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Stromnetz Die nächste Großbaustelle der Energiewende

Damit die lokalen Stromnetze unter der Last des Ökostroms nicht in die Knie gehen, müssen sich Stadtwerke einiges einfallen lassen. Eine mögliche Lösung: "Kästen mit Köpfchen".

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Wo der Strom herkommt
BraunkohleNoch immer der mit Abstand bedeutendste Energieträger Deutschlands: Im Jahr 2013 ist die klimaschädliche Stromproduktion aus Braunkohle auf den höchsten Wert seit 1990 geklettert. Mit 162 Milliarden Kilowattstunden macht der Strom aus Braunkohlekraftwerken mehr als 25 Prozent des deutschen Stroms aus. Das geht aus vorläufigen Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen hervor. Quelle: dpa
SteinkohleAuch die Stromproduktion in Steinkohlekraftwerken stieg im Jahr 2013 – um 8 Milliarden auf mehr als 124 Milliarden Kilowattstunden. Damit ist Steinkohle der zweitwichtigste Energieträger und deckt fast 20 Prozent der deutschen Stromproduktion ab. Vor allem Braun- und Steinkohle fangen also offenbar den Rückgang der Kernenergie auf. Quelle: dpa
Kernenergie Die Abschaltung von acht Atomkraftwerken macht sich bemerkbar. Nur noch 97 Milliarden Kilowattstunden stammten 2013 aus Kernerenergie, drei weniger als im Vorjahr. Das sind allerdings noch immer 15 Prozent der gesamten Produktion. Damit ist Atomstrom nach wie vor die drittgrößte Energiequelle. Quelle: dpa
ErdgasDie CO2-arme Erdgasverbrennung ist - anders als Kohle - wieder rückläufig. Statt 76 Milliarden kamen im vergangenen Jahr nur noch 66 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Erdgaskraftwerken. Das sind gerade mal zehn Prozent der Stromproduktion. Dabei war Erdgas vor drei Jahren schon einmal bei 14 Prozent. Quelle: dpa
WindkraftDer größte erneuerbare Energieträger ist die Windkraft. Mit 49,8 Milliarden Kilowattstunden in 2013 ist sie allerdings leicht Rückläufig. Insgesamt steigt der Anteil der erneuerbaren Energien jedoch stetig. Zusammengenommen produzierten sie 23,4 Prozent des deutschen Stroms. Quelle: dpa
BiomasseFast genauso viel Strom wie aus Windkraft stammte aus Biomasse. Die Produktion stieg auf 42 Milliarden Kilowattstunden. Damit steht Biomasse auf Platz sechs der bedeutendsten Energieträger. Quelle: ZB
PhotovoltaikEs reicht zwar nur für knapp fünf Prozent der deutschen Stromproduktion, aber Solarenergie ist die mit Abstand am schnellsten wachsende Energieform. Im Jahr 2000 gab es in Deutschland noch gar keinen Sonnenstrom. Und seit 2007 hat sich die Produktion auf 28,3 Milliarden Kilowattstunden in 2013 beinahe verzehnfacht. Quelle: dpa

Wenn Urlauber vom Schloss Neuschwanstein oder den Gipfeln der Allgäuer Alpen hinunter ins Tal schauen, erblicken sie ein Meer bläulich schimmernder Solaranlagen auf Häusern und Scheunen. An sonnigen Tagen schießen aus ihnen riesige Strommengen in die örtlichen Stromkabel. Die Energie in geordnete Bahnen zu lenken ist für den regionalen Energieversorger, das Allgäuer Überlandwerk (AÜW) in Kempten, zu einer echten Herausforderung geworden. Die Techniker in der Leitstelle haben mitunter alle Hände voll zu tun, damit das Netz nicht unter der Last des Grünstroms in die Knie geht. Dessen Erzeugung schwankt zudem stark und ist nur in Grenzen vorhersehbar, was die Sache noch schwieriger macht.

