Naturkatastrophenbilanz 2014 Deutlich geringere Schäden durch Unwetter und Erdbeben

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hat gute Nachrichten: Im vergangenen Jahr starben durch Naturkatastrophen deutlich weniger Menschen. Auch die Summe der Schäden ging merklich zurück.

Die größten Naturkatastrophen der letzten Jahre
HagupitTaifun „Hagupit“ tobt mit heftigen Winden und starken Regenfällen auf den Philippinen. Nur quälend langsam zieht der Sturm Richtung Westen und hinterlässt im Durchzugsgebiet erhebliche Zerstörung. Millionen Menschen waren ohne Strom. Nach einer ersten Bilanz der Katastrophenbehörden machten sich die Massenevakuierungen aber bezahlt. Allerdings sei eine Frau in Catarman auf der Insel Samar ertrunken, teilten sie mit. Zwei weitere Todesopfer wurden gemeldet, diese hatten aber nicht unmittelbar mit dem Taifun zu tun. Unter ihnen war ein Mädchen, das nach hohem Fieber in einem Notaufnahmelager starb. Zwei Menschen seien verletzt worden, als ein Baum auf ihr Moped stürzte. „Hagupit“ war in der Nacht zu Sonntag (Ortszeit) bei Dolores in Samar an Land gekommen. Quelle: dpa
HaiyanRund 110 Kilometer südlich bei Guiuan war Taifun „Haiyan“ am 8. November 2013 angekommen und hatte bei der Überquerung des Inselstaates in einer mehr als 100 Kilometer breiten Schneise schwere Verwüstungen angerichtet. 6300 Tote und fast 1000 Vermisste ließ der Sturm zurück. Nach „Haiyan“ hatten Zehntausende Überlebende tagelang vergeblich auf Hilfe gewartet. Quelle: AP
Zyklon EvanDer Zyklon Evan hat im Dezember 2012 im pazifischen Inselstaat Samoa Zerstörungen angerichtet. Sturmböen und starker Regen peitschten nach Angaben von Augenzeugen den ganzen Freitag über die Hauptstadt Apia. Dort hatte Evan innerhalb von 24 Stunden Hunderte Bäume entwurzelt und Strommasten umgerissen. Drei Menschen kamen Medienberichten zufolge ums Leben. Zwei von ihnen sind Kinder, die ein reißender Strom fortriss. Quelle: dapd
Hurrican SandyDer Wirbelsturm Sandy tobt im Oktober 2012 über den Osten der USA. Etliche Gebäude wurden zerstört, zwischenzeitlich viel in großen Teilen für mehrere Tage der Strom aus. Etwa 120 Menschen kamen ums Leben. Quelle: dapd
März 2011: Das schwerste Erdbeben in der Geschichte Japans und ein Tsunami haben Zerstörungen unabsehbaren Ausmaßes angerichtet. Experten sprechen bei dem Erdbeben, das mit einer Stärke von 8,9 das Land erschütterte, von einem der stärksten seit Menschengedenken. Das japanische Erdbeben ist jüngste Naturkatastrophe der vergangenen zehn Jahre. In Chile, Haiti, China, Indien und Pakistan kosteten Beben und Flutwellen immer wieder unzählige Menschenleben Quelle: dpa
August 2011: Während des heißen Sommers brennen in Russland große Flächen auf dem Land. Zwischenzeitlich brachen über 250 neue Feuer an nur einem Tag aus, 174.000 Hektar brannten nieder. Quelle: dpa
Erst kürzlich am 22. Februar 2011 erschütterte ein Erdbeben in der zweitgrößten neuseeländischen Stadt Christchurch die Erde. Etwa 10.000 Häuser sind nach dem Beben abbruchreif, 100.000 weitere beschädigt. Bislang wurden 166 Tote geborgen. Quelle: dpa
Januar 2010: In Australien stehen große Landesteile nach einer Jahrhundertflut unter Wasser. Die heftigen Niederschläge im Bundesland Queensland kosteten mindestens 30 Menschen das Leben. Mehrere hunderttausend Menschen mussten aufgrund der weitläufigen Überschwemmungen evakuiert werden. Quelle: dpa
Das schlimmste Erdbeben der Neuzeit ereignete sich am 12. Januar 2010 in Haiti. Das Beben um die Region der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince kostete 222.570 Menschen das Leben. Ein Drittel der etwa zehn Millionen zählenden Bevölkerung Haitis war vom Beben unmittelbar beeinträchtigt, etwa zwei Millionen Menschen wurden infolge des größten Bebens in der Geschichte Südamerikas obdachlos. Quelle: dpa
Mai 2008: Das Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan war mit einer Stärke von 7,9 das stärkste Beben in China in den vergangenen 30 Jahren und kostete 84.000 Menschen das Leben. Quelle: AP
Mai 2008: Der Zyklon Nargis riss in Myanmar offiziell 80.000 Menschen in den Tod. Schätzungen gehen sogar von bis zu 128.000 Verstorbenen aus. Quelle: AP
Im Oktober 2005 wurden Pakistan und Indien von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Eines der schwersten Erdbeben in der Geschichte der beiden Länder sorgt für mehr als 80.000 Tote. Quelle: REUTERS
Im August 2005 brechen in New Orleans infolge des Hurrikans Katrina die Dämme. In kurzer Zeit werden 80 Prozent der Stadt von den Wellen überflutet. Infolge der Katastrophe verließen die meisten Bewohner New Orleans, die Stadt glich daraufhin einer Geisterstadt. Quelle: dapd
Weihnachten 2004: Im indischen Ozean vor der Küste Sumatras sorgt ein Erdbeben der Stärke 9 für eine Folge von Tsunamis. Die Wellen haben Auswirkungen in Indonesien, Sri Lanka, Indien, Thailand, Myanmar, die Malediven, Malaysia und Bangladesch und selbst noch in Nordostafrika. Die Tsunamis sorgten für eine der größten Katastrophen in der Geschichte und rissen mehr als 230.000 Menschen in den Tod. Quelle: AP

