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Insekten als Lebensmittel Warum Insekten auf unseren Teller gehören

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Rund 1900 Insektenspezies sind essbar

Nach Schätzungen der FAO sind rund 1900 Insektenspezies essbar. Bei rund zwei Milliarden Menschen stehen sie bereits auf dem Speiseplan. Am beliebtesten sind Käfer, gefolgt von Raupen, Bienen, Wespen, Ameisen, Heuschrecken, Grillen, Zikaden, Termiten, Libellen und Fliegen - bis hin zu Küchenschaben. In Uganda sind Heuschrecken eine Delikatesse. In China werden Zikadenlarven mit Gemüse und Chili gebraten.

Vielen Forschern gelten diese Traditionen als zukunftsweisend. Denn 2050 könnten neun bis zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben - nährstoffreiches Essen für alle könnte knapp werden. Die Nahrungsmittelproduktion mit Hilfe von Insekten sei dabei mit Blick auf Wasser- und Futterverbrauch sowie Kohlendioxid-Erzeugung wesentlich effektiver als beispielsweise die Rinderzucht, erklärt van Huis

Insekten sind reich an Proteinen, ungesättigten Fettsäuren, Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen wie Eisen, Magnesium, Selen und Zink. Und die Larven des Mehlkäfers liefern ähnlich wertvolle Omega-III-Fettsäuren wie Fisch.

Vegan bedeutet nicht gleich gesund
Zu viel Fett, zu viel Salz oder zu viele gesättigte Fettsäuren: Die Verbraucherzentrale Hamburg hat gravierende Mängel an veganem Fleischersatz gefunden. Sie weist Veganer darauf hin, dass vegane Produkte keineswegs rein natürlich seien. Ohne den größeren Einsatz von Zusatzstoffen sei die „Herstellung oder ein annehmbarer Geschmack in den meisten Fällen nicht möglich“. Auch Etikettenschwindel und irreleitende Phantasienamen kämen im Test vor. Zudem seien gesättigte Fettsäuren schwer für den Körper zu verarbeiten. Geflügel-Mortadella ist die Vorlage dieses Brotaufschnitts. Die Verbraucherzentrale kritisiert, dass auf der Verpackung wichtige Nährwertangaben fehlen würden und der Hersteller nicht auf Nachfragen über das Produkt geantwortet habe. So bliebe unter anderem die Herkunft der Zutaten verborgen. Immerhin hat der Aufschnitt aber nur halb so viel Fett wie herkömmliche Mortadella. Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg
Dieses Schlagsahneimitat enthält den Testern zufolge zu viele gesättigte Fettsäuren. Außerdem haben sie Bedenken bezüglich des verarbeiteten Seetangs. Der Hersteller habe zu der Herkunft der Zutaten auf Nachfrage keine Auskunft gegeben. Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg
Auch an diesem Produkt hat die Verbraucherzentrale etwas auszusetzen: Beim ersten Blick auf die Vorderseite dieses Produkts bliebe unklar, worum es sich überhaupt handele. Es ist Margarine. Außerdem seien die Wallnüsse auf dem Deckel irreführend, da das Produkt nur zwei Prozent Wallnussöl enthalte. Die Margarine hätte über dies einen hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren, verursacht durch Kokos- und Palmöl. Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg
Name und Design dieses Getränks würden suggerieren, dass die Zutaten aus der Schweiz stammen, obwohl sie teilweise aus Italien, Ungarn und Türkei importiert werden. Das sei irreführend, kritisieren die Hamburger. Ebenso fehlleitend sei die Angabe, dass der Drink keinen Zucker enthalte. Denn der enthaltene Zuckerersatz Maltodextrin werde teilweise im Mund zu Zucker umgewandelt. Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg
Laut Verbraucherzentrale ist dieses Produkt eines der wenigen, das bei ihrem Test gut abgeschnitten haben. Diese Würstchen bestehen hauptsächlich aus den Samen der Süßlupine, einer heimischen Hülsenfrucht, die zu den Ginsterarten gehört. Eine Wurst enthalte halb so viel Fett wie eine herkömmliche Bratwurst, was ein positiver Punkt sei. Nur der Salzgehalt sei zu hoch. Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg
An diesen veganen Burger-Patties kritisiert die Verbraucherzentrale Hamburg, dass sie 35 Prozent mehr Fett als handelsübliche Bouletten aus Rinderhack und vier mal so viele gesättigte Fettsäuren enthalte. Das Etikett sei zudem irreführend: Der Veggie Burger enthalte geschmacksverstärkendes Hefeextrakt, obwohl auf der Verpackung „ohne Zusatz von Glutamat“ abgedruckt sei. Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg
Der Käseersatz überzeugt die Verbraucherzentrale Hamburg nicht, da er viele Zusatzstoffe wie Konservierungsmittel und gesättigte Fettsäuren enthalte. Außerdem bemängelt sie, dass die Produktbeschreibungen „Ethisch“ oder „Vegane Aromen“ nicht genau definiert sei. Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg

