Luftverschmutzung Schlechte Luft könnte 7,4 Millionen Todesopfer fordern

Die Bilder vom Smog-verseuchten Peking, in dem tagelang kaum die Hand vor Augen zu sehen war, sind ein halbes Jahr alt. Da schickt die Internationale Energieagentur eine Warnung: Die Zahl der Toten durch schlechte Luft könnte auf 7,4 Millionen steigen.

Peking ruft erneut höchste Alarmstufe aus
Peking stellt sich für die kommenden Tage erneut auf heftige Luftverschmutzung ein. Zum zweiten Mal in diesem Monat hat die Stadt die höchste Smog-Warnstufe ausgegeben. Die Alarmstufe „Rot“ soll von Samstag bis Dienstag gelten, wie das Wetteramt der chinesischen Hauptstadt am Freitag mitteilte. Während der höchsten Warnstufe bleiben Schulen und Kindergärten geschlossen, einige Industriebetriebe müssen den Betrieb einschränken oder stoppen. Auch für den Autoverkehr gelten Beschränkungen. Quelle: dpa
Peking hatte den höchsten Smog-Alarm erstmals am 7. Dezember ausgerufen, als die Belastung mit gefährlichem Feinstaub laut offiziellen Messungen weit über einen Wert von 300 stieg. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt einen Höchstwert von 25. Für die kommenden Tage rechnen die Behörden nun mit noch etwas schlechterer Luft als bei der ersten Warnung der höchsten Kategorie. Quelle: REUTERS
Smog in Peking Quelle: dpa
Smog in Peking Quelle: REUTERS
Smog in Peking Quelle: AP
Smog in Peking Quelle: REUTERS
Smog in Peking Quelle: REUTERS

Die Luftverschmutzung gefährdet nach Angaben von Experten immer mehr Menschenleben. Erst im Mai zeigten die Ergebnisse einer weltweiten Studie, dass jährlich etwa 5,5 Millionen Menschen auf der ganzen Welt frühzeitig an den Folgen von Luftverschmutzung sterben. Jetzt warnt die Internationale Energieagentur (IEA) vor der zukünftigen Entwicklung: Sofern nichts weiter gegen die schlechte Luft getan werde, dürfte die Zahl der dadurch bedingten Todesfälle bis 2040 auf 7,4 Millionen pro Jahr ansteigen. Derzeit sterben jährlich etwa 6,5 Millionen an den Folgen von verunreinigter Luft sowohl im Freien als auch in geschlossenen Räumen.

Der Schadstoffausstoß werde bis 2040 zwar zurückgehen, erklärte die Agentur. Doch die derzeitigen Pläne reichten nicht aus, um die Qualität der Luft zu verbessern. Luftverschmutzung sei inzwischen die viertgrößte Gefahr für die Gesundheit nach Bluthochdruck, ernährungsbedingte Risiken und Rauchen. Die Investitionen in diesem Bereich müssten lediglich um sieben Prozent oder 4,7 Billionen Dollar angehoben werden, um die Zahl der Toten deutlich zu verringern. "Das sind Peanuts", sagte IEA-Direktor Fatih Birol. "Damit können aber drei Millionen Menschenleben gerettet werden."

Allein eine halbe Millionen vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung in der EU

Auch heruntergebrochen auf die Europäische Union sieht es schon nicht sehr gut aus: In den Städten in der EU müssen fast alle Menschen ungesunde Luft atmen, hieß es Anfang Juni in dem UN-Bericht Global Environment Outlook. Demnach sind 95 Prozent der Städter Schadstoffwerten ausgesetzt, die über den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation liegen.

Mehr als 500.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr gehen demnach alleine in der EU auf schlechte Luftqualität draußen zurück und weitere 100.000 auf Schadstoffe in geschlossenen Räumen. Die Daten beziehen sich allerdings auf das Jahr 2012.

Das verstehen die Deutschen unter Nachhaltigkeit

Insgesamt seien Luftverschmutzung und der Klimawandel die größten allgemeinen Gesundheitsrisiken in einem Gebiet von Europa bis nach Zentralasien, meldeten auch die Experten der UN-Behörden Unep und Unece. Die Erwärmung der Atmosphäre erhöhe Gefahren durch Überschwemmungen, Hitzewellen, Dürren, geringere landwirtschaftliche Erträge, Allergien sowie durch Krankheiten, die über Lebensmittel und Wasser übertragen werden.

Und während die IEA jetzt von einem Rückgang sprach, zeichnet sich laut dem UN-Bericht in einigen Ländern der Europäischen Union sogar noch eine stärkere Luftverschmutzung ab. So würden Autos und Lastwagen die Luft inzwischen stärker als die Industrie verpesten.

Als Gegenmaßnahmen empfehlen alle Experten den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Auch sollte weniger Dünger genutzt werden und es sollten weniger Chemikalien in die Meere gelangen. Zum Schutz von Land und Boden müssten Gesetze verschärft werden, hieß es weiter.

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