Netzausbau Dortmunder Unternehmen hübscht Strommasten auf

Ohne neue Stromtrassen wird sich die Energiewende nicht umsetzen lassen. Doch nicht alle Bürger schätzen einen Mast vor der Haustür. Das Unternehmen Amprion setzt daher auf ein neues Design.

So sehen die neuen Vollwandmasten aus, die das Dortmunder Unternehmen Amprion an den Start bringen will. Quelle: PR

Dass die Energiewende ohne neue Stromtrassen nicht möglich sein wird, ist bekannt. Die großen Windparks in Norddeutschland produzieren Strom, der auch im Süden der Republik benötigt wird. Gleichzeitig gilt Deutschland als Stromtransitland in der EU. Entsprechend dringend ist der Ausbau des Stromnetzes, der von der Politik vorangetrieben wird.

Etwa 3800 Kilometer neue Stromtrassen müssten bis 2022 gebaut werden, prognostizierten die Stromnetzbetreiber der Bundesregierung bereits vor über einem Jahr. Inklusive der Kosten für die Aufrüstung der 400 Kilometer vorhandenen Trassen kämen Investitionen in Höhe von 20 Milliarden Euro auf die Bundesrepublik zu.

Zum Ärger vieler Bürger wird ein Großteil der Leitung nicht unterirdisch verlegt. Erdkabel sind zum einen deutlich teurer als Überlandleitungen, zum anderen ist der Boden nicht überall geeignet. Entsprechend werden vermehrt die 50 bis 60 Meter hohen Strommasten gebaut. So auch auf der Strecke von Wesel ins niederländische Doetinchem.

Lenkdrachen soll Energie gewinnen
Sie sehen aus wie übliche Lenkdrachen, doch sollen sie zukünftig der Gewinnung von Windenergie dienen. Die Technische Universität Delft in den Niederlanden, deren Drache hier zu sehen ist, forscht seit Jahren im Kite Power Projekt an dieser Technologie und hat schon mehrere Prototypen getestet. 2015 könnten laut der Brandenburger Firma Enerkite die fliegenden Kraftwerke auch in Deutschland für Energie sorgen. Die Drachen fliegen dafür in 300 bis 600 Metern Höhe und zapfen dort die konstanten Windströme für die Stromgewinnung ab. Über ein Seil ist der Drache mit einer mobilen Bodenstation gekoppelt. Die Flugsteuerung sowie der Generator laufen per Autopilot. Im Gegensatz zu großen Windanlagen sind die „Energiedrachen“ flexibel einsetzbar, leise und auch noch günstiger. Quelle: Twitter
Die USA setzt ebenfalls auf Fluggeräte zur Energiegewinnung, doch diese ähneln eher einem Flugzeug. Windturbinen aus Glasfasern und Karbon machen dabei die Stromgewinnung in der Luft möglich. Die Forschung des kalifornischen Unternehmens Makani Power an der Airborne Wind Turbine wird unter anderem von Google bezuschusst. Die Turbine, die bis zu 600 Meter hoch fliegt, wird von einem Hauptseil gehalten, während die Luftenergie über ein anderes Seil zum Boden gelangt. Dabei fliegt die Windturbine kreisförmig und quer zum Wind, wodurch sie sehr hohe Geschwindigkeiten erreicht. Der Prototyp kann sogar teilweise selbstständig den Flugmodus wechseln. Das Unternehmen plant die Windturbinen auch auf der See einzusetzen. Quelle: Twitter
Zumindest auf den Plänen der Konstrukteure bringen diese Windgeneratoren mehr Leistung als konventionelle Windmühlen. Der vertikale "Aerogenerator" wird auf hoher See installiert. Die Stromausbeute liegt bei 10 Megawatt, rund drei Megawatt mehr als die bisher größte Windanlage produziert. Die Spannweite kann nach Angaben des britischen Herstellers Windpower bis zu 230 Meter betragen. Dagegen sehen die bisher üblichen Windmühlen eher schlapp aus - die neuesten Anlagen der konventionellen Bauart sollen nämlich einen Rotorendurchmesser von "nur" 180 Meter haben. Texte: Miguel Zamorano Recherche: Andreas Menn Quelle: PR
Schaut wie eine Steinschleuder aus, ist aber ein Lenkdrache. Die Idee: der Kite-Segel der italienischen Firma Kite Gen ist an einem bewegbaren Arm an zwei Seilen befestig und wird dann auf eine Höhe von 800 bis 1000 Metern gebracht. Dort dreht der Winddrachen konstante Achten und treibt so die Turbine an. Der Vorteil: in mehr als 1000 Meter Höhe bläst der Wind konstanter als in Bodennähe. Bei einer Windgeschwindigkeit von 25 km/h läge die Energieausbeute laut Hersteller bei drei Megawatt. 300 Drachen brächten so die Leistung eines Atomkraftwerks - und da der Wind in der Höhe nahezu durchgehend bläst, gäbe es keine großen Ausfallzeiten. Der Haken: Flugzeuge müssten das Gebiet umfliegen. Das scheint bei der hohen Verkehrsdichte am europäischen Himmel und der Größe der Lenkdrachen-Parks nicht praktikabel. Das Modell ist derzeit noch in der Erprobungsphase. Quelle: PR
Bläst der Wind, dreht sich der Ballon um die eigene Sache und treibt den Rotor an Quelle: PR
Die Windhelix eignet sich für große Eigenheime Quelle: PR
Diese Modell soll sich unauffällig in die Landschaft fügen- Quelle: PR

