WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Hochhäuser der Zukunft Obsternte im Wolkenkratzer

Seite 3/4

Geradezu revolutionär

Was Städte zukünftig lebenswert macht
Gesunde Bevölkerung
Das neue Ideal einer Stadt
Grüne Oasen
Taktischer Urbanismus

Geradezu revolutionär ist das Energiekonzept. Zwei Blockheizkraftwerke (BHKW) versorgen das Allzweckgebäude mit Strom und Wärme. Die Maschinen verbrennen Methangas, das spezielle Algen auf dem Wege der Fotosynthese und unter Zugabe von CO2 aus den BHKW-Abgasen produzieren. Die Kleinstlebewesen wachsen in großen Tanks im Untergeschoss und in Panelen an der Außenfassade heran (siehe Illustration).

Auch an die Wirtschaftlichkeit haben die Entwickler gedacht. Überschüssige Wärme aus den BHKWs und dem Rechenzentrum könnten die Immobilienbesitzer an Wärmenetzbetreiber verkaufen oder mit ihr die Gewächshäuser beheizen. Die Biomasse der Algenabfälle wiederum soll später zu einem Grundstoff für Kosmetika und Kunststoffe werden.

Noch existiert das Multifunktionshaus von Fronk und Schenk erst auf dem Papier. Doch die beiden Zukunftsplaner sind zuversichtlich, dass die Technik der Biogasgewinnung aus Algen in spätestens zehn Jahren so weit ist, dass sie mit dem Bau der ersten Gebäude beginnen können.

Allzweck-Hochhäuser und Holztürme (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Illustration: Javier Zarracina

Da sind der österreichische Bauunternehmer Hubert Rhomberg und der kanadische Architekt Michael Green schon weiter. Die Holzbau-Pioniere haben bewiesen, dass sich auch Hochhäuser aus dem nachwachsenden Rohstoff bauen lassen – und die Befürchtung widerlegt, sie könnten schneller in Brand geraten als solche aus Stahl und Beton.

Ein wichtiger Schritt. Denn neben einer ressourcenschonenden Architektur zählt der Umstieg auf ökologische Baustoffe zu den wichtigsten Maßnahmen einer nachhaltigen Stadtentwicklung.

Der Umwelt käme es massiv zugute, würden Hochhäuser künftig im großen Umfang aus Holz errichtet. Das haben Experten der Internationalen Energieagentur errechnet. Demnach werden bei der Herstellung von zehn Kilogramm Zement bis zu neun Kilogramm CO2 freigesetzt. Holz dagegen entzieht der Atmosphäre Kohlendioxid und speichert es als Kohlenstoff.

Das ist nicht der einzige Vorteil. Rhomberg hat mit seinem Unternehmen Cree, einer Tochter der Rhomberg Holding, deren rund 2.000 Beschäftigte er ebenfalls führt, ein Stecksystem für die Rohbauteile entwickelt. Fünf Monteure schaffen bis zu zwei Etagen am Tag. Stahlbetonbauer brauchen dafür bis zu zwei Wochen.