„Dass die Naturkatastrophen im vergangenen Jahr weniger Menschenleben gekostet haben, ist bei aller Tragik im Einzelfall eine gute Nachricht“, sagt Thorsten Jeworrek, Mitglied des Vorstands beim Rückversicherer Munich Re. Insgesamt 7.700 Menschen verloren 2014 durch Wetterextreme und Erdbeben ihr Leben. Im Jahr zuvor waren es noch 21.000 gewesen.

Die Naturkatastrophen verursachten Schäden in Höhe von 110 Milliarden US-Dollar nach 140 Milliarden US-Dollar 2013. Das gab der weltweit größte Rückversicherer Munich Re bekannt. Versichert waren 2014 Schäden in Höhe von 31 Milliarden US-Dollar.

Die bessere Bilanz ist nach Erkenntnissen der Munich-Re-Experten alles andere als Zufall. „Vielerorts funktionieren die Frühwarnsysteme besser“, sagt Jeworrek. Bei heraufziehenden Wetterkatastrophen brachten Behörden Menschen konsequent in Sicherheit. So geschehen etwa vor dem Auftreffen des Zyklons Hudhud auf die Ostküste Indiens und des Taifuns Hagupit auf die philippinische Küste.

Der Wirbelsturm Hudhud war die teuerste Naturkatastrophe des vergangenen Jahres. Der Zyklon verursachte Schäden von sieben Milliarden US-Dollar.

Enormer Schaden durch Naturkatastrophen

Zur besseren Naturkatastrophenbilanz des vergangenen Jahres trug auch die deutlich unterdurchschnittliche Hurrikansaison im Nordatlantik bei. Dort bildeten sich nur acht starke Stürme, der langfristige Durchschnitt liegt bei elf. Dagegen war die tropische Wirbelsturmsaison im Ostpazifik von überdurchschnittlich vielen Stürmen geprägt, die meist aber nicht auf Land trafen.

Der Zyklon Hudhud zeigte, wie sinnvoll Maßnahmen der Behörden zur Schadensbegrenzung wirken. Hudhud erreichte am 10. Oktober über dem Golf von Bengalen seine größte Stärke und war mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 190 km/h ein Sturm der Kategorie vier von fünf. Am 12. Oktober traf er nahe der indischen Hafenstadt Visakhapatnam auf die Küste, einem wichtigen Wirtschaftszentrum der Region Andhra Pradesh mit zwei Millionen Einwohnern.

Teilweise fielen mehr als 120 Liter Regen pro Quadratmeter in 24 Stunden. Aufgrund der Warnungen des indischen Wetterdienstes hatten die Behörden etwa eine halbe Million Menschen evakuiert und in sichere Unterkünfte gebracht. Dadurch blieb die Zahl der Todesopfer für eine Katastrophe dieser Stärke mit 84 niedrig.

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Die niedrigeren Schäden im vergangenen Jahr dürfen nach Ansicht von Jeworrek nicht dazu führen, sich in Sicherheit zu wiegen. Insgesamt habe sich die Risikosituation nämlich nicht verändert. Jeworrek. „Es gibt keinen Anlass, für 2015 einen ähnlich gemäßigten Verlauf zu erwarten.“

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