Um die 380-Kilovolt-Leitung am Niederrhein attraktiver zu gestalten, hat der Übertragungsnetzbetreiber Amprion aus Dortmund ein neues Design entwickelt. „Bei Bürgerveranstaltungen wurde immer wieder angemerkt, dass die Masten auf der anderen Seite der Grenze viel schöner sind als unsere Stahlgittermasten“, sagt Amprion-Sprecher Andreas Preuß. Entsprechend soll sich der neue Masttyp optisch den niederländischen Masten anpassen. Vor zwei Jahren hat das Unternehmen angefangen, den neuen Vollwandmast zu entwickeln. Nun ist das Konzept fertig.

Zum Einsatz kommen sollen die Masten zunächst nur auf der sechs Kilometer langen Strecke von Millingen am Niederrhein bis zur Landesgrenze. Dabei werden sie lediglich zwei 380-Kilovolt-Stromkreise führen. Das nur zwei Kreise enthalten sind, ist eine Ausnahme. In vielen Regionen müssen die über einhundert Jahre alten Stahlgittermasten vier oder mehr Stromkreise führen, um die Haushalte zu versorgen. Gerade wegen ihrer langen Lebensdauer und betrieblichen Flexibilität haben sie sich so lange am Markt gehalten.

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Ob die neuen Vollwandmasten aus Dortmund sich durchsetzen, bleibt abzuwarten. „Bisher ist das Ganze noch ein Pilotprojekt, um technische Erfahrungen mit der neuen Bauart zu sammeln“, sagt Preuß. Anders als die niederländischen Stahlmasten hätten die Entwickler darauf geachtet, die Traversen zur Befestigung der elektrischen Leiter an den Freilastungsmasten soweit auseinander zu bauen, dass an dem einen gearbeitet werden kann, während der andere noch in Betrieb ist.

Bisher ist lediglich das Verfahren für den Bau der Leitungen eingeleitet. Die Arbeiten werden voraussichtlich frühestens 2014 beginnen. Auch wie teuer das Projekt werden könnte, ist noch nicht klar. „Das hängt unter anderem davon ab, ob die Masten aus Stahl oder Beton gebaut werden“, sagt der Sprecher. Vermutlich werden die schicken Trassen aber teurer als die bisherigen. 

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