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Schiefergas-Förderung Fracking - die unabsehbare Gefahr aus der Tiefe

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Wie berechtigt sind die Sorgen?

Eine Schiefergas-Bohrung in Troy, Pennsylvania, bei der große Mengen von Wasser, Sand und Chemikalien unter großem Druck unter die Erde gepresst werden. Quelle: dpa

Josh Fox hat für seinen spektakulären Film viel Kritik erfahren. Sensationsheischend nahm er Effekte und Ungenauigkeiten in Kauf. Sowohl Exxon Mobil als auch der US-Bundesstaat Colorado bezeichnen die Sache mit dem brennenden Wasserhahn als so einen spektakulären, falschen Effekt. So schätzt es auch die Bundesanstalt für Geowissenschaftlichen und Rohstoffe die Bilder ein. Methan sei in einigen Regionen im Nordwesten der USA in großen Mengen im Boden vorhanden und auch schon vor dem Fracking in das Wasser gelangt.

Dennoch veränderte der Film die Wahrnehmung von Probebohrungen und Fracking auch in Deutschland erheblich. Die Kritik nahm massiv zu und rückte das Thema in den Fokus. Zum Ärger der fördernden Unternehmen. Aus eigenem Interesse gab Exxon Mobil beim Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung eine Studie in Auftrag und bat ein unabhängiges Expertenteam die Risiken beim Fracking zu eruieren. Für die Studie wurden keine Daten erhoben, sondern vorhandenes Material in einem Expertenkreis neu ausgewertet. Betreut hat das Projekt Dietrich Borchardt vom Helmholtz-Zentrum. Er ist der Leiter der Abteilung Aquatische Ökosystemanalyse.

Kuriose Folgen der Energiewende
Schwierige Löschung von Windrad-BrändenDie schmalen, hohen Windmasten sind bei einem Brand kaum zu löschen. Deshalb lassen Feuerwehrleute sie meist kontrolliert ausbrennen – wie im April in Neukirchen bei Heiligenhafen (Schleswig-Holstein). Quelle: dpa
Tiefflughöhe steigtDie Bundeswehr hat die Höhe bei nächtlichen Tiefflügen angepasst. Wegen Windradmasten kann die Tiefflughöhe bei Bedarf um 100 Meter angehoben werden. Der Bundesverband Windenergie (BWE) begrüßt, dass dadurch Bauhöhen von bis zu 220 Meter realisiert werden können. Die Höhe des derzeit höchsten Windradtyps liegt bei etwa 200 Metern. Quelle: dpa
Dieselverbrauch durch WindräderViele neue Windkraftanlagen entstehen – ohne ans Netz angeschlossen zu sein. Solange der Netzausbau hinterherhinkt, erzeugen die Windräder keine Energie, sondern verbrauchen welche. Um die sensible Technik am Laufen zu halten, müssen Windräder bis zu ihrem Netzanschluss mit Diesel betrieben werden. Das plant etwa RWE bei seinem im noch im Bau befindlichen Offshore-Windpark „Nordsee Ost“. Quelle: AP
Stromschläge für FeuerwehrleuteSolarzellen lassen sich meist nicht komplett ausschalten. Solange Licht auf sie fällt, produzieren sie auch Strom. Bei einem Brand droht Feuerwehrleuten ein Stromschlag, wenn sie ihren Wasserstrahl auf beschädigte Solarzellen oder Kabel halten. Diese Gefahr droht nicht, wenn die Feuerwehrleute aus sicherer Entfernung den Wasserstrahl auf ein Haus richten – aber, wenn sie dabei ins Haus oder aufs Dach gehen. Stromschlagsgefahr gibt es ebenso für Feuerwehrleute, wenn sie nach einem Straßenunfall Personen aus einem beschädigten Elektroauto bergen müssen. Quelle: AP
Störende SchattenWindräder werfen Schatten – manche Anwohner sehen darin eine „unzumutbare optische Bedrängung“, wie es das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen ausdrückte. Es gab einer Klage recht, die gegen ein Windrad in Bochum gerichtet war. Im Februar wies das Bundesverwaltungsgericht die Revision des Investors ab. Das Windrad wird nun gesprengt. Quelle: dpa
Gestörte NavigationAuf hoher See wird es voll. Windparks steigern nicht nur das Kollisionsrisiko mit Schiffen. Die Rotoren stören auch das Radarsystem. Der Deutsche Nautische Verein schlägt daher vor, dass Windparks nur genehmigt werden, wenn die Betreiber auch neue Radaranlagen an den Masten installieren. Quelle: dapd
Windrad-LärmWindräder drehen sich nicht nur, dabei machen sie auch Geräusche. Je stärker der Wind, desto lauter das Windrad – und das wollen viele Bürgerinitiativen nicht hinnehmen. Ein Beschwerdeführer aus dem westfälischen Warendorf erreichte im September 2011 vorm Verwaltungsgericht Münster zumindest, dass eine Windkraftanlage nachts zwischen 22 und 6 Uhr abgeschaltet wird. Quelle: dpa

Das Ergebnis ist eindeutig: Exxon muss zwar nachbessern, aber das Verfahren ist in Deutschland eine Option. Allerdings müsse sich an bestimmte Kriterien gehalten werden. Denn ganz ohne ist die Methode nicht, und in Deutschland fehlen Erfahrungswerte. Also empfehlen die Experten eine Herangehensweise in vorsichtigen Schritten.

„Bezüglich der Sorgen um das Trinkwasser haben wir eine klare Richtlinie“, sagt Dietrich Borchardt. Und die lautet: Trinkwasser- und Gewässerschutz geht vor Energiegewinnung. Schließlich ist Trinkwasser keine erneuerbare Ressource. Entsprechend empfehlen die Experten den Einsatz von Fracking nicht in Gebieten in denen tektonisch kritische Spannungen vorkommen. Ebenfalls Trinkwasserschutzgebiete und Heilquellengebiete sollten ausgenommen werden. Entsprechende politische Beschlüsse gibt es bereits.

Gerade wegen der häufigen Bohrungen gelte es, die tektonische Struktur besonders gründlich zu untersuchen. „Wenn der Untergrund nicht über ausreichende Barrieren verfügt, raten wir dringend von Fracking ab“, so Borchardt.

Um eine möglichst hohe Sicherheit zu Garantieren gibt es seitens der deutschen Politik klare Richtlinien. Wer fracken will muss einen Antrag auf eine Bergbauberechtigung stellen, damit für jeden Standort geprüft werden kann, ob ein sogenanntes Frack-Verfahren überhaupt möglich ist.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) sieht eher Gefahren im Umgang mit den Chemikalien an der Oberfläche. „Die Erfahrungen aus 300 Fracks in Deutschland im Bereich Tight Gas haben gezeigt,dass es unter Tage eigentlich nie zu Unfällen kommt“, sagt Stefan Lagade vom BGR. Beim Anliefern oder Abtransport der Stoffe habe es eher Komplikationen gegeben. Entsprechend sind die Unternehmen aufgefordert, weniger giftige Stoffe zu entwickeln, mit denen das Fracking dennoch möglich ist.

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