Pilotprojekt Windparks auf See werden zur Hummer-Heimat

Das Land Niedersachsen fördert derzeit ein Projekt zur Ansiedlung des Europäischen Hummers in einem Offshore-Windpark. Denn wo der Mensch in die Natur eingreift, entsteht in diesem Fall ein neuer Lebensraum.

Welche Fische auf den Teller dürfen
Fische Quelle: dpa
Greenpeace Fisch-Einkaufsratgeber Quelle: dpa
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Fischzucht Forellen und Störe Quelle: dpa/dpaweb
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Lachs Quelle: AP
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ScholleSo richtig soll man auch diesen Fisch nicht essen. Denn wer Scholle aus dem Wildfang serviert, der setzt laut Greenpeace ebenfalls nicht auf nachhaltige Lebensmittel. Eine kleine Empfehlung gibt es nur für die Pazifische Scholle, die mit Grund-Langleinen oder Snurrewaden und Ankerwaden aus den Gewässern Nordostpazifik, Beringsee oder Golf von Alaska gezogen wird. Quelle: dpa
Schwertfisch Quelle: dpa
Shrimps/Garnelen/Scampi Quelle: AP
Thunfisch Quelle: dpa
Tintenfisch Quelle: REUTERS
Zander Quelle: dpa/dpaweb

Seit die Bauer großer Windkraftanlagen das Meer als Standort für sich erkannt haben, gibt es auch Kritiker gegen die großen Offshore-Parks vor der deutschen Nordsee-Küste. Umweltschützer äußern ihre Bedenken über den Eingriff in die Natur. Und das sicher nicht zu unrecht. Doch es gibt auch Projekte, die sich eher den Chancen zuwenden, wie aktuell vor der ostfriesischen Insel Borkum.

Bauarbeiten im Windpark Riffgat. An den Fundamenten der Windräder sollen im Jahr 2014 Hummer angesiedelt werden. Copyright: M. Iberler, EWE

Hier sind durch den Bau des Windparks „Riffgat“ am Meeresgrund der Nordsee neue Strukturen entstanden. Sand- und Schlickböden dominieren den Untergrund in der Deutschen Bucht, Windräder bieten dort als sogenanntes Hartsubstrat anderen Lebensgemeinschaften einen neuen Siedlungsraum. Ein Beispiel für Hartbodenbewohner ist der Europäische Hummer, der sich als nachtaktives Tier tagsüber in Höhlen versteckt. Die Fundamente der Parks bieten ihm Schutz.

Forscher der Biologischen Anstalt Helgoland, die zum Alfred-Wegener-Institut (AWI), Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, gehört, wollen nun Hummer in diesem künstlichen Lebensraum aussetzen. Das Land Niedersachsen finanziert das dreijährige Pilotprojekt "Hummeransiedlung im Windpark ‚Riffgat’“ mit knapp 700.000 Euro. Das Geld stammt aus der Ersatzgeldzahlung nach Naturschutzrecht für den Windpark „Riffgat“. Das Projekt soll die grundsätzliche Möglichkeit sowie die Voraussetzungen und ökologischen Konsequenzen einer solchen Hummeransiedlung untersuchen.

Welche Offshore-Windparks den Netzanschluss bekommen oder warten müssen

„Die in großer Zahl in den nächsten 15 Jahren in der Deutschen Bucht entstehenden Windparks stellen zwar einerseits einen Eingriff in das Ökosystem dar, könnten aber auch mit Maßnahmen zu einer ökologischen Aufwertung verbunden werden“, sagt Prof. Dr. Heinz-Dieter Franke, AWI-Biologe auf Helgoland. So schaffe etwa die Sperrung der Windparks für die industrielle Fischerei Fischen und der wirbellosen Bodenfauna einen dringend benötigten Schutz- und Erholungsraum.

Seit über zehn Jahren ziehen Forschende der Biologischen Anstalt Helgoland Hummer im Labor auf. Copyright: Udo Schilling, Alfred-Wegener-Institut Quelle: Presse

Zudem könnten in ihrem Bestand bedrohte Bewohner von Hartböden zusätzlichen Lebensraum erhalten. Dies gilt auch für die Population des Europäischen Hummers in der Deutschen Bucht, die im Wesentlichen auf das Felsgebiet um die Insel Helgoland beschränkt ist. „Trotz Schutzmaßnahmen hat sich die Hummerpopulation bis heute nicht von einem starken Einbruch in den 1950er und 1960er Jahren erholt“, so Franke. Eine erfolgreiche Ansiedlung der Tiere in den Steinfeldern, die als Kolkschutz die einzelnen Windkraftanlagen umgeben, könnte zu einer langfristigen Stabilisierung der Population beitragen.

Die Arbeiten werden in Kooperation mit dem Betreiber Offshore-Windpark Riffgat GmbH & Co. KG, Oldenburg (ein Zusammenschluss des Energiebetreibers EWE und der Unternehmensgruppe ENOVA) und mit dem Projektpartner „Datadiving“ um den Wissenschaftler und Taucher Roland Krone durchgeführt. AWI-Wissenschaftlerin Isabel Schmalenbach wird 3000 Tiere in einer Anlage auf Helgoland im nächsten Jahr aufziehen.

In Arbeit
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Wenn die Junghummer dann etwa zehn Zentimeter groß sind, setzt die Forscherin sie gemeinsam mit Tauchern von Datadiving im Windpark aus. In den Folgejahren untersuchen Schmalenbach und Krone in den Hummeransiedlungsgebieten und in einem Referenzgebiet, wie viele der Jungtiere sich erfolgreich in den Steinfeldern ansiedeln, ob sie in einem Steinfeld bleiben oder sich in einem benachbarten eine Höhle suchen, wie sich die Begleitfauna (Großkrebse und Fische) entwickelt und ob wilde Hummer zuwandern. Das Projekt stützt sich dabei auf die langjährigen Erfahrungen mit Aufzucht- und Aussetzprogrammen von Junghummern bei Helgoland. 

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