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Software Deutscher macht Rechenzentren effizient wie nie

Florian Leibert hat die Technik von Twitter mit aufgebaut. Nun hilft sein Start-up, Rechenzentren zu managen.

Von Schweinfurt ins Silicon Valley: Florian Leibert will mit Open Source Geld verdienen Quelle: Privat

Von Finnland ganz im Norden bis nach Chile weit im Süden: Google betreibt über die Welt verteilt 13 Rechenzentren, damit Internet-Nutzer möglichst schnell Aktienkurse suchen, Videos bei YouTube speichern und E-Mails abrufen können. In riesigen Hallen werkeln dazu Tausende Hochleistungscomputer, die hungrig nach Daten sind – und nach Energie. Jede der Rechenfabriken verbraucht so viel Strom wie eine Kleinstadt.

Der Energiehunger könnte noch viel größer sein. Doch ein System mit Codenamen Borg hilft dem Internet-Giganten, seine Daten besser zu verwalten als viele andere Firmen. Es reduziere den Bedarf an Serverleistung um mehrere Prozent, so John Wilkes, der bei Google für dessen Weiterentwicklung verantwortlich ist. Das klingt nach etwas Kostenoptimierung, hat aber enorme Konsequenzen: „Das entspricht einem weiteren Datencenter, das wir nicht bauen müssen“, erklärt Wilkes.

Das sind die größten Stromverbraucher weltweit

Borg verteilt Daten und Rechenaufgaben möglichst optimal auf alle Server. Wilkes vergleicht das mit der Aufgabe, verschieden große Holzscheite in Körbe zu sortieren. Das System ordnet sie so an, dass möglichst keine Lücken bleiben. Lange war Borg eins der am strengsten gehüteten Geheimnisse Googles, denn es verschaffte dem Konzern enorme Wettbewerbsvorteile. Inzwischen nutzen immer mehr Firmen vergleichbare Technik.

Ohne Mesos geht nichts mehr

Eine entscheidende Rolle spielt dabei ein deutscher Softwareingenieur: Florian Leibert. Er hat zwischen 2009 und 2011 beim Kurznachrichtendienst Twitter die Suchfunktion mit entwickelt. Auch die Empfehlungen, welcher anderen Person ein Nutzer folgen sollte, gehen auf ihn zurück. Sein vielleicht größter Dienst für Twitter war, den Vortrag seines Freundes Ben Hindman zu organisieren. Der war damals Doktorand an der Universität in Berkeley, wo er mit anderen ein Programm namens Mesos entwickelt hat. Zwar interessierten sich nur acht Mitarbeiter bei Twitter dafür. Doch das waren immerhin zehn Prozent der Belegschaft. Vor allem aber waren drei Ex-Google-Mitarbeiter dabei, die in Mesos ihr Borg-System wiedererkannten.

Und so heuerte der Zwitscherdienst Hindman an, um das System einzuführen. Dort geht inzwischen nichts mehr ohne Mesos. Leibert erkannte das Potenzial und gründete gemeinsam mit Tobias Knaup, einem Schulfreund aus Schweinfurt, vor einem Jahr Mesosphere. Übrigens nicht die erste Firma der beiden: Bereits mit 15 hatten sie ihr eigenes Unternehmen und entwickelten E-Commerce-Dienstleistungen.

Inzwischen hat Mesosphere 23 Mitarbeiter, darunter ehemalige Entwickler von Amazon, Adobe oder Intel. Prominent sind auch die Investoren: Zu den Geldgebern gehören die Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz und Kleiner Perkins, die einst auch Facebook oder Twitter finanzierten.

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