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Rohstoffe Wie sich Seltene Erden recyceln lassen

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Seltene Erden wachsen in eine Kreislaufwirtschaft

Seltene Erden Quelle: Presse

Schneller als manch andere Branchen entwickelt sich die High-Tech-Welt bei Seltenen Erden somit jetzt schon in Richtung einer Kreislaufwirtschaft, in der Rohstoffe immer aufs Neue verwendet werden.

Das betrifft viele Produkte unseres Alltags: Batterien, Leuchtstoffröhren, Energiesparlampen, Windräder und sogar Computer. Sie alle enthalten die begehrten Stoffe – und sollen künftig Teil dieses Kreislaufs zu werden.

Rund 15.000 Tonnen Seltene Erden ließen sich aus den Abfällen dieser Produkte allein in Europa wiederverwerten, schätzt Alain Rollat, Technologiemanager bei Solvay-Rhodia, dem einzigen europäischen Hersteller der begehrten Metalle mit Sitz in Brüssel. Das Unternehmen stellt die edlen Stoffe her, indem es sie aus Tausenden Tonnen Erzen heraustrennt.

Honda nimmt bereits seit April 2012 alle ausgedienten Hybrid- und Elektrofahrzeuge zurück und recycelt gezielt die kostbaren Stoffe. Die Japaner müssen seitdem deutlich weniger Seltene Erden aus China importieren.

Zwar sind die Preise der 17 verschiedenen Seltenen Erden seit 2012 teils um 50 Prozent gesunken. Experten aber warnen bereits vor neuen Engpässen: Der Bedarf an einigen Stoffen ließe sich bis 2030 nicht decken, heißt es bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover. 2008 verbrauchten Unternehmen in aller Welt 124.000 Tonnen Seltener Erden. Ende des Jahrzehnts soll es doppelt so viel sein. Rhodia rechnet sogar schon 2014 mit einem Mangel an Terbium sowie Dysbrosium für Magneten und Yttrium für Mikrowellengeräte und Lampen.

Seltene Erden

Das Potenzial für die Rückgewinnung indes ist riesig. Bislang verwerten Unternehmen erst ein Prozent der Seltenen Erden erneut, schätzen Forscher der Universität im belgischen Leuven.

Dabei könnte die Industrie mithilfe des Recyclings, so schätzen die Forscher, rund 20 Prozent des weltweiten Bedarfs decken – und damit unabhängiger von den Lieferungen aus China werden.

Damit nicht genug. Die Industrie betrachte die teuren Rohstoffe in ihren Produkten zusehends als Eigentum, „das sie nicht mehr gern aus der Hand gibt“, sagt Gunther Maassen von der deutschen Metallhandelsgesellschaft Haines & Maassen in Bonn. Doch mitunter müssen Produkte anders konstruiert werden, damit sich die teuren Rohstoffe anschließend tatsächlich bergen lassen. Das lernt Daimler gerade. Allein in Motoren von Elektro- und Hybridfahrzeugen stecken rund ein Kilogramm Seltene Erden – in Form von Magneten.

Recycelt hat Daimler sie bislang nicht, weil sie so schwer zugänglich sind. „Das ist nicht wirtschaftlich“, urteilt Tobias Elwert, Recyclingexperte an der Technischen Universität Bielefeld.

Daimler will Fahrzeuge deshalb künftig so bauen, dass die Motoren einfach, bestenfalls automatisch zerlegt werden können. Wie das gehen könnte, lotet der Konzern gerade im Forschungsprojekt MORE – für MOtorREcycling – aus. Jeden Monat liefert Daimler – zusammen mit Siemens – ausrangierte Elektroantriebe an die Universität Erlangen. Dort zerlegt eine Maschine die Bauteile erstmals automatisch.

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