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Grüne Technologien Panasonic attackiert deutsche Unternehmen

Nach chinesischen Solar- und Windanlagenbauern greift nun auch Japans Waschmaschinen- und Elektronik-Ikone mit ressourcenschonender Technik an. Zum größten Zielmarkt hat der künftige Konzernchef Kazuhiro Tsuga Deutschland erklärt. Bosch, Siemens und Co. müssen sich je nach Sparte unterschiedlich wappnen.

Panasonic Fernseher in einem Geschäft Quelle: REUTERS

Gabelstapler laden silbern glänzende Gefäße von Lastwagen. Im Innern der Fabrik schrauben Arbeiter in beigefarbener Firmenuniform die Behälter zu zwei Meter hohen High-Tech-Anlagen zusammen. Die Montage ist kompliziert, ein Computer überwacht jeden Schritt, damit kein Kabel locker sitzt und später einen Funken auslöst.

Was Panasonic in seinem Werk nahe der alten Kaiserstadt Kyoto fertigt, hat nichts mit den Produkten zu tun, für die das Unternehmen bisher weltweit bekannt ist: Fernseher der Marke Viera, Lumix-Kameras oder Toughbook-Laptops. Japans größter Elektronikkonzern baut im Westen der Hauptinsel Honshu Brennstoffzellen für Einfamilienhäuser. Die Mikrokraftwerke verwandeln Erdgas in Wasserstoff, der dann zu Wasser verbrannt wird. Aus der frei werdenden Energie werden Strom und Wärme erzeugt. "Wir bringen Ökoinnovationen voran", prangt auf einem Band über der Straße vor dem Werk.

Der Spruch ist mehr als eine sinnstiftende Losung. Er ist der Mutmacher für eine langjährige Industrie-Ikone, die sich neu erfinden muss. Und er ist eine Kampfansage – auch und gerade an die deutsche Industrie, die bisher als weltweit führend gilt bei grünen Technologien. Panasonic hat Deutschland zum ersten Absatzgebiet für seine Ökoinnovationen im Ausland erkoren. Dazu haben die Japaner im Vorjahr ein Forschungszentrum nahe Frankfurt gegründet. "In Deutschland ist der Abstand zwischen Gas- und Strompreis weltweit am höchsten“, sagt Toshiki Shimizu, Chef der Brennstoffzellensparte. Dadurch würden sich die Brennstoffzellen hier „schnell amortisieren".

Große Verluste durch verlorene Preisschlachten

Panasonic in Zahlen

Der neue Fokus auf Greentech zählt zu den wichtigsten Strategieänderungen, mit denen Panasonic und andere japanische Konzerne die Krise bewältigen wollen, in die sie in den zurückliegenden Jahren geschlittert sind, weil neue Mitbewerber sie bedrängen. 16 Milliarden Euro haben Panasonic, Sony und Sharp zusammen im vergangenen Jahr allein mit der Produktion von Fernsehgeräten versenkt, weil sie die Preisschlacht mit den aufstrebenden koreanischen Rivalen Samsung und LG verloren haben. Die Verluste sind so groß, dass radikale Veränderungen notwendig sind, um den Fortbestand der Unternehmen zu sichern. Sony etwa lagert die TV-Produktion aus und konzentriert sich auf Kameras und Videospiele. Sharp verkauft zehn Prozent seiner Aktien und eine nagelneue Bildschirmfabrik an den taiwanesischen iPhone-Produzenten Foxconn.

Am weitesten jedoch geht Panasonic mit dem Umbau. Der langjährige Präsident Fumio Otsubo spricht von der "größten Transformation unserer Geschichte". Der Waschmaschinen-, Kühlschrank- und Unterhaltungselektronikhersteller will sich bis 2018 – dem 100. Firmenjubiläum – zum weltweit grünsten Elektronikkonzern wandeln. Zwar kündigte Otsubo das schon vor knapp zwei Jahren an. Vollziehen wird die Wende jetzt aber sein designierter Nachfolger Kazuhiro Tsuga, der Ende Juni das Ruder übernimmt.

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