll die stehen. Dann wird sie weitere 50 Mitarbeiterinnen einstellen.

    Da selbst Genossenschaftsbanken nicht bereit sind, Trinkwalders Experiment zu finanzieren, muss sie alle Investitionen aus ihrem Privatvermögen bezahlen. Mit 300 000 Euro hat sie kalkuliert – inzwischen hat sie fast eine Million vorgestreckt.

    Frustig verlief so manches Einstellungsgespräch. Viele Bewerber, die ihr das Jobcenter vorbeischickt, erscheinen trotz oft langer Arbeitslosigkeit erst gar nicht oder lassen rasch erkennen, dass sie nicht wirklich an Arbeit interessiert sind.

    Erfolg trotz Anfangsschwierigkeiten

    Jetzt hängt sie ihr Herz nur noch an die, „die wirklich wollen“. Reinhold Demel, Chef der Augsburger Agentur für Arbeit, bewundert ihre Standfestigkeit und wünschte sich, dass mehr Unternehmen ein vergleichbares Engagement zeigen würden: „Dann hätten wir deutlich weniger Probleme am Arbeitsmarkt.“

    Die Anfangsschwierigkeiten haben Trinkwalder Kraft gekostet. Übernimmt sie sich, wie Freunde sich sorgen? Trinkwalder beugt sich energisch vor und sagt mit einem glucksenden Lachen: „Da kennan’s mich schlecht. So rasch kriegt mich niemand unter.“

    So sprechen die Leute in Oettingen, einem 5500-Einwohner-Städtchen nördlich von Augsburg, in dem sie 1978 zur Welt kam.

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