Vor dem gleichen Problem stehen Stadtwerke landauf, landab in Deutschland. Ob hoch im Norden in Oldenburg, in einer Großstadt wie Frankfurt oder in der ländlichen Idylle um Kempten – überall kämpfen sie darum, die elektrische Spannung in ihren Verteilnetzen hin zu den Haushalten, Gewerbebetrieben und Büros stabil zu halten und einen Kollaps zu vermeiden. Trotz der rasch wachsenden Strommengen, die Windräder und Fotovoltaikmodule zeitweise in die Leitungen einspeisen. Vergangenes Jahr stammte laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft mit 23,4 Prozent schon fast ein Viertel der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen.

Wie das deutsche Stromnetz funktioniert Quelle: Bundesnetzagentur

Die Integration von Wind- und Sonnenstrom in die örtlichen Stromnetze ist die nächste Großbaustelle der Energiewende. Schon jetzt ist klar: Die Aufrüstung mit Kabel und Transformatoren wird wiederum Milliarden Euro verschlingen. Kosten, die am Ende jeder Stromkunde über seine Energierechnung mitbezahlt.

Damit die Verbraucher wegen der ausufernden Strompreise nicht noch mehr meutern als bisher, muss der Ausbau der örtlichen Verteilnetze möglichst preiswert erfolgen. Tatsächlich – das ist die gute Nachricht – führen Netzausrüster wie Siemens, Intel, Schneider Electric und 3M gerade Innovationen wie intelligente Transformatoren und Kabelstränge ein, die das notwendige Investitionsvolumen erheblich begrenzen könnten.

Um das zu erreichen, wollen die Konzerne die tumben Ortsnetzstationen – immerhin mehr als 557.000 bundesweit – zu vielseitigen Schaltzentralen umbauen. Ausgestattet mit Sensoren und moderner Kommunikationstechnik, wissen diese dann stets genau, was in den Leitungen gerade passiert. Auf Basis dieses Wissens können die Energieversorger ihre Netze besser auslasten und die Ströme so lenken, dass die Gefahr von Blackouts der Stromversorgung nicht steigt. Unter dem Strich erspart ihnen das, viele zusätzliche Kabel zu verlegen.

