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SanktionspläneRussland weicht beim Öl-Verkauf auf Nicht-EU-Länder wie Indien aus

Europa diskutiert noch über ein gemeinsames Ölembargo, da bahnt sich der Rohstoff schon seinen Weg in andere Märkte. Das zeigen aktuelle Daten.Thomas Stölzel 11.05.2022 - 17:40 Uhr

Der Öltanker Ust-Luga ist vom gleichnamigen russischen Ölhafen aus gerade unterwegs nach Gibraltar. Wohin es von dort geht, ist noch unklar. 

Foto: via REUTERS

Russische Ölexporte fließen zunehmend in Länder wie Indien und China statt in die EU. Das zeigt eine Analyse von Ausfuhrdaten durch die Brüsseler Denkfabrik Bruegel. Den Daten zufolge ist die Menge Öl aus Russland, die in Nicht-EU- und Nicht-G7-Häfen angelandet wurde, in der letzten April-Woche sprunghaft angestiegen – auf knapp 1,17 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Der höchste Wert im Jahr 2021 lag bei 890.000 Tonnen.

In den EU-Häfen dagegen kommt seit etwa Mitte März deutlich weniger russisches Öl an als im Vorjahr, wie die Erhebung zeigt. Allerdings bleibt Europa immer noch der mit Abstand größte Abnehmer des Rohstoffs. Im April landeten von etwas mehr als 13 Millionen Tonnen ziemlich genau 8 Millionen Tonnen russischen Öls in der EU.

Im April 2021 waren es noch etwa 10 Millionen Tonnen gewesen, die Russland in die EU exportierte. Noch Anfang 2022 verkündete Transneft, dass der Konzern in diesem Jahr 45,5 Millionen Tonnen nach Europa liefern wolle, so viel wie seit 2018 nicht mehr.

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Diese Verschiebung ist insofern erstaunlich, als sich die EU bisher noch nicht zu einem Embargo von russischem Öl und Ölprodukten durchringen konnte. Zuletzt hatte Ungarn sein Veto eingelegt. Die Regierung des Landes wolle nicht, dass die eigenen Bürger unter dem Ukraine-Krieg leiden, hieß es.

Die Denkfabrik Bruegel hat für ihre aktuellen Analysen Schifffahrtsdaten der russischen Ölexporthäfen Primorsk und Ust-Luga in der Nordsee sowie Noworossijsk am Schwarzen Meer untersucht. Diese gelten als die wichtigsten im Reich von Präsident Wladimir Putin. Tankschiffe sind heute das wichtigste Transportmittel für russisches Öl. 70 bis 85 Prozent des Erdöls, das das Land nach Europa verlässt, werden übers Meer verschifft. Die russischen Häfen sind dazu meist über Pipelines mit den Öl-Förderfeldern verbunden. Mitte März hatte eine Analyse der WirtschaftsWoche mithilfe von Satelliten und Schifffahrtsdaten noch keine signifikante Veränderung der Exporte ergeben.

Neben den Tankschiffen gibt es noch einen weiteren Weg, um russisches Öl von den Förderfeldern etwa in Sibirien nach Europa zu bringen – die Druschba-Pipeline. Der Pipeline-Betreiber ist der Konzern Transneft. In Deutschland landet dieses Öl in den beiden Raffinerien Schwedt in Brandenburg und Leuna in Sachsen-Anhalt. Die anderen Raffinerien im Land werden dagegen hauptsächlich per Schiff versorgt.

Lesen Sie auch: Was bedeutet das Ölembargo der EU für deutsche Tankstellen?

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