Internationale Energieagentur So kann die globale Energiewende gelingen

Die Internationale Energieagentur ruft das Ende des Kohle-Zeitalters aus. Das Pariser Institut macht auch Vorschläge zum Umbau der Energiewirtschaft. Danach soll der Energiesektor schon ab 2020 immer sauberer werden.

Grüner High-Tech für Stadt und Land
Schlafkapsel von Leap-Factory Quelle: PR
Prototyp eines wärmespeichernden Grills Quelle: PR
Mini-Windkraftwerk von MRT Wind Quelle: PR
Leuchtendes Kindle-Cover Quelle: PR
Selbstversorgende Insel in der Südsee Quelle: PR
Tomaten in einem Gewächshaus Quelle: dpa
Ein Schild mit der Aufschrift "Genfood" steckt in einer aufgeschnittenen Tomate neben einem Maiskolben Quelle: dpa/dpaweb

Eine Welt ohne fossile Energieträger – dieses Ziel haben die Staats- und Regierungschef der der führenden sieben Industrienationen kürzlich auf Schloss Elmau in Bayern beschlossen. Im Abschlussdokument bekannten sich Obama, Cameron, Merkel und Co. zu einer „Dekarbonisierung der Weltwirtschaft im Laufe dieses Jahrhunderts“. Schon bis 2050 soll die Energiewirtschaft umgebaut werden.

Am Montag stellte nun die Internationale Energieagentur IEA ihren Weltenergiebericht vor, in dem das Pariser Institut Vorschläge für eine Art globale Energiewende unterbreitet. Zentrale Botschaft der Wissenschaftler: In 15 Jahren könnten erneuerbare Energieträger wichtiger sein als fossile. „2030 können 60 Prozent der Stromerzeugung aus Erneuerbaren kommen und ein Viertel des globalen Energiebedarfs aus sauberen Quellen gedeckt werden“, sagte IEA-Chefökonom Fatih Birol bei der Vorstellung des Reports in Paris.

Wo die Energiewende besser funktioniert
Im internationalen Vergleich gibt es kaum ein zweites Land, das sich derart ambitionierte Ziele zur Umstellung seines Energiesystems gesteckt hat wie Deutschland. Daher existiert auch kein Gesamtkonzept, das als Blaupause für die deutsche Energiewende dienen könnte. Dennoch kann Deutschland von anderen Ländern lernen. Eine Studie von McKinsey im Auftrag von Siemens stellt Beispiele aus verschiedenen Ländern vor und zeigt, was davon in welchem Umfang auch in Deutschland erfolgreich umgesetzt werden könnte. Die Fallbeispiele beziehen sich auf die wesentlichen Elemente der deutschen Energiewende entlang der Energiewertschöpfungskette: Stromerzeugung, Verteilung oder Balancierung von Angebot und Nachfrage sowie Steigerung der Energieeffizienz. Quelle: dpa
Dänemark, Niederlande, Brasilien - Versteigerung von WindparksDer Ausbau von Solar und Windkraft wird die Regierung bis 2020 rund 30 Milliarden Euro kosten. Eine Möglichkeit, den Kostenanstieg zu drosseln, wäre eine Anpassung der Förderung, zum Beispiel durch Auktionierung von Windparkprojekten – wie in Brasilien, Dänemark oder den Niederlanden praktiziert. So kann erreicht werden, dass Windparks an windreichen Standorten mit einer geringeren Vergütung auskommen. Würden in Deutschland die infrage kommenden Windparkprojekte in Zukunft versteigert, könnten allein im Jahr 2020 rund 0,7 Milliarden Euro an Förderkosten eingespart werden. Quelle: dpa
China – bessere Nutzung von AbwärmeAbwärme lässt sich bei Temperaturen ab circa 300 Grad Celsius zur Stromerzeugung nutzen. In Deutschland gibt es unter anderem in der Zement- und Glasindustrie weitere Potenziale, die andere Länder beziehungsweise Pilotanlagen in Deutschland bereits nutzen: So wurden in China in den  vergangenen zehn Jahren knapp 30 Zementwerke mit entsprechenden Anlagen ausgestattet oder werden aktuell umgerüstet. Durch Nachrüsten der in Deutschland infrage kommenden Werke könnten hier im Jahr 2020 etwa 2 TWh Strom erzeugt und so eine Megatonne CO2 eingespart werden. Die Investitionen würden sich bereits nach rund drei Jahren amortisieren, so die Autoren der Studie. Quelle: REUTERS
Shanghai – bessere TransformatorenJetzt wird es technisch, aber im Grunde simpel. Transformatoren sind  für die Stromversorgung unverzichtbar, da elektrische Energie nur mittels Hochspannungsleitungen über weite Entfernungen wirtschaftlich sinnvoll transportiert werden kann; der Betrieb von Elektrogeräten ist aber nur mit Nieder- und Kleinspannung praktikabel und sicher. Transformatoren haben einen magnetischen Kern, meist Eisen, man kann aber auch so genannte amorphe Metalle verwenden. Sie haben bessere magnetische Eigenschaften und senken Übertragungsverluste im Netz.  In Shanghai konnten die Leerlaufverluste der ausgetauschten Transformatoren um 80 % reduziert werden konnten. Allein die Ausstattung der in Deutschland bis 2020 neu zu installierenden Transformatoren mit amorphen Kernen könnte die Übertragungsverluste im Stromnetz im Jahr 2020 um 0,2 TWh reduzieren. Dies entspricht der Stromproduktion von circa 65.000 Aufdach-Solaranlagen. Durch die Einsparungen  würden sich die erforderlichen Investitionen nach circa elf Jahren amortisieren. Quelle: dpa
Schweden – mehr WärmepumpenEine Wärmepumpe entzieht zum Beispiel dem Boden oder der Luft unter Aufwendung mechanischer oder elektrischer Energie thermische Energie und stellt diese zur Raumheizung zur Verfügung. Momentan sind in Schweden bei 9,5 Mio. Einwohnern 1 Mio. Wärmepumpen installiert, gegenüber circa  0,5 Mio. Wärmepumpen in Deutschland bei rund 81 Millionen Einwohnern. Der Ausbau zusätzlicher 0,7 Millionen Wärmepumpen in Deutschland bis 2020 würde zu einer Senkung des Primärenergiebedarfs um 18 PJ und zu einer Senkung der CO2-Emissionen um 0,6 Mt für das Jahr 2020 führen. Foto: "Tourismusverband Westschweden Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
USA – Stromnachfrage besser steuernDie Stromerzeugung aus Wind und Sonne schwankt wetterabhängig sehr stark. Das belastet das Netz. Die Schwankungen lassen sich durch eine flexiblere Stromnachfrage ausgleichen. Im Nordosten der USA hat man dazu einen Markt für temporäre Nachfragereduzierung geschaffen. Zu Spitzenzeiten reduzieren Stromkunden ihren Verbrauch freiwillig und erhalten hierfür eine Vergütung. Bei diesem Fallbeispiel wurde die Spitzenlast in einem Markt, der größer als der deutsche ist, um circa 8 % reduziert. Würde Deutschland in ähnlicher Weise allein seine industrielle Nachfrage flexibilisieren, könnten 2020 etwa 0,5 Milliarden Euro eingespart werden. Das entspricht den jährlichen Betriebskosten von zwei großen Kohlekraftwerken. Quelle: AP
Los Angeles – LED-StraßenbeleuchtungInternational hat eine Reihe von Städten den Austausch der klassisch verwendeten Natrium-Hochdrucklampen durch LED s vorangetrieben. In den USA installierte zum Beispiel Los Angeles von 2009 bis 2013 in 146.000 Ampeln und Straßenleuchten mit LED. Mit Investitionen von rund 45 Millionen Euro konnte eine Reduzierung des Stromverbrauchs von rund 60 % erreicht werden. Quelle: Presse

