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Pseudo-Skandal um Glyphosat Trinken Sie bitte in Ruhe Ihr Bier aus!

Nicht die unvorstellbar geringen Mengen von Glyphosat im Bier sollten beunruhigen. Sondern die Leichtigkeit, mit der solche Kampagnen der Öko-Lobby immer wieder Furore machen.

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Leute stoßen mit Bier an. Quelle: dapd

Glyphosat im deutschen Bier! Die Schreckensnachricht fehlte gestern auf keiner Nachrichtenseite und verbreitete sich durch die sogenannten Sozialen Netzwerke.

Ein Pflanzenschutzmittel! Chemie! Alarm! Sollten wir jetzt kein Bier mehr trinken?

Blödsinn. Nehmen Sie sich bitte ein Beispiel am bayerischen FDP-Landesvorsitzenden Albert Duin und trinken Sie guten Gewissens ein deutsches Bier.

Glyphosat im deutschen Bier?

Glyphosat im deutschen Bier? Albert Duin wagt einen todesmutigen Selbstversuch. Nichts für schwache Nerven!

Posted by FDP Bayern on Donnerstag, 25. Februar 2016

Sofern Sie nicht 999 weitere Gläser trinken, werden Sie dadurch keine Glyphosat-Vergiftung erleiden.

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    Skandalös ist nicht der Nachweis einer für Nicht-Chemielaboranten kaum vorstellbar geringen Konzentration der Verbindung im Bier, sondern die Tatsache, dass Meldungen wie diese immer noch und immer wieder in den Medien stattfinden. Man kann das ganze nur als wiederholtes Versagen des Medienkollektivs vor der Öko-Lobby bezeichnen.

    Dabei kann niemand sagen, dass man nicht wisse, wie solche Pseudo-Nachrichten entstehen und wie sie aufgebauscht werden. Die Methode ist x-fach wiederholt. Glyphosat war erst im vergangenen Jahr schon einmal der Gegenstand einer solchen Kampagne, die direkt von den Grünen kam. Damals ging es um die Muttermilch. Die Konzentration des Stoffes war vergleichbar homöopathisch wie die jetzt festgestellte im Bier.

    Nahrungsmittel-Reinheitsideologien

    Seit Jahren wird immer wieder irgendeine angsterregende Chemikalie in Nahrungsmitteln nachgewiesen, meist von privaten Instituten (wie im aktuellen Fall dem Umweltinstitut München). Woraufhin interessierte und den Instituten verbundene NGOs (mit Greenpeace und Food Watch an der Spitze und oft imposanter Unterstützung der Grünen Partei) dann die Redaktionen und Sozialen Netzwerke mit empörungsgesättigten Pressemitteilungen fluten.

    Eine ganze Industrie von Nahrungsmittel-Reinheitsideologien ernährt sich an dieser Empörungsökonomie.

    Die Voraussetzung für die Panikmache ist, dass die Diskussion über tatsächliche Gesundheitsschädlichkeit der festgestellten Konzentrationen nebensächlich sein muss. Der pure „Nachweis“ als solcher genügt für die Aufreger-Überschrift. Allenfalls im Nachgang erscheint dann die Relativierung durch seriöse Institutionen, die klarstellen, wie viele Tausend Liter Muttermilch ein Baby trinken müsste, um sich auch nur ein bisschen zu vergiften.

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      Um es einmal klarzustellen: Auch in Ihrem Blut, lieber Leser, kann ein Labor, das über ausreichend moderne Analysemethoden verfügt, vermutlich Spuren aller möglichen Gifte feststellen. Vermutlich sogar das seit Jahrzehnten in Deutschland verbotene Pestizid DDT. Man kann seit Jahren schon in nur einem Glas Wasser aus dem Rhein die Rückstände des Kokains nachweisen, das Kokser an seinen Ufern über ihren Urin ausscheiden.

      Die Glyphosat-Alarmisten dieser Tage bedienen sich des Tricks, die im Bier gefundene Konzentration mit dem sogenannten Grenzwert für Trinkwasser zu vergleichen. Dieser Trinkwasser-Grenzwert ist wie der für andere Schadstoffe in Deutschland extrem niedrig, nämlich an der bis vor einigen Jahren de-facto-Grenze der Nachweisbarkeit von 0,1 Nanogramm pro Milliliter. Ein Nanogramm ist übrigens ein Milliardstel Gramm. In den USA gelten 700 Nanogramm pro Milliliter als Grenzwert des Akzeptablen.

      Umwelt



      Wie ist zu begreifen, dass trotz dieser auch für Nicht-Naturwissenschaftler eigentlich leicht nachvollziehbaren Entzauberung, solche Pseudo-Nachrichten mit eindeutig propagandistischer Absicht immer wieder zum großen Thema werden? Das wäre mal ein Thema für soziologische Untersuchungen unter Journalisten, Lesern und Online-Netzwerkern.

      Vielleicht kämen im Ergebnis einer solchen Untersuchung Begriffe wie „geschickter Lobbyismus von Öko-NGOs“, „grüner Zeitgeist“, „mangelndes wissenschaftliches Verständnis“ und „German Angst“ vor.

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