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Solarflieger Piccard Ohne Treibstoff um die Welt

Bertrand Piccard will mit einem Solarflugzeug die Welt umrunden. Mit dem erfolgreichen Flug von Madrid nach Marokko ist ein wichtiger Test gelungen.

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Bertrand Piccard feiert seine Ankunft am Flughafen Rabat, in Marokko Quelle: dapd

Bertrand Piccard hat es geschafft. Mit einem erfolgreichen Transkontinentalflug hat sein mit Sonnenenergie betriebenes Flugzeug seine Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Die „Solar Impulse“ mit der Flügelspannweite einer Boeing 777 hob am Dienstagmorgen in Madrid ab und setzte nach 20 Stunden Flug in der Nacht in der marokkanischen Hauptstadt Rabat auf. „Das war wohl der schönste Flug meines Lebens“, sagte Piccard nach der Landung in Rabat. „Schon als Kind habe ich davon geträumt, ohne Treibstoff zu fliegen.“

In einer ersten Etappe war die mit 12.000 Solarzellen auf ihren immensen Flügeln ausgestattete Maschine vergangene Woche vom schweizerischen Payerne nach Spanien geflogen. Der Transkontinentalflug umfasste eine Gesamtstrecke von 2.500 Kilometern.

Angetrieben durch Silizium

Piccard träumt davon, in seinem Solarflieger die Welt zu umrunden. Sein in Kunststoff gegossener Traum vom treibstofffreien Fliegen ist eine freche Herausforderung der Physik. Mit 1,6 Tonnen wiegt das Experimentalflugzeug nur so viel wie ein Mittelklassewagen. Doch von der einen Flügelspitze zur anderen misst es 63 Meter, so viel wie ein Jumbojet. Die Tragflächen machen fast 90 Prozent des Fliegers aus und verleihen ihm einen ungeheuren Auftrieb.

Der Jungfernflug der "Solar Impulse 2"
Knapp ein Jahr vor einer geplanten Erdumrundung hat das Schweizer Sonnenenergie-Flugzeug „Solar Impulse 2“ erfolgreich seinen Jungfernflug absolviert. Quelle: REUTERS
Der erste Praxistest der von den Schweizer Flugpionieren Bertrand Piccard und André Borschberg entworfenen Maschine dauerte am Montag 2 Stunden und 17 Minuten. „Die Resultate zeigen, dass unser Ingenieur-Team stolz sein kann auf die in den letzten zehn Jahren geleistete Arbeit“, erklärte Piccard. Quelle: AP
Nach verschiedenen Tests auf Flughöhen von bis zu 8000 Fuß (rund 2400 Meter) landete der Sonnenflieger unter dem Jubel von Schaulustigen wie geplant kurz vor 08.00 Uhr wieder auf dem Militärflugplatz von Payerne beim Neuenburgersee im Westen der Schweiz. Quelle: AP
Am Steuerknüppel saß bei dem Jungfernflug der Testpilot Marcus Scherdel (Mitte). Er habe bestätigt, dass sich die Maschine in der Luft gemäß allen Erwartungen und Simulationen verhalten habe, heißt es in einer Mitteilung des „Solar Impulse“-Teams. Weitere Testflüge sollen in den nächsten Monaten folgen. Quelle: dpa
Es ist - im wahrsten Sinne des Wortes - ein Pilotprojekt, gestartet 2014. Ein Einsitzer mit einer Spannweite von 72 Metern - das ist mehr als bei einem Jumbojet - sollte im März 2015 zu einer Umrundung der Erde starten. Dabei wollten sich Piccard, Borschberg und weitere Piloten in zahlreichen Flugetappen abwechseln. Quelle: REUTERS
Das Flugzeug verfüge im Vergleich zum Vorgängermodell über „eine Reihe neuer Technologien, die es effizienter, zuverlässiger und insbesondere besser geeignet machen für Langstreckenflüge“. Quelle: REUTERS
Der Sonnenflieger ist mit mehr als 17.200 Solarzellen ausgestattet, die vier Elektromotoren antreiben. Quelle: AP

Die Siliziumzellen sind das Herzstück des Fliegers. Sie treiben die vier Propellermotoren an, die das Flugzeug nach dem Start auf bis zu 8500 Meter Höhe bringen. Zugleich laden sie die Batterien, aus denen die Motoren nachts gespeist werden. Weil die Akkus weniger Strom liefern als die Zellen, drehen sich die Propeller bei Dunkelheit langsamer. Der Flieger geht nach Sonnenuntergang in den Sinkflug. Schiebt sich die Sonne erneut über den Horizont, steigt er wieder.