Derzeit erzeuge der Energiesektor doppelt so viel Treibhausgas wie alle anderen Energiekonsumenten zusammen. Birol sagte mit Blick auf die im Dezember in Paris stattfindende UN-Klimakonferenz, dass sich daher jedes Abkommen auf den Energiesektor konzentrieren müsse. 2014 hätten zudem die weltweiten Emissionen erstmals nicht zugenommen, obwohl die Weltwirtschaft um drei Prozent gewachsen sei. „Das ist ein gutes Zeichen.“

Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, schlägt die IEA „eine Brückenstrategie vor, bei der der Scheitelpunkt für globale Energie-bezogene Emissionen 2020 erreicht wird”, heißt es in dem IEA-Report. In Elmau hatten sich die G7-Staaten darauf verständigt, dass die Erderwärmung zwei Grad nicht übersteigen soll. Wird diese Marke gerissen, gelten die Auswirkungen des Klimawandels als kaum noch zu beherrschen.

Für dieses „Brückenszenario“ hält die Internationale Energieagentur fünf Maßnahmen für sinnvoll:

1.      Energieeffizienz bei Industrie, Gebäuden und Verkehr steigern.

2.      Nutzung von wenig effizienten Kohlekraftwerken zurückfahren und den Neubau solcher Anlagen verbieten.

3.      Steigerung der Investitionen in erneuerbare Energietechnologien von derzeit 270 Milliarden US-Dollar auf 400 Milliarden im Jahr 2030.

4.      Subventionen für fossile Energieträger bis 2030 auslaufen lassen.

5.      Methan-Emissionen bei der Produktion und Förderung von Öl und Gas reduzieren.

In Arbeit
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Die Internationale Energieagentur wird von 29 Staaten getragen und finanziert, darunter die USA, Großbritannien, Japan, Deutschland und viele weitere EU-Staaten. Einmal im Jahr gibt die IEA ihren „World Energy Outlook“ heraus. Mit Blick auf den Pariser Klimagipfel im Dezember gilt die diesjährige Konferenz als besonders wichtig.

Greenpeace-Experte Karsten Smid hält diese Vorschläge der Energieagentur für ökologisch und ökonomisch sinnvoll. Mit erneuerbaren Energien lasse sich gut Geld verdienen – auch in Staaten, die bislang kaum als Vorreiter in Sachen Klimaschutz aufgefallen seien. „In China beispielsweise setzen sich die Technologien aufgrund der hohen Luftverschmutzung durch“,  sagte Smid WirtschaftsWoche Online. Zwar hofft der Energieexperte weiter auf ein verbindliches Klimaschutzabkommen in Paris. Den Verhandlungen blickt er aber gelassen entgegen. „Manche Teile der Wirtschaft sind der Politik mittlerweile weit voraus.“

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