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Pioniere Die Macher der Energiewende

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Grüne Vollversorgung hakt an einigen Stellen

Es fehlen die technischen, personellen und finanziellen Ressourcen für den Anschluss der Windparkanlagen in der deutschen Nordsee. Quelle: dpa

Wären da nicht die vielen Probleme. Vor wenigen Tagen erst machte ein Brandbrief von Tennet die Runde, einem der vier großen Stromnetzbetreiber: Das Unternehmen warnt die Regierung vor Engpässen bei der Anbindung der geplanten Windparks in der deutschen Nordsee. Weder habe Tennet die technischen und personellen – noch die finanziellen Ressourcen dafür. Auf zehn Milliarden Euro schätzen Experten die Anschlusskosten der Offshore-Anlagen.

So schleppt sich ihr Ausbau dahin. Dabei sollten die Meeres-Kraftwerke nach Plänen der Bundesregierung bis 2030 rund 15 Prozent des Stromverbrauchs erzeugen. Von den zehn Gigawatt (GW) Leistung sind aber bisher nur 200 Megawatt (MW) installiert.

Zu langsam, zu wenig Geld und zu oft kein Plan: Das Bild zeigt sich überall. Vor allem das Stromnetz stößt an Grenzen. So fehlen laut der Deutschen Energie-Agentur (Dena) 4500 Kilometer Höchstspannungsleitungen, die Windstrom vom Norden in die Verbrauchszentren im Süden und Westen des Landes transportieren.

Zugleich steigt die Zahl der dezentralen Stromproduzenten: Immer öfter erzeugen sie einen Stromüberschuss, der in das Hochspannungsnetz zurückgespeist werden muss. Doch auf Stromtransport in beide Richtungen ist die Infrastruktur nicht ausgelegt. Die Folge: Die Netze werden anfälliger – Stromausfälle drohen. Die Lösung wäre das viel diskutierte intelligente Netz. Dieses Smart Grid soll organisieren, dass Verbraucher immer dann viel Strom abnehmen, wenn viel produziert wird – indem Waschmaschinen und Kühlhäuser dann anspringen, wenn es Überschüsse im Netz gibt. Doch auch diese Technik befindet sich erst im Teststadium.

Zündstoff in der Energiewende

Und das ist für Henning Kagermann, Präsident der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften (Acatech), noch das kleinere Übel. Er kritisiert, dass es kein koordiniertes Vorgehen gebe, die Erneuerbaren effektiv in die Strom-Infrastruktur zu integrieren. Seine Sorge: „Am Ende haben wir die Energiewende geschafft, aber nichts passt zusammen.“ Schon 2020 wird grüne Energie an sonnen- und windreichen Tagen den deutschen Strombedarf decken. Traditionelle Kraftwerke müssen dann womöglich zeitweilig heruntergefahren werden, was sie schnell unwirtschaftlich machen würde.

Ein Ausweg wäre, die überschüssige Energie zu speichern. Doch auch hier hakt es. Damit die grüne Vollversorgung gelingen kann, müssten laut Umweltbundesamt Speicher mit einem Umfang von zehn Terawattstunden gebaut werden, so viel wie die Deutschen in einer Woche verbrauchen. Zurzeit können die 33 verfügbaren Pumpspeicher aber nicht einmal eine Stunde Strom liefern.

Bleiben noch die Kosten. Laut Prognosen der Netzbetreiber könnte allein die Umlage für erneuerbare Energien 2013 auf 4,74 Cent je kWh steigen. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 kWh Strom müsste dann allein für die Umlage 165 Euro bezahlen. 2009 lag die Belastung noch bei 70 Euro. Genug Zündstoff also, den die Protagonisten der Energiewende zu entschärfen haben.

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