Nur hilft das alles nicht gegen Ekel. Deshalb sind Insekten auch als verarbeitete, sozusagen unsichtbare Lebensmittel im Gespräch. „Wenn die Currywurst aus dem 3D-Drucker kommt, geht Insektenmehl in Zukunft vielleicht auch“, sagt BfR-Experte Wittkowski. Noch ist das in Deutschland aber Zukunftsmusik. Insekten gibt es bisher allein als Futtermittel für den Heimtierbedarf. Für Nutztiere sind sie nicht erlaubt. Und exotische Insektenrestaurants brauchen in der Regel die Erlaubnis der Lebensmittelüberwachung in den Bundesländern.

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    Die BfR-Wissenschaftler denken vor einer möglichen Liberalisierung auch über Nachteile von Insekten als Lebensmittel nach und sehen erheblichen Forschungsbedarf. Denn Insekten können Krankheitserreger wie Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten übertragen. Zwar seien Erkrankungen für Europa bisher nicht nachgewiesen, sagt Niels Bandick, der am BfR zu biologischer Sicherheit forscht. Für eine mögliche Zucht sollten solche Risiken aber ausgeschlossen werden. „Auch wenn Insekten in der Regel nicht roh gegessen werden.“

    Wie gesund ist Fleischverzicht?
    EiweißmangelIn Fleisch ist jede Menge Eiweiß enthalten. Um beim Fleischverzicht trotzdem genug Eiweiß zu sich zu nehmen, müssen Vegetarier neben pflanzlichen Lebensmitteln auch jede Menge Eier und Milchprodukte verzehren. Auch Getreide und Hülsenfrüchte enthalten viel Eiweiß, allerdings können diese die tierischen Produkte wie Milch und Eier nicht ersetzen. Wer Vegan lebt, und auch darauf verzichtet, muss quasi zum Ernährungsexperten werden und die pflanzlichen Proteinquellen geschickt miteinander kombinieren, damit dem Körper genügend Eiweiß für Zellen, Muskeln, Organe und Knochen zur Verfügung steht. Quelle: dpa
    CalciummangelStrahlend weiße und gesunde Zähne brauchen vor allem eins: Calcium. Auch für den Knochenbau, bei der Muskel- und Nerventätigkeit und der Blutgerinnung macht sich das Element bemerkbar. Vegetarier müssen zwar sehr auf ihr Ernährung achten, doch Calciummangel ist nur in den seltensten Fällen ein Problem. Gerade Milchprodukte wie Käse, Joghurt und Buttermilch sind reich an Calcium. Auch rein pflanzliche Lebensmittel, wie Broccoli, Kohl, weiße Bohnen, Samen oder Lauch enthalten das Element - wenn auch in deutlich geringerer Menge als Milchprodukte. Entsprechend schwierig ist es für Veganer eine ausreichenden Menge zu sich zu nehmen. Quelle: ZBSP
    Jod-MangelEin paar Bio-Doraden könnten helfen: Immer wurde in der Vergangenheit bei Vegetariern Jodmangel festgestellt, und gerade in Fisch ist viel Jod enthalten. Allerdings wird der Jodmangel bei Vegetariern inzwischen deutlich seltener beobachtet. Grund könnte die verstärkte Verwendung von Jodsalz in deutschen Haushalten sein. Ein anderer der stärkere Verzehr von Tiefkühlprodukten. Durch die Tiefkühlkost gelangen immer mehr pflanzliche Lebensmittel aus Gegenden mit mehr Jod in jodarme Gegenden wie Deutschland. Die Weltgesundheitsorganisation beziffert den Minimalbedarf an Jod für Erwachsene mit 60 bis 120 Mikrogramm pro Tag. Einige Lebensmittel enthalten Substanzen, die die Jodaufnahme hemmen und dadurch den Jodbedarf erhöhen können. Hierzu gehören unter anderem Blumenkohl und Rettich. Aber auch Nitrat, Rauchen oder bestimmte Arzneimittel haben einen hemmenden Einfluss. Die wichtigste Folgeerkrankung des resultierenden chronischen Jodmangels ist der Kropf, eine Schilddrüsenvergrößerung. Quelle: dpa
