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Klimawandel „Natürlich gibt es Unsicherheiten“

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„Die Wirtschaft muss den Wandel begreifen“

Orphal: „Klimawandel hin oder her, unsere Technologien müssen sauberer werden“ Quelle: dpa

Entgegen der weit verbreiteten Darstellungen von Politikern und Medien gibt es also noch Unsicherheiten, was den Klimawandel betrifft?
Natürlich und darüber müssen wir die Öffentlichkeit informieren! Im IPCC findet diese Diskussion auch statt und sie wird in den Berichten, die übrigens im Internet öffentlich zugänglich sind, sehr gut dargestellt. Ganz besonders die Fragen, wie stark sich der Klimawandel regional auswirkt und wie wir die existierenden Klima-Modelle noch weiter verbessern können, sind heftig umstritten. Aber daran wird fieberhaft gearbeitet. Außerdem: Wir haben zwar schon viele Messdaten, aber die reichen noch lange nicht aus, damit wir wirklich alle diese komplexen Prozesse so gut verstehen, wie es Politik und Öffentlichkeit von uns erwarten. Dass Vahrenholt jetzt behauptet, er könne die Entwicklung des Klimas genauer vorhersagen als der Weltklimarat, ist angesichts der vielen offenen Fragen ziemlich unglaubwürdig.

Also ist Vahrenholts Buch viel Lärm um Nichts?
Die Argumentation des Buches ist aus wissenschaftlicher Sicht sehr dilettantisch. Ein interessanter Nebeneffekt ist aber durchaus, dass eine wichtige Debatte jetzt auch in der Öffentlichkeit stattfindet. Wir müssen die Unsicherheiten in der Klimaforschung noch klarer kommunizieren. Denn die gibt es in vielen Punkten. Aber genau daran arbeiten die Forscher.

Außer, dass der Mensch die Erde mit Treibhausgasen erwärmt und die Erwärmung stetig zunimmt, scheint also vieles ungeklärt. Wie sollen Politik und Wirtschaft auf diese Unsicherheiten reagieren?
Wenn ein Mensch erkrankt, dann bemüht sich der Arzt erst einmal um eine möglichst genaue Diagnose, bevor er ihn behandelt - sonst besteht das Risiko, dass er die falsche Therapie einsetzt. Es besteht allerdings die Gefahr, dass wir es beim Klimawandel anders herum machen: Wir Klimawissenschaftler werden jetzt schon zu Anpassungsstrategien an den Klimawandel befragt, wo doch die genauen Folgen, besonders auf regionaler Ebene, noch nicht wirklich gesichert sind.

Also machen wir einfach weiter wie bisher?
Nein, natürlich nicht. Denn was Fakt ist: Der Mensch schadet der Umwelt massiv. Die Atmosphäre, die Flüsse, das Grundwasser und die Luft sind heute schon verschmutzt, und die fossilen Rohstoffe gehen ganz sicher irgendwann zu Ende. Klimawandel hin oder her, unsere Technologien müssen sauberer werden, und wir brauchen in Zukunft Ersatz für Öl, Gas und Kohle in Form erneuerbarer Energien. Das müssen Politik und Wirtschaft verstehen und entsprechend handeln. Aber die wachsenden Emissionen von Treibhausgasen werden mit Sicherheit zu einer zunehmenden Erwärmung führen, das ist nun einmal die Physik des Treibhauseffekts. Darum ist es wichtig, auch diese Emissionen in Zukunft zu begrenzen.

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