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Pioniere Die Macher der Energiewende

Forschen, planen, umbauen – in einem beispiellosen Kraftakt müssen diese 60 Menschen Deutschland in eine atomfreie Zukunft führen. Was sie vorhaben, was sie antreibt und wo ihre Grenzen liegen.

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Günther Oettinger, Kommissar für Energie der Europäischen Union Quelle: Laif

Es ist ruhig geworden um die Energiewende. Gespenstisch ruhig. Kaum jemand spricht noch über den wohl größten industriepolitischen Kraftakt seit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Dabei waren die Deutschen noch vor wenigen Monaten allesamt Energieexperten – damals, als die Meiler in Fukushima brannten.

Nun sinken die Temperaturen in Europa gen Gefrierpunkt, und die Deutschen ziehen sich mit der trügerischen Annahme in ihre warmen Wohnzimmer zurück, dass die Sache schon gut gehen werde. Dabei ist das alles andere als sicher. Weil sich Bund und Länder nicht einigen konnten, wie die Wende umgesetzt werden soll, türmen sich die Probleme.

Ausstieg aus dem Atomausstieg

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ hält bereits einen Ausstieg aus dem Atomausstieg für möglich, „weil zu viel nicht geschieht, was geschehen müsste, um das Ende der Meiler verkraftbar zu machen“.

Immer deutlicher wird: Wir brauchen nicht nur eine Wende, wir brauchen eine Revolution. Technologien müssen einsatzbereit werden, die noch Jahre von ihrer Alltagstauglichkeit entfernt sind. Viele Bausteine des grünen Umbaus sehen jedoch in den Hochglanzstudien der Wende-Apologeten faszinierend einfach aus – in der Realität funktionieren sie oft nicht wie geplant und sind meist viel teurer als gedacht.

Ob das Vorhaben überhaupt gelingt, hängt aber vor allem davon ab, ob die wichtigsten Akteure die richtigen Entscheidungen treffen. Auf wen es dabei ankommt und wer das Potenzial hat, die Wende mit seinen Ideen zu gestalten, zeigt ein Ranking der WirtschaftsWoche. Dafür hat eine Jury aus 21 Experten Politiker, Konzernchefs, Wissenschaftler und Technologie-Vordenker bewertet. Das Ergebnis ist die bislang umfangreichste Rangliste der 60 wichtigsten Macher der Energiewende. Diese Akteure entscheiden, ob das Vorhaben gelingen kann oder ob es sich als gigantische industriepolitische Pleite entpuppt.

Die Ergebnisse des Rankings:

Die Gefahr des Scheiterns ist real – trotz erster Fortschritte. Zwar ist der Anteil erneuerbarer Energien an der deutschen Stromversorgung in Deutschland im ersten Halbjahr auf mehr als 20 Prozent geklettert, eine Marke, die eigentlich erst für das Jahr 2020 angepeilt war. Ein Erfolg. Eigentlich.

Grüne Vollversorgung hakt an einigen Stellen

Es fehlen die technischen, personellen und finanziellen Ressourcen für den Anschluss der Windparkanlagen in der deutschen Nordsee. Quelle: dpa

Wären da nicht die vielen Probleme. Vor wenigen Tagen erst machte ein Brandbrief von Tennet die Runde, einem der vier großen Stromnetzbetreiber: Das Unternehmen warnt die Regierung vor Engpässen bei der Anbindung der geplanten Windparks in der deutschen Nordsee. Weder habe Tennet die technischen und personellen – noch die finanziellen Ressourcen dafür. Auf zehn Milliarden Euro schätzen Experten die Anschlusskosten der Offshore-Anlagen.

So schleppt sich ihr Ausbau dahin. Dabei sollten die Meeres-Kraftwerke nach Plänen der Bundesregierung bis 2030 rund 15 Prozent des Stromverbrauchs erzeugen. Von den zehn Gigawatt (GW) Leistung sind aber bisher nur 200 Megawatt (MW) installiert.

Zu langsam, zu wenig Geld und zu oft kein Plan: Das Bild zeigt sich überall. Vor allem das Stromnetz stößt an Grenzen. So fehlen laut der Deutschen Energie-Agentur (Dena) 4500 Kilometer Höchstspannungsleitungen, die Windstrom vom Norden in die Verbrauchszentren im Süden und Westen des Landes transportieren.

Zugleich steigt die Zahl der dezentralen Stromproduzenten: Immer öfter erzeugen sie einen Stromüberschuss, der in das Hochspannungsnetz zurückgespeist werden muss. Doch auf Stromtransport in beide Richtungen ist die Infrastruktur nicht ausgelegt. Die Folge: Die Netze werden anfälliger – Stromausfälle drohen. Die Lösung wäre das viel diskutierte intelligente Netz. Dieses Smart Grid soll organisieren, dass Verbraucher immer dann viel Strom abnehmen, wenn viel produziert wird – indem Waschmaschinen und Kühlhäuser dann anspringen, wenn es Überschüsse im Netz gibt. Doch auch diese Technik befindet sich erst im Teststadium.

Zündstoff in der Energiewende

Und das ist für Henning Kagermann, Präsident der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften (Acatech), noch das kleinere Übel. Er kritisiert, dass es kein koordiniertes Vorgehen gebe, die Erneuerbaren effektiv in die Strom-Infrastruktur zu integrieren. Seine Sorge: „Am Ende haben wir die Energiewende geschafft, aber nichts passt zusammen.“ Schon 2020 wird grüne Energie an sonnen- und windreichen Tagen den deutschen Strombedarf decken. Traditionelle Kraftwerke müssen dann womöglich zeitweilig heruntergefahren werden, was sie schnell unwirtschaftlich machen würde.

Ein Ausweg wäre, die überschüssige Energie zu speichern. Doch auch hier hakt es. Damit die grüne Vollversorgung gelingen kann, müssten laut Umweltbundesamt Speicher mit einem Umfang von zehn Terawattstunden gebaut werden, so viel wie die Deutschen in einer Woche verbrauchen. Zurzeit können die 33 verfügbaren Pumpspeicher aber nicht einmal eine Stunde Strom liefern.

Bleiben noch die Kosten. Laut Prognosen der Netzbetreiber könnte allein die Umlage für erneuerbare Energien 2013 auf 4,74 Cent je kWh steigen. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 kWh Strom müsste dann allein für die Umlage 165 Euro bezahlen. 2009 lag die Belastung noch bei 70 Euro. Genug Zündstoff also, den die Protagonisten der Energiewende zu entschärfen haben.

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