Solar Impulse 2 Schlechtes Wetter zwingt Solarflugzeug zum Stopp

Wasser so weit das Auge reicht: Der Schweizer Sonnenflieger Solar Impulse 2 ist am Sonntag zu der schwierigsten und längsten Etappe seiner Weltumrundung aufgebrochen. Doch schon am Montag musste er abbrechen: Das Risiko ist einfach zu groß.

Die Geschichte von "Solar Impulse" in Bildern
André Borschberg (links) und Bertrand Piccard (rechts). 1999 hatte Piccard schon einmal die Welt umflogen. Damals in einem Heißluftballon ...
... danach schwor er sich, den Flug zu wiederholen. Diesmal allerdings in einer Maschine, die ohne einen Tropfen Treibstoff auskommt.
Die Außenhaut des nur 25 Kilo schweren Cockpits hat Bayer Material Science aus Leverkusen beigesteurt.
Die Flügel haben insgesamt eine Spannweite von 72 Metern und sind damit länger als die einer Boeing 747.
Im Cockpit ist nur Platz für eine Person ...
... was bedeutet, dass Piccard (Foto) und Borschberg alle paar Tage zwischenlanden und sich abwechseln werden.
17.249 Solarzellen wurden auf den Flügeln befestigt.

Der Schweizer Pilot André Borschberg hat seinen Versuch der Pazifik-Überquerung mit einem Solarflugzeug zunächst gestoppt. Wegen schlechten Wetters werde er in Nagoya in Japan landen, teilte Borschberg am Montag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Er war am Sonntag (Ortszeit) im chinesischen Nanjing in Richtung Hawaii gestartet.

Die Überquerung des Pazifischen Ozeans gilt als schwierigste Etappe der geplanten Weltumrundung mit dem allein durch Sonnenenergie angetriebenen Flugzeug Solar Impulse 2. Für die insgesamt 8172 Kilometer lange Strecke über den Pazifik sind sechs Tage und fünf Nächte - rund 130 Stunden - eingeplant. So weit ist noch kein Solarflugzeug an einem Stück geflogen. Die vorherigen Etappen der Reise hatten nie länger als 20 Stunden gedauert.

Das Flugzeug mit den riesigen Flügeln und einem nur 3,8 Kubikmeter kleinen Cockpit wird ausschließlich von Sonnenenergie angetrieben. In China musste Borschberg fast sechs Wochen auf gutes Wetter für den Flug nach Hawaii warten. Die Strecke über den Pazifik gilt wegen der Länge und den Wetterbedingungen als besonders schwierig.

Etwa 18 Stunden nach seinem Start hatte Borschberg mit seinem Flugzeug 1650 Kilometer geschafft und befand sich über dem Meer nördlich von Hiroshima (Japan). Zeitweise musste „Solar Impulse 2“ aufgrund vieler Wolken sogar rückwärts fliegen. Mit Yoga und Gymnastik im Liegen hielt sich der 62-Jährige in dem Cockpit fit.

„Ich werde jeden Tag höher steigen“, hatte der Abenteurer der Deutschen Presse-Agentur vor seinem Abflug berichtet. Er kann maximal 20 Minuten am Stück schlafen. An Bord des leichten Experimentalfliegers gibt es sogar eine Toilette.

Borschberg und der Luftfahrtpionier Bertrand Piccard (57) wollen mit dem Projekt die Möglichkeiten der umweltfreundlichen Solarkraft aufzeigen. Auf den Etappen ihrer Weltreise wechseln sich die Schweizer Piloten im Cockpit ab. Die nächste Etappe von Hawaii an die amerikanische Westküste soll dann Piccard übernehmen.

Das Projekt war mehr als zwölf Jahre geplant worden. Der Flug begann am 9. März in den Vereinigten Arabischen Emiraten und führte mit Zwischenstopps in Oman, Indien und Myanmar nach China. Die Maschine soll zum Ende hin auch den Atlantik in vier Tagen überqueren. Insgesamt soll das Flugzeug 35.000 Kilometer zurücklegen.

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Angetrieben wird das einsitzige Karbonfaser-Flugzeug von vier Elektromotoren. Mehr als 17.000 Solarzellen zapfen dem Sonnenlicht die erforderliche Energie ab. Die Zellen sitzen auf den Flügeln mit einer Spannweite von 72 Metern - das ist mehr als bei einem Jumbojet. Gespeichert wird die Solarenergie in Lithium-Batterien.

Auf einen eventuellen Notfall bei der Pazifik-Überquerung hatte sich Borschberg intensiv vorbereitet: „Wenn alles schief läuft, kann ich immer noch mit dem Fallschirm, einem Rettungsboot und Versorgungsgütern abspringen“, hatte er kürzlich in einem Interview der dpa berichtet. „Mein Partner Bertrand Piccard und ich haben mit der deutschen Marine geübt, wie man mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug springt, mit der Situation umgeht und überlebt. Aber hoffentlich muss ich nicht auf dieses Training zurückgreifen.“

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