Die Architekturbranche bittet zur Werkschau
Büro- und Wohnhaus in StarnbergBauherr: Markus Heckl, Starnberg Architektur: Bembé Dellinger Architekten und Stadtplaner GmbH Das futuristische Gebäude hat 447 Quadratmeter Nutzfläche und kann von Interessierten am Samstag, den 29. Juni 2013, um 14 und 16 Uhr besichtigt werden. Der Treffpunkt ist die Leopoldstraße 2b in 82319 Starnberg. Quelle: Bembé Dellinger Architekten und Stadtplaner GmbHFotografie: Johannes Hiller
Wohnungsbau Menterschwaige, München-HarlachingBauherrin: KLAUS Wohnbau GmbH, Augsburg | München Architektur: Blaumoser Architekten | Stadtplaner, Albert Blaumoser, Starnberg, Das organisch geformte Terrassenhaus mit zwölf einzelnen Wohnungen hat eine Gesamtfläche von 1.845 Quadratmetern. Besichtigt werden kann das Mehrparteienhaus am Samstag, den 29. Juni um 17 Uhr in der Harthauser Straße 87, 81545 München. Quelle: Blaumoser Architekten |Stadtplaner Fotograf: Burkhard Franke
Wohnhaus in der Goldbergstraße, München-SollnBauherrin: Private Häuser Wohnbau GmbH, München Architektur: SPP Sturm, Peter + Peter Architekten + Ingenieure, Christine Peter, Christian Peter, München Das Gebäude in der Goldbergstraße 7 in 81479 München beherbergt insgesamt acht Wohnungen mit Garten, Balkon oder Atrium und Dachgarten, die am Samstag, den 29. Juni um 14 Uhr besichtigt werden können. Quelle: SPP Sturm, Peter + PeterFotografie: Simone Rosenberg
Energetische Sanierung einer Grundschule mit Turnhalle, München-Sendling-WestparkBauherrin: Landeshauptstadt München, Referat für Bildung und Sport, Baureferat Hochbau (Projektleitung), München Architektur: Volker Thun, Bettina Armbruster, München Bei dieser Grundschule in München wurden Kastenfenster rekonstruiert, Zugänge und Farbkonzept neu interpretiert und Bauteile modernisiert. Das Ergebnis können sich Besucher am Samstag, den 29. Juni von 14 bis 15.30 Uhr sowie von 16 bis 17.30 Uhr, ansehen. Treffpunkt ist jeweils der Haupteingang der Schule (rote Tür) in der Werdenfelsstraße 58, in 81377 München. Quelle: Volker Thun, Bettina Armbruster, MünchenFotografie: Eliser Wiedemann
Betriebsgebäude für einen LKW-Handel, OberschleißheimBauherr: Ludwig Füchsl GmbH, Oberschleißheim Architekt: PALAIS MAI Architekten GbR, München Dieses schwarze Betriebsgebäude für einen Gebraucht-LKW-Händler steht inmitten einer mehrere Hektar großen Kiesfläche. Interessierte können das Kunstwerk am Samstag, den 29. Juni, von 13 bis 15 Uhr in der Hicklstraße 7 in 85764 Oberschleißheim besichtigen. Quelle: Palais MAI Architekten GbRFotograf: Edward Beierle
Einfamilienhaus Aletshausen - OT WinzerBauherren: König/Bär, Winzer Architektur: Jakob Architekten, Ulrike Jakob, Armin Jakob, Krumbach, Landschaftsarchitektur König, Melanie König Das Thema dieses Wohngebäudes in der Hauptstraße 56, 86480 Aletshausen, ist das Wohnen in und mit der Natur. Besichtigungstermine sind am Samstag, 29. Juni, und Sonntag, 30. Juni, jeweils um 11 Uhr. Quelle: JAKOB architekten GbRFotografie: Georg Drexel
Kinderkrippe WörthseeBauherrin: Gemeinde Wörthsee Architektur: Füllemann Architekten GmbH Die Kinderkrippe in der Schluifelder Straße 12 in 82237 Wörthsee ist ein Passivhaus-Holzbau, der sich nach Süden zur Landschaft hin öffnet. Besichtigt werden kann das Gebäude am Sonntag, den 30. Juni von 10 bis 12 Uhr. Quelle: Füllemann Architekten GmbHFotografie: Achim Füllemann

Ähnlich baut Architekt Green. Die Pläne für zwei 30-geschossige Holzbauten im kanadischen Vancouver und auf der ehemaligen New Yorker Gefängnisinsel Roosevelt Island hat er fertig in der Schublade. Für ihn gibt es keinen ökologischeren Baustoff. Heute gingen auf das Konto der Bauwirtschaft rund 40 Prozent des globalen Energie- und Ressourcenverbrauchs. „Mit Holz können wir die Bilanz drastisch verbessern“, glaubt Green.

Doch so einfach geben sich die Bautraditionalisten nicht geschlagen und kontern ihrerseits mit einem Feuerwerk an Innovationen. Sie sollen Bauten ebenfalls wirtschaftlicher, ökologischer und überdies sicherer machen. Alles zusammen treibt laut einer Studie der Londoner Marktanalysten von Navigant Research massiv die Nachfrage nach grünen Baumaterialien. Bis 2020 werden die Umsätze mit Dämmstoffen, Isoliergläsern und Dachbegrünungen weltweit von heute gut 100 Milliarden Dollar auf etwas mehr als 250 Milliarden Dollar zulegen – am stärksten in Europa (siehe Grafik oben).

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%