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Hitzewellen in Australien Milliardenverlust für Wirtschaft

Bei extremer Hitze arbeiten - das schlaucht die fleißigsten Arbeiter. Die australische Wirtschaft erleidet nach einer neuen Studie durch immer häufigere Hitzewellen mehr als fünf Milliarden Euro Verluste im Jahr.

Strommasten in einem australischen Outback. Quelle: AP

Australien erlebt immer öfter extreme Hitzewellen. Pro Jahr gebe es heute doppelt so viele Tage mit Rekordhitze wie 1960, schrieb der unabhängige australische Klimarat (Climate Council) vor Kurzem. Das Team um Zander hatte über 1700 Australier gefragt, wie sie bei großer Hitze mit der Arbeit zurecht kommen. Dreiviertel der repräsentativen Gruppe gaben an, sie seien weniger produktiv, wie die Forscher in der Zeitschrift „Nature Climate Change“ berichten.

Sieben Prozent mussten wegen Hitzebeschwerden sogar für mindestens einen Tag im Jahr der Arbeit fern bleiben. Je mehr Zeit draußen gearbeitet wurde, desto größer war der Produktivitätseinbruch. Zander arbeitet an der Charles-Darwin-Universität in Casuarina nördlich von Darwin.

Zahlen zur Erderwärmung

Der Klimawandel verursache die Häufung extremer Hitzetage, sind Experten überzeugt. „Er macht Australien heißer“, schrieb der Klimarat im Februar. „Es gibt öfter heiße Tage und Hitzewellen werden noch heißer, noch länger und noch öfter kommen als bisher.“
Die jüngste Sommersaison begann bereits im australischen Frühling, im Oktober 2014, mit dem heißesten Oktobertag in Sydney seit Beginn der Aufzeichnungen: mehr als 36 Grad. Es folgten Novembertage mit mehr als 45 Grad westlich von Sydney und im Januar eine Hitzewelle mit 47,8 Grad in Carnarvon 900 Kilometer nördlich von Perth an der Westküste.

Aus diesen Gründen schwitzt die Erde
Das BevölkerungswachstumDie Anzahl der Menschen auf der Erde wächst jedes Jahr um etwa 70 bis 80 Millionen Personen. Das entspricht fast der Bevölkerungsgröße Deutschlands. Bis 2050 soll laut Schätzungen der Vereinten Nationen die Weltbevölkerung auf knapp 10 Milliarden Menschen angewachsen sein. Dass die Kinder nicht hierzulande oder bei unseren europäischen Nachbarn geboren werden, ist hinreichend bekannt. Vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern in Afrika und Asien wächst die Bevölkerungszahl. Dadurch wächst auch der Bedarf an Rohstoffen, Energie, Wasser und Nahrung. Quelle: dpa
WirtschaftswachstumTrotz Kyoto-Protokoll aus dem Jahr 1992 hat sich der CO2-Ausstoß kaum verringert. Lediglich als 2009 aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise viele Industriestätten weniger produzierten, sank der Wert der Kohlendioxidemission auf 784 Millionen Tonnen. Schon ein Jahr später lag der Wert wieder bei 819 Millionen Tonnen. Dabei entsteht ein Großteil der Emissionen in nur wenigen Ländern wie China, den USA und der EU. Quelle: dpa/dpaweb
AutomobileWährend Carsharing und der öffentliche Nahverkehr in Ländern wie Deutschland in Zeiten hoher Bezinkosten viele Anhänger findet, ist der weltweite Trend eindeutig ein anderer. Immer mehr PKW fahren über den Globus. 2010 wurde erstmals die 1.000.000-Marke geknackt. Besonders viele Autos pro Einwohner werden in Monaco und den USA gefahren. Quelle: dpa
Kohle, Kohle, KohleDer seit Mai 2012 stetig ansteigende Ölpreis hat dafür gesorgt, dass Kohle wieder an Attraktivität gewonnen hat. Die Wiederauferstehung der Kohle ist für die Umwelt eine Katstrophe. Laut BUND sind Kohlekraftwerke mehr als doppelt so klimaschädlich wie moderne Gaskraftwerke. Die großen Dampfwolken aus den Kühltürmen der Kraftwerke machen ein anderes Problem deutlich: Mehr als die Hälfte der eingesetzten Energie geht meist als ungenutzte Wärme verloren. Quelle: dpa
AbholzungDas Handout der Umweltschutzorganisation WWF zeigt die illegale Abholzung eines Waldgebietes in Sumatra (Indonesien). Jährlich gehen knapp 5,6 Millionen Hektar Wald verloren. Die fortschreitende Abholzung von Regenwäldern trägt entsprechend mit zur globalen Erderwärmung bei. Denn die Wälder speichern Kohlendioxid. Quelle: dpa
RindfleischRinder sind wahre CO2-Schleudern. Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch in Brasilien erzeugt genauso viel klimaschädliches Kohlendioxid wie eine 1.600 Kilometer lange Autofahrt. In diese Rechnung fließen mehrere Faktoren ein. Zum einen können auf dem für die Rinder genutzten Weideland keine Wälder mehr wachsen. Zum anderen scheiden Rinder das klimaschädliche Gas Methan aus. Laut WWF sind in Deutschland fast 70 Prozent der direkten Treibhausemissionen auf die Ernährung mit tierischen Produkten zurückzuführen. Quelle: dpa
WegwerfgesellschaftNicht nur Unmengen an Verpackungsmüll produzieren die Deutschen. Wir schmeißen auch jede Menge Lebensmittel weg, pro Kopf etwa 100 Kilogramm pro Jahr. Auch diese Verschwendung wirkt sich massiv negativ auf das Klima aus. Quelle: dpa


„Extreme Hitze ist in Australien die gefährlichste Form von Naturgefahren, die mehr Todesfälle verursacht als alle anderen Naturgefahren zusammen“, schreiben Zander und Kollegen in der Studie. 2013 und 2014 seien zahlreiche Rekorde gebrochen worden.
Arbeitgeber sollten mehr Trinkwasser zur Verfügung stellen und Fitnessprogramme auflegen, empfahlen sie.

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