Kein Grünstrom mit veralteten Netzstationen

Wo die Energiewende besser funktioniert
Im internationalen Vergleich gibt es kaum ein zweites Land, das sich derart ambitionierte Ziele zur Umstellung seines Energiesystems gesteckt hat wie Deutschland. Daher existiert auch kein Gesamtkonzept, das als Blaupause für die deutsche Energiewende dienen könnte. Dennoch kann Deutschland von anderen Ländern lernen. Eine Studie von McKinsey im Auftrag von Siemens stellt Beispiele aus verschiedenen Ländern vor und zeigt, was davon in welchem Umfang auch in Deutschland erfolgreich umgesetzt werden könnte. Die Fallbeispiele beziehen sich auf die wesentlichen Elemente der deutschen Energiewende entlang der Energiewertschöpfungskette: Stromerzeugung, Verteilung oder Balancierung von Angebot und Nachfrage sowie Steigerung der Energieeffizienz. Quelle: dpa
Dänemark, Niederlande, Brasilien - Versteigerung von WindparksDer Ausbau von Solar und Windkraft wird die Regierung bis 2020 rund 30 Milliarden Euro kosten. Eine Möglichkeit, den Kostenanstieg zu drosseln, wäre eine Anpassung der Förderung, zum Beispiel durch Auktionierung von Windparkprojekten – wie in Brasilien, Dänemark oder den Niederlanden praktiziert. So kann erreicht werden, dass Windparks an windreichen Standorten mit einer geringeren Vergütung auskommen. Würden in Deutschland die infrage kommenden Windparkprojekte in Zukunft versteigert, könnten allein im Jahr 2020 rund 0,7 Milliarden Euro an Förderkosten eingespart werden. Quelle: dpa
China – bessere Nutzung von AbwärmeAbwärme lässt sich bei Temperaturen ab circa 300 Grad Celsius zur Stromerzeugung nutzen. In Deutschland gibt es unter anderem in der Zement- und Glasindustrie weitere Potenziale, die andere Länder beziehungsweise Pilotanlagen in Deutschland bereits nutzen: So wurden in China in den  vergangenen zehn Jahren knapp 30 Zementwerke mit entsprechenden Anlagen ausgestattet oder werden aktuell umgerüstet. Durch Nachrüsten der in Deutschland infrage kommenden Werke könnten hier im Jahr 2020 etwa 2 TWh Strom erzeugt und so eine Megatonne CO2 eingespart werden. Die Investitionen würden sich bereits nach rund drei Jahren amortisieren, so die Autoren der Studie. Quelle: REUTERS
Shanghai – bessere TransformatorenJetzt wird es technisch, aber im Grunde simpel. Transformatoren sind  für die Stromversorgung unverzichtbar, da elektrische Energie nur mittels Hochspannungsleitungen über weite Entfernungen wirtschaftlich sinnvoll transportiert werden kann; der Betrieb von Elektrogeräten ist aber nur mit Nieder- und Kleinspannung praktikabel und sicher. Transformatoren haben einen magnetischen Kern, meist Eisen, man kann aber auch so genannte amorphe Metalle verwenden. Sie haben bessere magnetische Eigenschaften und senken Übertragungsverluste im Netz.  In Shanghai konnten die Leerlaufverluste der ausgetauschten Transformatoren um 80 % reduziert werden konnten. Allein die Ausstattung der in Deutschland bis 2020 neu zu installierenden Transformatoren mit amorphen Kernen könnte die Übertragungsverluste im Stromnetz im Jahr 2020 um 0,2 TWh reduzieren. Dies entspricht der Stromproduktion von circa 65.000 Aufdach-Solaranlagen. Durch die Einsparungen  würden sich die erforderlichen Investitionen nach circa elf Jahren amortisieren. Quelle: dpa
Schweden – mehr WärmepumpenEine Wärmepumpe entzieht zum Beispiel dem Boden oder der Luft unter Aufwendung mechanischer oder elektrischer Energie thermische Energie und stellt diese zur Raumheizung zur Verfügung. Momentan sind in Schweden bei 9,5 Mio. Einwohnern 1 Mio. Wärmepumpen installiert, gegenüber circa  0,5 Mio. Wärmepumpen in Deutschland bei rund 81 Millionen Einwohnern. Der Ausbau zusätzlicher 0,7 Millionen Wärmepumpen in Deutschland bis 2020 würde zu einer Senkung des Primärenergiebedarfs um 18 PJ und zu einer Senkung der CO2-Emissionen um 0,6 Mt für das Jahr 2020 führen. Foto: "Tourismusverband Westschweden Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
USA – Stromnachfrage besser steuernDie Stromerzeugung aus Wind und Sonne schwankt wetterabhängig sehr stark. Das belastet das Netz. Die Schwankungen lassen sich durch eine flexiblere Stromnachfrage ausgleichen. Im Nordosten der USA hat man dazu einen Markt für temporäre Nachfragereduzierung geschaffen. Zu Spitzenzeiten reduzieren Stromkunden ihren Verbrauch freiwillig und erhalten hierfür eine Vergütung. Bei diesem Fallbeispiel wurde die Spitzenlast in einem Markt, der größer als der deutsche ist, um circa 8 % reduziert. Würde Deutschland in ähnlicher Weise allein seine industrielle Nachfrage flexibilisieren, könnten 2020 etwa 0,5 Milliarden Euro eingespart werden. Das entspricht den jährlichen Betriebskosten von zwei großen Kohlekraftwerken. Quelle: AP
Los Angeles – LED-StraßenbeleuchtungInternational hat eine Reihe von Städten den Austausch der klassisch verwendeten Natrium-Hochdrucklampen durch LED s vorangetrieben. In den USA installierte zum Beispiel Los Angeles von 2009 bis 2013 in 146.000 Ampeln und Straßenleuchten mit LED. Mit Investitionen von rund 45 Millionen Euro konnte eine Reduzierung des Stromverbrauchs von rund 60 % erreicht werden. Quelle: Presse

Bis zum Auftauchen der Erneuerbaren war es denkbar einfach, Strom zu verteilen. Die Elektronen flossen nur in eine Richtung, von den Kohle- und Atomkraftwerken zu den Verbrauchern. Aus Erfahrung wussten die Versorger ziemlich genau, wie viel Strom ihnen die Kunden zu jeder Stunde des Jahres abnehmen und welche Höchstlast ihr Netz verkraften muss. Nach diesen Mengen dimensionierten sie Kabel, Sicherungen und Trafostationen.

