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Robert Laughlin "Klimaschutz ist eine Sache für die Ewigkeit"

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Strom wird nicht teurer sein

Lenkdrachen soll Energie gewinnen
Sie sehen aus wie übliche Lenkdrachen, doch sollen sie zukünftig der Gewinnung von Windenergie dienen. Die Technische Universität Delft in den Niederlanden, deren Drache hier zu sehen ist, forscht seit Jahren im Kite Power Projekt an dieser Technologie und hat schon mehrere Prototypen getestet. 2015 könnten laut der Brandenburger Firma Enerkite die fliegenden Kraftwerke auch in Deutschland für Energie sorgen. Die Drachen fliegen dafür in 300 bis 600 Metern Höhe und zapfen dort die konstanten Windströme für die Stromgewinnung ab. Über ein Seil ist der Drache mit einer mobilen Bodenstation gekoppelt. Die Flugsteuerung sowie der Generator laufen per Autopilot. Im Gegensatz zu großen Windanlagen sind die „Energiedrachen“ flexibel einsetzbar, leise und auch noch günstiger. Quelle: Twitter
Die USA setzt ebenfalls auf Fluggeräte zur Energiegewinnung, doch diese ähneln eher einem Flugzeug. Windturbinen aus Glasfasern und Karbon machen dabei die Stromgewinnung in der Luft möglich. Die Forschung des kalifornischen Unternehmens Makani Power an der Airborne Wind Turbine wird unter anderem von Google bezuschusst. Die Turbine, die bis zu 600 Meter hoch fliegt, wird von einem Hauptseil gehalten, während die Luftenergie über ein anderes Seil zum Boden gelangt. Dabei fliegt die Windturbine kreisförmig und quer zum Wind, wodurch sie sehr hohe Geschwindigkeiten erreicht. Der Prototyp kann sogar teilweise selbstständig den Flugmodus wechseln. Das Unternehmen plant die Windturbinen auch auf der See einzusetzen. Quelle: Twitter
Zumindest auf den Plänen der Konstrukteure bringen diese Windgeneratoren mehr Leistung als konventionelle Windmühlen. Der vertikale "Aerogenerator" wird auf hoher See installiert. Die Stromausbeute liegt bei 10 Megawatt, rund drei Megawatt mehr als die bisher größte Windanlage produziert. Die Spannweite kann nach Angaben des britischen Herstellers Windpower bis zu 230 Meter betragen. Dagegen sehen die bisher üblichen Windmühlen eher schlapp aus - die neuesten Anlagen der konventionellen Bauart sollen nämlich einen Rotorendurchmesser von "nur" 180 Meter haben. Texte: Miguel Zamorano Recherche: Andreas Menn Quelle: PR
Schaut wie eine Steinschleuder aus, ist aber ein Lenkdrache. Die Idee: der Kite-Segel der italienischen Firma Kite Gen ist an einem bewegbaren Arm an zwei Seilen befestig und wird dann auf eine Höhe von 800 bis 1000 Metern gebracht. Dort dreht der Winddrachen konstante Achten und treibt so die Turbine an. Der Vorteil: in mehr als 1000 Meter Höhe bläst der Wind konstanter als in Bodennähe. Bei einer Windgeschwindigkeit von 25 km/h läge die Energieausbeute laut Hersteller bei drei Megawatt. 300 Drachen brächten so die Leistung eines Atomkraftwerks - und da der Wind in der Höhe nahezu durchgehend bläst, gäbe es keine großen Ausfallzeiten. Der Haken: Flugzeuge müssten das Gebiet umfliegen. Das scheint bei der hohen Verkehrsdichte am europäischen Himmel und der Größe der Lenkdrachen-Parks nicht praktikabel. Das Modell ist derzeit noch in der Erprobungsphase. Quelle: PR
Bläst der Wind, dreht sich der Ballon um die eigene Sache und treibt den Rotor an Quelle: PR
Die Windhelix eignet sich für große Eigenheime Quelle: PR
Diese Modell soll sich unauffällig in die Landschaft fügen- Quelle: PR

Sollen wir einfach abwarten, bis die fossilen Vorräte zur Neige gehen, damit andere Energiequellen eine Chance haben?

