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Robert Laughlin "Klimaschutz ist eine Sache für die Ewigkeit"

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Zwischenlager für elektrische Energie

Die Sonne geht hinter einer Windkraftanlage in der Nähe von Kiel auf. Quelle: dpa

Wären bei solch einer verheerenden Aussicht nicht doch Wind und Sonne die bessere Alternative?

Momentan stehen Solar- und Windenergie vor zwei Hürden. Die eine ist der höhere Preis gegenüber konventionellen Energiequellen. Die andere das Speicherproblem. Beides hängt miteinander zusammen. Die Versorger müssen ja auch Energie liefern, wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht. Momentan springen dann vorrangig Gasturbinen an. Die meiste Zeit stehen sie wegen des Vorrangs für Solar und Wind jedoch still. Die Energieversorger hassen das. Ohne Eingriff der Regierung hätten Solar- und Windenergie keine Chance, weil sie mit verstromten Erdgas nicht konkurrieren könnten.

Das wird sich ändern, wenn die Vorräte an fossilen Brennstoffen zu Ende gehen.

Der Wettbewerb wird dann zwischen der Nuklear- und der Solarenergie stattfinden. Entweder kriegt die Solarbranche die Kosten runter, oder sie wird vor der Nuklearenergie kapitulieren.

Könnte die Solarindustrie Nuklearstrom preislich schlagen?

Wir reden über eine Zeit, in der die Ressourcen knapp sind. Das macht die Kalkulation kompliziert. Es müssen Transportkosten einkalkuliert werden, Verzögerungen beim Bau von Nuklearkraftwerken, Kosten für Versicherung und Entsorgung der Brennstäbe. Wenn man diese Kosten mit einbezieht, könnten Solar und Wind gewinnen.

Sie haben das Speicherproblem bei Wind- und Solarenergie erwähnt. Lässt sich das in den Griff bekommen?

Theoretisch ließe sich der Energiebedarf einer Stadt wie Los Angeles auf sehr kleinem Raum speichern. Aber dann hätte man quasi eine Nuklearwaffe. Ich würde allerdings nicht so gern in der Nähe einer solchen Anlage leben wollen. Eine Alternative wäre, aus Strom Treibstoff herzustellen. Aber das ist teuer, und die Maschinen sind wartungsanfällig. Die beste Methode sind noch immer Pumpspeicherwerke, bei der die elektrische Energie durch hochgepumptes Wasser zwischengelagert wird.

Riskieren wir nicht eine unkalkulierbare Erderwärmung, wenn wir die Kohle, Öl und Gas, wie von Ihnen propagiert, munter weiterverbrennen?

Als Wissenschaftler glaube ich nicht, sondern studiere die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Es gibt gute Experimente, die die Zunahme von Kohlendioxid in den vergangenen Jahrzehnten in der Atmosphäre nachweisen. Das macht die Erde wärmer. Aber ich kann nicht genau feststellen, ob viel oder wenig, weil es sehr schwierig ist, die Temperaturveränderungen der Erde zu messen. Die Experimente sind mangelhaft.

Verändert der Mensch nun das Klima oder nicht?

Wenn die Mehrheit davon überzeugt ist, dann wird Klimaerwärmung eben nachgewiesen. So ist das bei politischen Fragen. In den aktuellen Wetterbeobachtungen ist wenig von dieser Erwärmung zu finden. Die bislang vom Menschen verursachten Klimaänderungen sind klein im Vergleich zu denen, die sich in der Vergangenheit auf natürliche Weise abgespielt haben.

In Arbeit
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Verstehen wir Sie richtig: Sie warnen vor Panikmache?

Um nicht missverstanden zu werden: Umweltschutz ist wichtig. Ich selber fahre bei jeder Gelegenheit Fahrrad und pflanze im Garten meiner Ferienhütte Bäume. Mich ärgert nur, wie zwei verschiedene Probleme nahezu fahrlässig miteinander verknüpft werden. Der Klimaschutz ist eine Herausforderung, die noch Tausende von Generationen beschäftigen wird. Es ist eine Sache für die Ewigkeit. Dass unsere derzeit wichtigste Energiequelle – die fossilen Brennstoffe – zur Neige geht, ist ein viel drängenderes Problem. Es kann Kriege auslösen – und zwar schon in der dritten oder vierten Generation nach uns.

Hätte die angestrebte CO2-Reduktion um 20 Prozent einen spürbaren Einfluss auf das Klima?

Nein. Jedenfalls nicht kurzfristig. Allenfalls in Tausenden oder sogar Millionen von Jahren.

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