Doch die überschaubare Stromwelt von einst ist perdu. Das belegen die nackten Zahlen. Speisten vor 15 Jahren noch wenige Hundert Energieerzeuger Strom in die deutschen Netze ein, kommt heute die Leistung von fast 1,5 Millionen Solar- und Windkraftanlagen hinzu. Ihre Besitzer sind sowohl Konsumenten wie Produzenten von Strom, der seither in beide Richtungen fließt.

Die Ortsnetzstationen, die sich gut verteilt in jeder Gemeinde befinden, sind aber für die Regelung des Gegenverkehrs nicht ausgelegt. Zudem fehlt ihnen die Fähigkeit, auf das Mehr an Strom und dessen plötzliche Schwankungen reagieren zu können.

Paul Wienen, beim US-Mischkonzern 3M verantwortlich für den Geschäftsbereich intelligente Stromnetze (Smart Grid) in Europa, zieht aus der Misere einen klaren Schluss: „Mit den veralteten Netzstationen ist die Integration des Grünstroms nicht zu schaffen.“ Aus seiner Sicht besteht die Lösung in „Kästen mit Köpfchen“, die sich schnell und kostengünstig in die bestehenden Netze eingliedern lassen. Und anschließend die Stromverteilung automatisch steuern und optimieren können.

Ob das in der Praxis so gut funktioniert wie in der Theorie, erproben gerade Experten des Allgäuer Überlandwerks in einem bundesweit einzigartigen Pilotprojekt. Bernhard Rindt, Geschäftsführer der AÜW-Beratungstochter egrid application & consulting, nennt als Ziel: „Wir wollen technische und wirtschaftliche Lösungen für Probleme aufzeigen, die sich für die Verteilnetzbetreiber aus der schwankenden, dezentralen Einspeisung erneuerbarer Energien ergeben.“

Zu diesem Zweck haben die Kemptener mit Siemens-Technik 57 Ortsnetzstationen umgebaut. Diese können jetzt mithilfe von Strom- und Spannungsmessern den Leistungsfluss an neuralgischen Punkten im Ortsnetz sekundengenau erfassen. Auf Basis dieser Daten kann ein integrierter Rechner zum Beispiel erkennen, ob die Spannung im Netz wegen des Zuflusses von Solarstrom zu stark ansteigt und gar ein Kurzschluss droht.

„Die regelbaren Ortsnetzstationen arbeiten autark wie ein modernes Verkehrsleitsystem“, erläutert Rindt. Die Sensoren reagieren nach dem Ampelprinzip. Grün heißt hier: keine Probleme. Gelb signalisiert: Der Netzzustand nähert sich kritischen Werten. Als Reaktion leitet das System Gegenmaßnahmen ein, regelt zum Beispiel in den gefährdeten Abschnitten des Netzes die Spannung runter.

Nur wenn die Aktionen die Stromversorgung nicht wieder stabilisieren, etwa weil zu große Strommengen dauerhaft die Leitungen zu verstopfen drohen, springt die Ampel auf Rot und alarmiert die Techniker in der Netzleitstelle des Energieversorgers. Die können dann gegensteuern, indem sie etwa Strom aus dem örtlichen in das übergeordnete regionale Verteilnetz zurückspeisen. Sie müssen aber nur selten eingreifen, resümiert Rindt. „90 Prozent der kritischen Situationen lösen die intelligenten Stationen eigenständig.“

