Klimaschutzprogramm: Herr Habeck, nehmen Sie sich ein Beispiel an Joe Biden!

US-Präsident Joe Biden bei der Einführung des Inflationsreduktionsgesetzes im September 2022.
Foto: REUTERSEs gibt da eine Sache, die der globale Klimaschutz sehr viel dringender braucht als alles andere. Das ist nicht etwa die Wärmepumpe im deutschen Eigenheim, auch nicht das E-Auto in der Garage oder der Verzicht auf den Urlaubsflug nach Mallorca. Es ist: Masse. Oder etwas technischer gesagt: die Skalierung jener Technologien, die die Basis einer klimafreundlichen Zukunft sein werden. Technologien wie der grüne oder blaue Wasserstoff, das Filtern von Kohlendioxid aus der Luft – Direct Air Capture genannt – und neuartige Batterie- und Energiespeichertechnik.
Nur wenn diese endlich im großen Maßstab ausgerollt werden, können auch die Kosten dafür sinken. Nur so werden sie wettbewerbsfähig werden und können klimaschädliche Techniken nach und nach verdrängen. Die Regierung von US-Präsident Joe Biden hat genau das erkannt. Unter anderem mit ihrem Inflationsreduktionsgesetz hat sie ein bemerkenswert simples Instrument geschaffen, das gerade massive Investitionen in jene klimaneutrale Technologien auslöst: Baut was auf, nehmt Kapital in die Hand - und zum Dank zahlt ihr weniger Steuern.
Das Investitionsprogramm ist so mächtig, dass es die US-Wirtschaft zurzeit stärker wachsen lässt als die Volkswirtschaften aller anderen G7-Staaten. Kein Industrieland der Welt hat sich so gut von der Pandemie erholt wie die Vereinigten Staaten – Boom in the USA.
Lesen Sie auch die große WiWo-Titelgeschichte: Boom in the USA
Während Deutschland sich mikromanagend in der Heizungswende verheddert, die Milliarden kosten und dennoch nur einen vergleichsweise geringen Beitrag zum globalen Klimaschutz liefern wird, setzen die USA den ganz großen Hebel an. Dort wo es gerade am dringendsten gebraucht wird. Ganz oben an den Prozess- und Produktionsketten.
Wer sauberen Wasserstoff produziert, bekommt pro Kilogramm drei Dollar Steuernachlass. Wer eine Tonne CO2 dauerhaft im Boden wegspeichert, statt sie in die Atmosphäre zu blasen, bekommt 85 Dollar. Und wer bereits emittiertes CO2 wieder aus der Luft fischt, erhält sogar bis zu 180 Dollar Steuererleichterung je Tonne. Das Programm ist wunderbar simpel – und ein Geschenk für den Klimaschutz.
Viel weniger Ideologie
Dabei erlaubt es auch Dinge, die auf den ersten Blick nicht die endgültige Lösung des Klimaproblems sein werden. Dazu zählt etwa die Verwendung von industriellem CO2 für die Herstellung von synthetischem Benzin. Doch damit kann die neue Technologie erst einmal skalieren. Die industrielle CO2-Quelle später durch das klimafreundlichere Direct Air Capture zu ersetzen, ist dann nur noch ein kleiner Schritt. Billigere E-Fuels wären das Resultat.
Ein Grund für den Pragmatismus mag sein, dass die Biden-Regierung weniger ideologisch an die Sache heran geht als die Grünen in Deutschland. Biden schreibt eben nicht vor, ob am Ende E-Autos oder E-Fuels das Rennen machen sollen. Er lässt alle klimaneutralen Technologien zu. Das wird auch für Wettbewerb zwischen ihnen sorgen, was wiederum den Innovationsdruck bei jeder einzelnen Technologie erhöhen wird. Auch das dürfte die Preise senken und helfen. Buchstäblich nachhaltig.
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sollte sich das für die eigene Klimapolitik abschauen. Es ist schließlich nicht so, dass so etwas Deutschland nicht könnte. Als die Republik in den 2000er Jahren die Solarindustrie mit Subventionen hochpäppelte, war das genau der Weg, den Biden jetzt geht. Damit haben wir die Technik erst einmal skaliert, fit für den Weltmarkt gemacht. Auch wenn die Fabriken heute in China stehen, war der Beitrag zum globalen Klimaschutz gewaltig. Sehr viel größer jedenfalls als es das heutige Mikromanagement der Grünen jemals sein kann.
Dieser Beitrag entstammt dem WiWo-Newsletter Daily Punch. Der Newsletter liefert Ihnen den täglichen Kommentar aus der WiWo-Redaktion ins Postfach. Immer auf den Punkt, immer mit Punch. Außerdem im Punch: der Überblick über die fünf wichtigsten Themen des Tages. Hier können Sie den Newsletter abonnieren.