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Studie zum Klimawandel Forscher prognostizieren härtere Zeiten für Ostdeutschland

Klimaforscher sehen teure Zeiten auf Deutschland zukommen. Steigende Temperaturen erfordern mehr Investitionen, um zum Beispiel Wasserknappheit zu vermeiden. Besonders hart trifft es den Osten.

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Schnelle Wege aus der Klimafalle
Klimaexperten haben mehr als 400 Methoden zur Bekämpfung des Klimawandels unter die Lupe genommen. Im Fokus der im Wissenschaftsmagazin „Science“ veröffentlichten Untersuchung stand ausnahmsweise nicht der Klimakiller CO2, sondern das Treibhausgas Methan sowie Ruß, der in der Atmosphäre dafür sorgt, dass weniger Sonnenstrahlung ins All reflektiert wird. Schon mit einigen einfachen Maßnahmen, so die Wissenschaftler, ließe sich der Ausstoß von Methan und Ruß so stark reduzieren, dass der globale Temperaturanstieg bis zum Jahr 2050 um ein Drittel geringer ausfallen würde als bislang vorhergesagt. Die zehn wichtigsten Maßnahmen im Überblick. Quelle: dpa
Durch eine bessere Filterung bei der Entlüftung von Kohleminen würde deutlich weniger Methan freigesetzt. Quelle: dpa
Lecke Gaspipelines sind eine weitere Treibhausgas-Quelle, die sich mit relativ geringem Aufwand schließen ließe. Quelle: dpa
Deponie-Gas, dessen Hauptbestandteil Methan ist, entsteht durch den bakteriologischen und chemischen Abbau von organischen Inhaltsstoffen des Mülls. Seine Freisetzung zu verhindern und es nutzbar zu machen, würde dem globalen Klimawandel entgegenwirken, so die Forscher. Quelle: dpa
Durch unkontrolliertes Abblasen bei der Ölförderung gelangen ebenfalls große Mengen Methan in die Atmosphäre, die durch verbesserte Fördertechnik eingefangen werden könnten. Quelle: dpa
Auch durch eine bessere Aufarbeitung der bei der Nutztierhaltung anfallenden Exkremente – etwa durch Vergärung in Biogasanlagen – ließe sich der Methanausstoß deutlich verringern. Quelle: dpa
Keine andere Kulturpflanze setzt soviel Methan frei wie Reis. Durch verbesserte Anbaumethoden, weniger Dünger und eine weniger intensive Bewässerung ließe sich der Methanausstoß beim Reisanbau reduzieren. Quelle: dpa

Hitzewellen und Hochwasser: Der Klimawandel könnte Ostdeutschland in den kommenden Jahrzehnten spürbar mehr zu schaffen machen als dem Westen der Republik. Das geht aus den neuesten Klima-Szenarien des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (Pik) hervor, die am Montag in Berlin vorgestellt wurden.
„Ostdeutschland wird durch größere Hitzewellen im Sommer und mehr Niederschläge im Winter wahrscheinlich härter getroffen“, erläutert Pik-Direktor Hanns Joachim Schellnhuber. Bei jetziger Gesetzeslage müssten sogar Kraftwerke an Flüssen zeitweise abgeschaltet werden, weil das Kühlwasser zu warm werde. Insgesamt treffe die Erderwärmung aber jede Region anders.

Erstmals haben Klimaforscher des Pik und der Berliner Humboldt-Universität die Auswirkungen der Erderwärmung bis zum Jahr 2100 bis auf die deutschen Landkreise heruntergebrochen. Gleichzeitig zeigen sie mögliche Effekte auf Land-, Forst- und Energiewirtschaft auf. Die Wissenschaftler rechnen dabei nicht mit Horror-Modellen, sondern orientieren sich an den Temperaturmessungen in Deutschland seit 1901. Bis 2010 wurde es den Angaben zufolge hier je nach Region zwischen 0,25 und 2 Grad wärmer.