3M will Geld in Ästhetik stecken

Neuer Rückschlag für Solarworld
SolarworldDer Bonner Solarmodulhersteller kommt nach seinem scharfen Kapital- und Schuldenschnitt vom Frühjahr nur langsam wieder in Tritt. Die konzernweite Absatzmenge sei im ersten Halbjahr nach vorläufigen Zahlen zwar um mehr als die Hälfte auf 357 Megawatt gestiegen, teilte Solarworld mit. Hierzu habe aber vor allem das Auslandsgeschäft beigetragen. In Deutschland sei der Markt weiter schwach. Das Umsatzziel für 2014 von mehr als 680 Millionen Euro werde deshalb wahrscheinlich nicht erreicht. In den ersten sechs Monaten wuchs der Konzernumsatz um 13 Prozent auf 228 Millionen Euro, blieb dabei aber leicht unter den Erwartungen des Unternehmens. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie bereinigt um Sondereffekte des internen Umbaus kam Solarworld auf einen leichten Gewinn von einer Million Euro (Vorjahreshalbjahr: -37 Millionen Euro). Ein insgesamt positives operatives Ergebnis erwartet das Unternehmen weiterhin für 2015. Mit der Restrukturierung hatte Solarworld seinen Schuldenberg um mehr als die Hälfte auf 427 Millionen Euro verringert. Dabei mussten Aktionäre und Gläubiger hohe Verluste hinnehmen. Erst vor kurzem hatte sich der Konzern mit einem wichtigen Rohstoff-Lieferanten auf neue Verträge geeinigt - musste im Gegenzug aber viel Geld in den Wind schreiben. Quelle: dpa
Nordex Der Windkraftanlagenbauer Nordex will seine Geschäfte in Südamerika ausbauen. Schon heute verkaufe Nordex vor allem in Uruguay mit einigem Erfolg, sagte Vorstandschef Jürgen Zeschky. Auch in Chile werde Nordex aktiv sein. „Diese Länder haben einen ungestillten Hunger nach Energie und zahlen für Strom aus heimischen Kraftwerken gutes Geld.“ In den USA habe sich Nordex dagegen bescheidene Ziele gesteckt. „Ich würde nicht so weit gehen, diese Strategie "Rosinen picken" zu nennen, aber dem härtesten Wettbewerb gehen wir so aus dem Weg“, sagte Zeschky. Der Umsatzanteil Amerikas liege bei 18 Prozent. Nach einem guten ersten Quartal hatte Nordex seine Prognose für 2014 zuletzt angehoben. Erwartet werden nun ein Auftragseingang von 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro und ein Umsatz von 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro. Die Ebit-Marge für 2014 - also das Verhältnis von operativem Ergebnis und Umsatz - wird laut Zeschky 4 bis 5 Prozent betragen. Nordex werde sein Werk in Rostock für rund 25 Millionen Euro ausbauen, kündigte Zeschky an. Dort sind etwa 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt wolle Nordex bis 2016 rund 50 Millionen Euro in seine Kerntechnologie „Rotorblatt“ investieren. Hintergrund sind die größeren Dimensionen der Rotorblätter und zugehörigen Werkzeuge, die den Umbau der bestehenden Produktionshallen notwendig machen. Quelle: dpa
SolarworldDie Sanierung ist planmäßig abgeschlossen, die Verluste sind eingedämmt (auf 427 Mio. Euro) - jetzt müssen nur noch die Umsätze wieder fließen. Der Photovoltaikkonzern Solarworld sieht sich nach dem drastischen Kapital- und Schuldenschnitt wieder gut aufgestellt. „Wir kommen nicht nur in ruhigeres Fahrwasser, wir nehmen auch massiv Fahrt auf“, sagte Konzernchef Frank Asbeck im Mai bei der Hauptversammlung des Unternehmens in Bonn. Solarworld profitiere von dem Einstieg des Emirats Katar sowie von der Übernahme von Fertigungskapazitäten von Bosch in Thüringen. Der Unternehmenschef geht von einem Wachstum des globalen Photovoltaikmarktes aus, mit einem Schwerpunkt in Asien und in den USA. Allein im ersten Quartal seien in den USA fast so viele Neuanlagen installiert worden wie in dem rückläufigen Markt Deutschland für das ganze Jahr 2014 erwartet wird. Quelle: dpa
