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Leonardo Maugeri "Es ist eine dramatische Machtverschiebung"

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Machtverschiebung im Ölgeschäft

Umwelt



Und das zeigt sich wo?

Den Schieferölboom zum Beispiel haben die Großen völlig verschlafen. Vor ein paar Jahren machte man in den Vorstandsetagen noch Witze über Gas und Öl aus Schiefergestein. Da fehlten die strategische Vision und das Know-how.

Dafür dominieren auf Ölfeldern heute Technik- und Serviceunternehmen wie Halliburton oder Schlumberger.

Richtig. Es ist eine dramatische Machtverschiebung, die derzeit im Ölgeschäft stattfindet. Das hat aber auch damit zu tun, dass die Ölmultis immer weniger Geld für Forschung und Entwicklung ausgeben. Serviceunternehmen oder kleine spezialisierte Ölförderer haben dadurch inzwischen mehr Expertise. Die Folge: Staatliche Ölgesellschaften in Russland oder Saudi-Arabien müssen sich Wissen nicht mehr unbedingt von den Supermajors einkaufen.

Dennoch fehlt keines der großen Ölunternehmen bei komplizierten Offshore-Projekten auf der See.

Ein Lob ist das nicht. Offshore-Projekte sind riskant und kapitalintensiv. Sich billigere Vorkommen wie das Schieferöl zu erschließen haben die großen Unternehmen verpasst.

Wenn der Ölpreis tatsächlich einbricht und damit die Gewinne, was können die Unternehmen dann tun?

Erst mal sollten sie ihre unrentablen Investitionen in Erdgas zurückfahren.

Reicht das?

Sicher nicht, denn die Goliaths sitzen in einer Falle aus zu hohen Kosten und abnehmenden Ölreserven. Das Einzige, was ihnen bleibt, ist sehr viel Kapital. Sie werden versuchen, kleinere spezialisierte Unternehmen zu übernehmen. Das muss aber im richtigen Moment passieren. ExxonMobil zum Beispielhat 2009 das Schiefergasunternehmen XTO für 41 Milliarden Dollar gekauft. Im Jahr darauf brachen die Erdgaspreise ein.

Wäre es ein Ausweg für die Supermajors, mehr Geld in erneuerbare Energien zu investieren?

Vielleicht, aber die Top-Manager ignorieren dieses Thema völlig. Es gab Versuche, aber die haben Shell, BP und ExxonMobil zum größten Teil eingestellt. So, wie es derzeit aussieht, wird kein Ölunternehmen bei sauberen Energieträgern künftig eine Rolle spielen.

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