Gewitter umfliegen

Dabei muss der Pilot unter allen Umständen vermeiden, in Gewitter zu geraten. Ein Sturm könnte den superleichten Flieger zu Boden reißen. Natürlich, sagt Piccard, habe er Angst vor gefährlichen Situationen. „Ich bin ein Erforscher, kein Stuntman“, sagte er der WirtschaftsWoche schon vor seinem ersten Testflug 2010.

Doch der Tod fliegt seitdem immer mit. Freunde von ihm sind bei Flugmanövern umgekommen. Auch ihn hätte es beinahe erwischt: Als junger Mann verlor er bei einem Looping die Kontrolle über seinen Gleitflieger. In letzter Sekunde konnte er den Fallschirm öffnen. „Furcht“, sagt Piccard, „ist nützlich. Sie bringt einen dazu, sich besser vorzubereiten.“

Popstar der Greentech-Szene

Die Weltreise der PlanetSolar
PlanetSolar Monaco Quelle: Pressebild
PlanetSolar Crew Quelle: Pressebild
PlanetSolar Quelle: Pressebild
PlanetSolar Quelle: Pressebild
PlanetSolar
PlanetSolar Abu Dhabi Quelle: Pressebild
Singapur PlanetSolar Quelle: Pressebild

Wie sich sein Traum von der Weltumrundung entwickelt bleibt abzuwarten, doch Piccard ist längst so etwas wie ein Popstar der Greentech-Szene. Und schon einmal hat er das scheinbar Unmögliche geschafft: 1999 umrundete der Schweizer als erster Mensch in einem Heißluftballon die Erde. Danach schrieben Reporter, er habe das letzte Abenteuer der Menschheit bezwungen. Sein Ballon bekam einen Ehrenplatz in der Galerie der Pioniertaten im Washingtoner Luft- und Raumfahrtmuseum – nicht weit vom Flugzeug der Gebrüder Wright und der Apollo-11-Kapsel.

Schon während er 1999 den Heißluftballon Breitling Orbiter 3 in der ägyptischen Wüste landet, ist ihm klar, dass er die Welt wieder umrunden wird – ohne Treibstoff, nur mit Solarenergie. Elf Jahre sind seitdem vergangen; Jahre, in denen ihm Luftfahrtexperten bescheinigten, seine Idee werde nie funktionieren. Das war ihm egal. Piccard will mit dem Flieger nicht die Luftfahrtindustrie neu erfinden. Zu genau weiß er, dass es Jahre dauern wird, bis solarbetriebene Maschinen 200 Passagiere transportieren können – wenn überhaupt.

Pionier der Tiefseeforschung

Piccards Vater Jacques gehörte zu den Pionieren der Tiefseeforschung. Er tauchte mit dem U-Boot Trieste als erster Mensch 11.000 Meter tief in den Pazifik. Sein Großvater Auguste war ein weltbekannter Physikprofessor. Er stieg 1931 als erster Mensch mit einem Ballon in die Stratosphäre auf. Auguste verkörperte das Bild des Forschers so sehr, dass er Vorbild für Professor Bienlein in den Tim-und-Struppi-Comics wurde.
Über seine Eltern lernt er einige der wichtigsten Raumfahrtpioniere kennen. Mit großer Ernsthaftigkeit beschäftigen sie sich mit den Fragen des Jungen. Fragt sich nur, welchen Beruf einer wählt, der so aufgewachsen ist? Piccard wird Arzt, spezialisiert sich auf Psychotherapie und Hypnose. Denn ihn interessierte immer auch die spirituelle Seite des Lebens. Seine Geschichte ist auch die eines Grüblers, eines Philosophen. Und seine Praxis hat er immer noch.

Umwelt



Auch bei seinen Abenteuern ist der Beruf nützlich: Bei ihrem Flug um die Welt wollen sich Piccard und ein Ko-Pilot abwechseln. Doch während der eine im normalen Jet weiterreist, darf der andere im Solarflieger fünf Tage lang nie mehr als zehn Minuten dösen. Ihnen ist klar, dass Menschen ohne Schlaf durchdrehen können. Sie wollen die kritische Zeit daher mit Selbsthypnose und Meditation in einer Art Wachschlaf überbrücken.
Im Notfall soll eine vibrierende Flugjacke die Piloten wecken. Sie wird aktiv, sobald sich der Flieger gefährlich stark neigt. Ein Indiz dafür, dass der Pilot eingeschlafen ist und damit das Abenteuer zum Himmelfahrtskommando wird.

Ein Abenteuer ist für Piccard nichts, was man einfach tut. Abenteuer ist, wenn es keinen Weg zurück gibt. „Es ist eine Geisteshaltung gegenüber dem Unbekannten“, sagt er. Seine Maxime: Man sollte das Leben nicht in Sicherheit verschlafen, sondern Erfahrungen machen, suchen und erforschen – auch sich selbst.

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