SMA SolarSchlechter Start ins Jahr 2014: Im ersten Quartal stand beim operativen Ergebnis des Solar-Technikherstellers ein Minus von 22 Millionen Euro in den Büchern - nach einem Verlust von 8 Millionen Euro Anfang 2013. Zudem brach der Umsatz deutlich ein. Grund dafür seien zum einen Unsicherheiten in Europa wegen der Ukraine-Krise, aber auch Projektverschiebungen in Nordamerika und Währungsturbulenzen in Indien, heißt es offiziell von SMA Solar. Auf der Hauptversammlung 2014 wurde beschlossen, für das Geschäftsjahr 2013 keine Dividende auszuschütten. Große Probleme hat das Unternehmen aber schon länger. Der Weltmarktführer bei Photovoltaik-Wechselrichtern hatte 2013 einen Verlust von rund 67 Millionen Euro eingefahren - nach einem Gewinn von 75,1 Millionen Euro 2012. Mit weiteren Sparmaßnahmen will SMA Solar nun wieder in die Gewinnzone zurückkommen. Schon im Jahr 2013 hat der Wechselrichter-Hersteller seine Kosten um 180 bis 200 Millionen Euro gesenkt. Zudem will das Unternehmen in Zukunft neue Märkte erschließen und neue Produkte einführen. „Im besten Fall“, so Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon, soll 2014 ein Ergebnisplus von 20 Millionen Euro erreicht werden. Ende Mai gab SMA Solar bekannt, das Solar-Wechselrichter-Geschäft vom Mitbewerber Danfoss komplett zu kaufen und eine strategische Partnerschaft anzustreben. Quelle: dpa
SunwaysBeim Fotovoltaik-Unternehmen aus Konstanz läuft seit Ende April das offizielle Insolvenzverfahren. Der Insolvenzverwalter hat damit begonnen, den Konzern zu zerschlagen. Als ersten Schritt zur Liquidierung beantragte Sunways am 19. Mai den Widerruf der Börsenzulassung an der Frankfurter Wertpapierbörse beantragt. Gleichzeitig trat der Vorstandsvorsitzende Hoong Khoeng Cheong zurück .Das Geschäft mit Wechselrichtern und gebäudeintegrierter Photovoltaik hat bereits der chinesische Solarkonzern Shunfeng übernommen. 40 Mitarbeiter können deshalb ihren Arbeitsplatz behalten. Alle anderen hätten ihre Kündigung bereits erhalten, teilte ein Sprecher mit. Ende 2012 waren bei Sunways noch 265 Menschen beschäftigt. Die Aktionäre müssen davon ausgehen, bei der Insolvenz komplett leer auszugehen. Sunways schrieb seit Jahren rote Zahlen und wies hohe Verluste aus. Wie im Mai bekannt wurde, waren die Geschäfte des Unternehmens schon mehrere Monate vor der Zahlungsunfähigkeit fast völlig zum Erliegen gekommen. Bereits 2013 befand sich das Unternehmen einmal in einem vorläufigen Insolvenzverfahren, nachdem mehrere Banken dem Unternehmen Kredite in Millionenhöhe gekündigt hatten. Durch eine Vergleichsvereinbarung wurde das eigentliche Insolvenzverfahren damals jedoch abgewendet. Quelle: dpa
S.A.G. Solarstrom AGDie Solarkrise hat den Anlagenbauer in die Knie gezwungen. Das Unternehmen stellte am 13. Dezember 2013 einen Insolvenzantrag. Die Solarstrom AG kann nach Ansicht des Insolvenzverwalters aber gerettet werden. Mit einer Zerschlagung des Solarunternehmens sei derzeit nicht zu rechnen, teilte eine Firmensprecherin am 16. Mai am Rande einer Gläubigerversammlung mit. Die Sanierung und die Suche nach Investoren laufe positiv und werde fortgeführt, sagte Insolvenzverwalter Jörg Nerlich. Einzelheiten hierzu nannte er nicht. Nerlich erwartet den Angaben zufolge eine Insolvenzquote von rund 50 Prozent. Ob Aktionäre Geld zurück erhalten können, sei aber weiter offen. Das Freiburger Unternehmen mit heute rund 170 Mitarbeitern zählt zu den Pionieren der Solarbranche. Es war 1999 eine der ersten börsennotierten Solarfirmen in Deutschland. Quelle: dpa
ProkonDer Windkraftanlagen-Finanzierer hat im Januar beim Amtsgericht Itzehoe Insolvenz angemeldet. Das Verfahren wurde Anfang Mai eröffnet. Die Zukunft für die insgesamt rund 1300 Beschäftigten ist ungewiss. Gut 75.000 Anleger hatten dem Unternehmen über Genussrechte rund 1,4 Milliarden Euro anvertraut. Sie müssen sich auf schmerzvolle Verluste einstellen. Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin schätzt, dass sie zwischen 40 und 70 Prozent ihres investierten Kapitals verlieren werden. Das Geschäftsmodell des von Carsten Rodbertus 1995 gegründeten Windparkbetreibers stand seit langem in der Kritik. Quelle: dpa

