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Plastikmüll im Ozean Der junge Mann und das Meer

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Fasziniert von Tüfteleien

Aber für den Plastikmüll im Meer gebe es keine globale Lösung. Vielmehr müsse man die Sache an vielen verschiedenen Stellen angehen: die Hersteller vom Einsatz anderer Materialien überzeugen – und den Kunden davon, dass er auf etwas Bequemlichkeit verzichtet. Auf Mülldeponien darauf achten, dass Plastiktüten nicht in Flüsse wehen. Und in manchen Ländern überhaupt erst eine Müllabfuhr organisieren. „Aber dafür gibt’s natürlich kaum Crowdfunding“, sagt Lenz.

Auch das gehört zu dieser Geschichte: Alle Initiativen, die das Meer vom Plastikmüll befreien wollen, haben dasselbe Ziel. Aber sie arbeiten nicht zusammen, sondern gegeneinander. Sie sind Konkurrenten. Um Aufmerksamkeit, Spenden, Fördergelder, Preise.

Slat sagt, er habe mit der Kritik, die ihn schon bald nach dem ersten Beifall erreichte, nicht gerechnet. Wissenschaftler, zu denen er aufsah, die er für Verbündete hielt, warfen ihm plötzlich vor, dass er keine Ahnung habe, sich nur bereichern und inszenieren wolle. Zweifelsohne beherrscht er den großen Auftritt. Aber wenn er einem gegenübersitzt, den direkten Blickkontakt meidet, sehr leise spricht, dann ahnt man auch, dass er sich abseits der großen Bühne, allein mit seinen Basteleien, wohler fühlt.

Seerobbe oder Seehund. Quelle: PR

Und so hat Slat seine Art gefunden, die Kritik abzuwehren, hat Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben, um Gegenargumente zu entkräften: Sie stehen wie eine Mauer zwischen ihm und Leuten wie Lenz.

Slat sieht sich als Erfinder, nicht als Umweltschützer. Das Tüfteln hat ihn schon früh fasziniert: Als er fünf Jahre alt war und ihn die Mutter mit ins Restaurant nahm, schrieb sie ihm Multiplikationsaufgaben auf, die er eifrig löste. Später studierte er Luft- und Raumfahrttechnik. Slat lässt sich von niemandem einreden, dass etwas unmöglich sei. Und er gibt viel, um zu beweisen, dass fast alles möglich ist: Er arbeitet 12 bis 14 Stunden am Tag. An jedem Tag. Ab und an geht er laufen, abends vorm Einschlafen liest er noch eine halbe Stunde.

Manchmal hat er den Eindruck, dass Umweltschützer technischen Errungenschaften misstrauen. Er selbst misstraut den Menschen – glaubt nicht daran, dass man sie dazu bringen kann, ihr Leben zu ändern. Wir alle, sagt Slat, tragen evolutionäres Gepäck mit uns herum, seien tendenziell faul und gierig. Seien nicht bereit, auf unser Steak zu verzichten, damit weniger Tiere leiden. Nicht auf unser Auto, damit weniger Schadstoffe in die Luft gelangen. Und nicht auf all das bunte Plastik: „Das mag pessimistisch klingen, aber es ist die Wahrheit.“

Deshalb, sagt Slat, sollten sich die Menschen auf das besinnen, was sie wirklich gut können: sich Dinge vorstellen, die noch nicht existieren. Dinge wie einen riesigen Fangarm im Ozean. Ende des Jahres will er die erste Ladung Plastikmüll in den Hafen von San Francisco bringen – und Umweltschützern zeigen, dass sie seiner Erfindung trauen können.

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