Die Politiker müssen entscheiden, ob sie in Energiequellen investieren wollen, deren Nutzung sich vielleicht erst in 60 Jahren auszahlt. Das Vorgehen wird länderspezifisch sein. Die USA etwa haben sehr große Vorräte an fossilen Brennstoffen. Japan oder Südkorea keine. Klar ist, dass wir eines Tages Ersatz für die fossilen Brennstoffe brauchen. Wann sie erschöpft sind, darüber wird heftig debattiert. Ich gehe von 100 Jahren bei Öl aus und 200 Jahren bei Kohle.

Wir können uns also Zeit lassen beim Umstieg?

Nicht sehr viel. Je näher das Datum rückt, umso drängender wird das Problem. Aus der Geschichte wissen wir, was passiert, wenn Menschen nicht genug von einer Sache haben. Sie nehmen es anderen weg. Dann gibt es Krieg. Und die Verlierer können ihre Volkswirtschaften schließen und fischen gehen.

Welches werden die neuen Energiequellen sein?

Verschiedene. Aber selbst die regenerativen werden nicht sonderlich umweltfreundlich sein. Windräder verschandeln die Landschaft und töten Vögel. Solaranlagen beanspruchen viel Land. Selbst in Wüsten sind sie nicht gerade eine Augenweide. Pumpspeicherwerke greifen ebenfalls in die Natur ein. Ganz zu schweigen von Dämmen für Wasserkraftwerke. Welche Energiequelle sich durchsetzt, wird der Wettbewerb unter den Anbietern entscheiden. Allerdings wird Strom nicht viel teurer sein als heute.

Wie kommen Sie darauf?

Weil Nuklearenergie die Preise in Schach halten wird. Ihre bloße Existenz sorgt dafür. Sie ist die Messlatte für den Wettbewerb, so wie heute die fossilen Brennstoffe. Die Verbraucher werden keine überteuerten Energiepreise tolerieren. Höhere Energiepreise konnten nicht mal die Sowjets durchsetzen. Die Leute gehen auf die Barrikaden, wenn sie das Zehnfache für Strom zahlen sollen, obwohl das durch den Einsatz von Nuklearenergie nicht nötig wäre.

Die will wegen ihrer Risiken doch kaum noch jemand haben.

Es ist ja wahr: Nuklearenergie ist umweltschädlich und voller Probleme, angefangen vom Restmüll bis hin zur Gefahr von Terroranschlägen und dem Bau von Nuklearwaffen.

Deshalb debattiert auch Japan jetzt über einen Ausstieg aus der Atomkraft.

Das ist schwer vorstellbar. Japan hat keine fossilen Energieressourcen. In den Siebzigerjahren hat man deshalb die Entscheidung getroffen, in eine eigene Atombranche zu investieren. Ein Ausstieg macht die japanische Wirtschaft zu abhängig von Energieimporten. Nur eine kleine Blockade auf den engen Seefahrtswegen bei Singapur würde schon reichen, um Japan in Schwierigkeiten zu bringen.

Lassen sich die Gefahren der Nukleartechnik unter Kontrolle bringen?

In der Theorie schon. In der Praxis vermutlich nicht. Wenn ich Studenten frage, wie hoch die Chance ist, dass es in den nächsten 100 Jahren keinen nuklearen Terroranschlag geben wird, bei dem eine größere Stadt ausgelöscht wird, werden alle sehr still und sagen schließlich: null.

Und haben sie recht?

Vielleicht ist das zu pessimistisch. Aber wenn wir Nuklearenergie haben wollen, dann wird es sehr viel davon geben. Einfach, weil dann jedes Land von der günstigen Energie profitieren will. Was die Gefahr erhöht, dass das Material in falsche Hände gerät. Wenn es diese sogenannte Plutonium-Wirtschaft geben sollte, dann müssen die Menschen mit der Wahrscheinlichkeit leben, eine größere Stadt zu verlieren. Das ist leider so.

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