Ähnlich gute Erfahrungen mit der Technik haben etwa der Frankfurter Energieversorger Mainova oder der Oldenburger Netzbetreiber EWE Netz gemacht. Noch steht allerdings die Antwort auf die Frage aus, wie viele der rund 557.000 Ortsnetzstationen in Deutschland (siehe Grafik) Intelligenzzuwachs benötigen. Die Schätzungen der Experten klaffen weit auseinander. 3M-Manager Paul Wienen spricht von „mindestens 70.000 in den nächsten fünf Jahren.“ AÜW-Mann Rindt hält 300.000 für realistisch. Hannes Schwaderer, Deutschland-Geschäftsführer des US-Chip-Produzenten Intel, glaubt dagegen, die Versorger müssten sogar rund 400.000 Ortsnetzstationen mit intelligenter Sensorik nachrüsten. Sein Unternehmen entwickelt zurzeit mit der Westfalen Weser Energie in Ostwestfalen-Lippe bei Paderborn ein Smart Grid der Zukunft, für das Intel die Rechenchips bauen will.

Weitgehend einig sind sich die Experten in der Frage, was es kostet, ein Trafohäuschen für das Grünstrom-Zeitalter zu ertüchtigen. Je nach Größe, so die Angaben, zwischen 5000 und 10.000 Euro. Das hieße: Wären tatsächlich 400.000 Stationen, wie von Intel-Manager Schwaderer prognostiziert, fit zu machen, kämen auf die Stromverbraucher im schlimmsten Fall Kosten von zwei bis vier Milliarden Euro zu, die sie über erhöhte Netzentgelte zu zahlen hätten.

Noch teurer käme sie indes die Alternative zu stehen. Würden Versorger und Netzbetreiber zusätzliche Kabel verlegen und mehr Transformatoren aufstellen, um den Ökostrom zu bändigen, müssten sie sogar 11 bis 16 Milliarden Euro investieren. Das hat Martin Stiegler ausgerechnet, Leiter der Smart-Grid-Division bei SAG in Langen unweit von Darmstadt. Das Unternehmen ist ein führender Systemlieferant für Strom-, Gas- und Wassernetze in Europa.

Eine dritte und angeblich unschlagbar preiswerte Lösung haben Entwickler von 3M jüngst vorgestellt. Sie bringen die gesamte Mess- und Steuerungstechnik, die Trafostationen schlau macht, in einer Manschette unter, die sie über ein 80 Zentimeter langes Kabel stülpen. Das Teilstück ist nicht dicker als ein Gartenschlauch und meldet der Leitwarte via Mobilfunk, wenn Spannung oder Stromstärke kritische Werte erreichen.

Umwelt



Der Einbau des Teilstücks, schwärmt 3M-Experte Wienen, sei denkbar einfach. Die Stadtwerker schneiden ein gleich langes Stück aus dem zentralen Kabel der Ortsnetzstation heraus und ersetzen es durch die sensorbestückte Leitung. Der Eingriff sei in wenigen Stunden erledigt, sagt Wiener. Und er koste bis zu 70 Prozent weniger als der Austausch einer herkömmlichen gegen eine intelligente Station, versichert er.

Da könnte sogar noch etwas Geld für die Verschönerung der zumeist schmucklosen Stromkästen an jeder zweiten Straßenecke bleiben. Erst in jüngster Zeit haben Energieversorger entdeckt, wie sehr diese als künstlerisch gestaltete Objekte eine Bereicherung des Stadtbilds sein könnten.

Intelligenz gepaart mit Ästhetik. Wenn das keine Aussichten sind.

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