    EisenmangelBekommt der Körper zu wenig Eisen treten Symptome wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder Konzentrationsproblemen auf. In Fleisch steckt jede Menge Eisen. Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln wird vom menschlichen Körper deutlich schlechter aufgenommen. Entsprechend müssen Vegetarier besser auf ihre Ernährung achten. Zu Lebensmitteln, in denen viel Eisen enthalten ist, gehören Vollkornbrot aus Roggen oder Weizen, Haferflocken, Hülsenfrüchte wie Linsen und weiße Bohnen, Blattgemüse (Spinat), Nüsse, Samen, Hirse, Pfifferlinge, Amarant oder Quinoa. Besonders gut wird Eisen in Kombination mit Vitamin C aufgenommen. Das Vitamin steckt in Orangen, Paprika, Rosenkohl oder Sauerkraut. Quelle: AP
    Vitamin-B12-MangelDas Vitamin-B12 übernimmt im Körper wichtige Funktionen beim Fettstoffwechsel und ist unentbehrlich für den Aufbau der roten Blutkörperchen. Vegetarier haben in der Regel weniger ein Problem mit Vitamin-B12-Mangel, sofern sie auch tierische Produkte wie Milch und Eier zu sich nehmen. Schwieriger ist es bei Veganern. Denn das Vitamin kann nicht von Pflanzen gebildet werden. Zwei Ausnahmen: Geringe Mengen finden sich in vergorenem Gemüse wie Sauerkraut und teilweise in Algen wieder. Quelle: dpa
    FleischkonsumWer glaubt, dass regelmäßiger Fleischkonsum die einzig wahre Ernährung ist, liegt falsch. Auch Fleischesser müssen darauf achten, wie viel Fleisch sie essen. Denn der Konsum von zu viel tierischem Fett schadet der Gesundheit, da diese Fette Entzündungen auslösen können. Dadurch werden Krankheiten wie Arthrose, Arthritis und Reuma begünstigt. Massiver Konsum von tierischen Fetten kann sogar zu Magen- oder Darmkrebs führen. Experten empfehlen daher nicht mehr als 300 bis 450 Gramm fettarmes Fleisch pro Woche zu sich zu nehmen. Rotes Fleisch wie Rind, Schwein und Lamm sollten eher selten gegessen werden. Sie interessieren sich für Ernährungsmythen? Klicken Sie hier. Quelle: dpa

    Vorsicht empfiehlt auch Alfonso Lampen, am BfR zuständig für Lebensmittelsicherheit. „Einige Käferarten, zum Beispiel Bockkäfer, produzieren toxische Substanzen. Beim Menschen können sie Magen-Darm-Probleme auslösen“, sagt er. Dazu komme die Frage nach Allergenen. Winzige Hausstaubmilben seien ein Beispiel dafür, dass Insekten Allergien auslösen könnten. Und auch Insekten sind Tiere. Bei einer Zucht in Europa - als Lebens- oder Futtermittel - kommen ethische Fragen dazu. Empfinden Insekten Schmerz? Ist das Gas Kohlendioxid eine humane Tötungsart für Krabbeltiere? Und ist ein tierisches Produkt wirklich ökologisch sinnvoller als eine importierte pflanzliche Alternative wie Sojamehl? Das BfR will diese Fragen geklärt sehen, ehe Grillen-Snacks und Mehlwurm-Pfannkuchen mehr als ein Party-Gag werden.

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