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Reaktorkatastrophe Zahl der erwarteten Krebsfälle nach Fukushima deutlich höher

Zwischen Panikmache und Entwarnung bewegen sich die Meinungen über die Situation in Japan zwei Jahre nach der schweren Erdbebenkatastrophe. Derweil kämpfen die Bewohner um Normalität.

Die Katastrophe von Fukushima
Luftaufnahme von Fukushima
Menschen beobachten das Drama um Fukushima im Japanischen Fernsehen
Neue Explosion im AKW Fukushima
Explosionen in Fukushima
Reaktor vor und nach der Explosion
Luftaufnahme von Fukushima
Luftaufnahme von Fukushima

Nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima vor zwei Jahren ist die Zahl der künftigen Krebserkrankungen in Japan möglicherweise deutlich höher als erwartet. Das geht aus neuen Berechnungen der Organisation „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“ (IPPNW) hervor. „Drei verschiedenen Abschätzungen und neuesten Erkenntnissen zufolge wird es allein durch die äußere Strahlenbelastung 40.000 bis 80.000 zusätzliche Krebsfälle geben“, sagte der Arzt Henrik Paulitz am Dienstag in Berlin. Außerdem erwarten die Mediziner noch gut 37.000 zusätzliche Krebserkrankungen durch strahlenbelastete Nahrungsmittel.
Unter anderem die Auswirkungen auf Ungeborene, Babys und Kleinkinder seien bislang dramatisch unterschätzt worden, kritisierten die Ärzte. Dies gelte auch für die jüngst von der Weltgesundheitsorganisation WHO vorgelegten Prognose. Dort wird von einem nur „leicht erhöhtem Krebsrisiko“ gesprochen, ohne jedoch absolute Zahlen zu nennen.

Bewohner werden zu Dekontaminierung herangezogen

Derweil kämpfen am Rande der der Evakuierungszone die Menschen weiter um Normalität. Kratzend zieht der Baggerfahrer die Schaufel über die Erde. „Die Äste und Büsche auf dem Hang dort haben wir schon eingesammelt. Die Radioaktivität ist jetzt deutlich niedriger“, erzählt der Japaner, der seinen Namen nicht nennen will, hinter einer weißen Atemschutzmaske. Zwei Jahre nach dem GAU haben die staatlichen Behörden den Bewohnern seines Dorfes im Umkreis von 20 Kilometern um die Atomruine Fukushima Daiichi erlaubt, wieder in ihre verlassenen Häuser zurückzukehren. Denn die Strahlung liegt hier weit unter dem für Evakuierungen geltenden Grenzwert von 20 Millisievert im Jahr.

Die größten Naturkatastrophen der letzten Jahre
HagupitTaifun „Hagupit“ tobt mit heftigen Winden und starken Regenfällen auf den Philippinen. Nur quälend langsam zieht der Sturm Richtung Westen und hinterlässt im Durchzugsgebiet erhebliche Zerstörung. Millionen Menschen waren ohne Strom. Nach einer ersten Bilanz der Katastrophenbehörden machten sich die Massenevakuierungen aber bezahlt. Allerdings sei eine Frau in Catarman auf der Insel Samar ertrunken, teilten sie mit. Zwei weitere Todesopfer wurden gemeldet, diese hatten aber nicht unmittelbar mit dem Taifun zu tun. Unter ihnen war ein Mädchen, das nach hohem Fieber in einem Notaufnahmelager starb. Zwei Menschen seien verletzt worden, als ein Baum auf ihr Moped stürzte. „Hagupit“ war in der Nacht zu Sonntag (Ortszeit) bei Dolores in Samar an Land gekommen. Quelle: dpa
HaiyanRund 110 Kilometer südlich bei Guiuan war Taifun „Haiyan“ am 8. November 2013 angekommen und hatte bei der Überquerung des Inselstaates in einer mehr als 100 Kilometer breiten Schneise schwere Verwüstungen angerichtet. 6300 Tote und fast 1000 Vermisste ließ der Sturm zurück. Nach „Haiyan“ hatten Zehntausende Überlebende tagelang vergeblich auf Hilfe gewartet. Quelle: AP
Zyklon EvanDer Zyklon Evan hat im Dezember 2012 im pazifischen Inselstaat Samoa Zerstörungen angerichtet. Sturmböen und starker Regen peitschten nach Angaben von Augenzeugen den ganzen Freitag über die Hauptstadt Apia. Dort hatte Evan innerhalb von 24 Stunden Hunderte Bäume entwurzelt und Strommasten umgerissen. Drei Menschen kamen Medienberichten zufolge ums Leben. Zwei von ihnen sind Kinder, die ein reißender Strom fortriss. Quelle: dapd
Hurrican SandyDer Wirbelsturm Sandy tobt im Oktober 2012 über den Osten der USA. Etliche Gebäude wurden zerstört, zwischenzeitlich viel in großen Teilen für mehrere Tage der Strom aus. Etwa 120 Menschen kamen ums Leben. Quelle: dapd
März 2011: Das schwerste Erdbeben in der Geschichte Japans und ein Tsunami haben Zerstörungen unabsehbaren Ausmaßes angerichtet. Experten sprechen bei dem Erdbeben, das mit einer Stärke von 8,9 das Land erschütterte, von einem der stärksten seit Menschengedenken. Das japanische Erdbeben ist jüngste Naturkatastrophe der vergangenen zehn Jahre. In Chile, Haiti, China, Indien und Pakistan kosteten Beben und Flutwellen immer wieder unzählige Menschenleben Quelle: dpa
August 2011: Während des heißen Sommers brennen in Russland große Flächen auf dem Land. Zwischenzeitlich brachen über 250 neue Feuer an nur einem Tag aus, 174.000 Hektar brannten nieder. Quelle: dpa
Erst kürzlich am 22. Februar 2011 erschütterte ein Erdbeben in der zweitgrößten neuseeländischen Stadt Christchurch die Erde. Etwa 10.000 Häuser sind nach dem Beben abbruchreif, 100.000 weitere beschädigt. Bislang wurden 166 Tote geborgen. Quelle: dpa


Um sie weiter auf unter einen Millisievert zu senken, müssen die Menschen in dieser Gegend nahe der Stadt Tamura allerdings nun selbst dafür sorgen, die Häuser und Gärten zu dekontaminieren. Überall sind Japaner in Straßenarbeiterkluft emsig damit beschäftigt, Häuser mit Papiertüchern abzuwischen, Gräser und Blätter aufzusammeln und die Erde - wo es geht - fünf Zentimeter tief abzutragen. Das Ganze wandert in große schwarze Säcke, die sich nun zu Tausenden als kleine Atommüllhalden in der ganzen Region stapeln, auf Feldern, Höfen und an Straßenrändern. Denn ein Zwischenlager gibt es noch immer nicht.

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