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Nachhaltigkeit Mit diesen Tricks waschen sich deutsche Unternehmen grün

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Norm widerspricht sich selbst

Ein kleiner Orang-Utan Quelle: dapd

Es riecht modrig. Dunkelbraune Haufen mit gesiebtem Kompost reihen sich wie gigantische Maulwurfshügel aneinander. Nur eine eingezäunte Halde sticht wie ein Fremdkörper ins Auge. Sie ist gespickt mit bunten Plastikfetzen. Jeden Tag laden bis zu zehn Lastwagen hier Berlins Biomüll ab, etliche Tausend Tonnen im Jahr.

"So ist der Müll unverkäuflich", sagt Betriebsleiter Wolfgang Heilscher. Die Plastikfetzen sind unter anderem die Reste der angeblich kompostierbaren Tragetaschen, die immer mehr zum Problem werden. Gigantische Maschinen müssen den Biomüll Kubikmeter für Kubikmeter sieben. Rotierende Bürsten fischen dann die Plastikfetzen heraus. Laut Umfragen der Deutschen Umwelthilfe haben viele Kompostierwerke Schwierigkeiten mit den Kompost-Tüten, obwohl sie meist das Siegel – den grünen Keimling – tragen.

Aldi Süd und Rewe nehmen Bio-Tüten aus den Regalen

Der Widerspruch liegt in einer Norm: Um mit dem grünen Keimling ausgezeichnet zu werden, müssen Biokunststoffe in zwölf Wochen zu 90 Prozent zerfallen. Viele Werke erzeugen ihren Kompost aber in vier Wochen. In Jühnsdorf ist der Biomüll zudem oft kälter und trockener. Dadurch zersetzen sich die Ökofolien wesentlich schlechter als unter Normbedingungen.

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    Das Problem ist seit Jahren bekannt. Solange die Norm nicht der Realität angepasst oder die Technik in den Kompostierwerken verbessert wird, sollten die Unternehmen daher das Siegel nicht verwenden. Sie erwecken damit schlicht einen irreführenden Eindruck. Nach öffentlichem Druck nahmen Aldi Süd und Rewe die 40 Cent teuren Tüten aus dem Sortiment.

    Ähnliches zeigt sich auch am Beispiel Palmöl. Das billigste aller Fette steckt in jedem zweiten Supermarktprodukt: in Seife, Schokolade, Eis, Tütensuppen, Backwaren, Nutella, Margarine, Reinigungsmitteln – auch in vielen Bioprodukten.

    Auch Raubbau bei Palmöl

    Doch Palmöl provoziert seit Jahren Protest von Umweltschützern. Denn um die Palmen zu pflanzen, aus deren Früchten das Öl gewonnen wird, roden Unternehmen in Ländern wie Indonesien und Malaysia Tausende Quadratkilometer Dschungel. Regierungstruppen und Sicherheitsleute von Unternehmen vertreiben Menschen und zerstören ganze Dörfer.

    Das schmutzige Geschäft passt nicht zu einem grünen Image. Als der WWF 2004 einen Verein mit dem Namen Runder Tisch für Nachhaltiges Palmöl (RSPO) gründete, schlossen sich nach und nach Konzerne wie Rewe, Unilever, Nestlé und Henkel an. Sie wollten nur noch Palmöl einsetzen, für das kein Regenwald und Orang-Utan stirbt.

    Seit 2011 prangt auf Dutzenden Supermarktprodukten das RSPO-Siegel. Doch von Entwarnung könne keine Rede sein. Unter den Lieferanten für das vermeintlich nachhaltige Fett, "sind Palmöl-Hersteller, die Raubbau und Landraub betreiben", sagt Frank Waskow von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Waskow hat selbst jahrelang in Asien recherchiert.

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