Folgen des Klimawandels in Deutschland


Geht das genauso weiter, steigen die Temperaturen nach den Pik-Szenarien zwischen 2011 und 2100 um 3,6 bis 4,1 Grad Celsius. Durch deutlich weniger Niederschläge kippt dadurch zum Beispiel im ohnehin schon trockenen Brandenburg die Wasserbilanz weiter ins Negative. Für den Westen sei der ausbleibende Regen nicht so dramatisch, erläutert Pik-Forscher Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe. Denn bis auf Teile des Rheingrabens gibt es dort heute noch vergleichsweise hohe Niederschlagsmengen. Die Unterschiede machen das eher maritim geprägte Klima in Westdeutschland und das eher kontinental beeinflusste Klima im Osten der Republik aus.

Neue Aufgaben für Großstädte

Wer bei der Nachhaltigkeit punktet
Gelsenkirchen Quelle: obs
Oberhausen Quelle: dpa/dpaweb
Krefeld Quelle: AP
Herne Quelle: dpa/dpaweb
Hamm Quelle: dapd
Mönchengladbach Quelle: dpa/dpaweb
Essen Quelle: AP


„Wir müssen uns anpassen“, folgert HU-Klimaforscher Wilfried Endlicher. Droht Trockenheit, können Regionen zum Beispiel durch Wasserrückhaltebecken oder künstliche Bewässerung Vorsorge treffen. Auch der Winterregen sollte besser nicht durch Drainagen abgeleitet werden, sondern versickern. Das hebt den Grundwasserspiegel. Landwirte müssen sich dann aber den Experten zufolge darauf einrichten, dass ihre Felder bis Februar unter Wasser stehen können.
Auch auf Großstädte kommen neue Aufgaben zu. „Bei Hitzewellen verdoppelt sich die Sterblichkeit“, sagt Endlicher. Es müsse mehr Gesundheitsvorsorge für alte Menschen geben - und es werde dazu noch deutlich mehr alte Menschen geben als heute. „Das ist alles noch nicht in unseren Köpfen drin“, ergänzt er. Auch Straßenbäume und grüne Lungen bekämen ein ganz neues Gewicht. „Wir dürfen in den Innenstädten nicht alles zubauen.“

Wo man daheim den Stecker ziehen sollte
Bevor man ins vollgeladene Urlaubsauto springt, lohnt sich noch ein schneller Rundgang durch die eigenen vier Wände. Die zahlreichen Hausgeräte bergen viele kleine und gut versteckte Stromfresser. Die Betreiber des Stromsparportals Toptarif.de versichern: „Werden diese Geräte vom Stromnetz getrennt, lassen sich während eines zweiwöchigen Urlaubs bis zu 35 Euro sparen, wer drei Wochen in die Ferien fährt, kann die Stromkosten sogar um mehr als 50 Euro reduzieren“. Quelle: Fotolia
Erster Haltestopp in den vier Wänden: Das Wohnzimmer. Viele schalten ihren Fernseher beim Ausschalten nur auf Stand-by. Nutzt man ihn längere Zeit nicht, sollte man ihn vom Netz trennen. Oder aber man klemmt das Gerät an eine schaltbare Verteilerdose - und drückt dann auf dem Off-Knopf. Sparpotenzial bei zwei bis drei Wochen Urlaub: laut Toptarif.de fünf bis acht Euro. Gleiches gilt für den DVD-Player und die Stereoanlage, bei denen das kleines Lämpchen leuchtet. Manchmal zeigen sie auch die Uhrzeit an - ganze 24 Stunden am Tag. Auch das kostet. Quelle: AP
Apropos Uhrzeit: Den Radiowecker kann man auch getrost abschalten. Haben Sie schon gezählt, wie viel dieser Apparate im Haushalt an der Steckdose klemmen? Eben. In die gleiche Kategorie fallen übrigens elektrische Zahnbürsten. Quelle: Fotolia
Im Urlaub fallen Elektrozahnbürste und Radiowecker in die Kategorie nicht benötigte elektrische Geräte. Dazu gehört auch: Unser unzertrennlicher Freund, der Wlan-Router. Das Tor zum Internet und damit zur ganzen Welt ist auch ständig eingeschaltet. Wer seine Wohnung für zwei oder drei Wochen verlässt, kann, ohne Sorge vor dem Online-Tod, hier den Stecker ziehen. Die nicht benötigten elektrischen Geräte ohne Strom entlasten dann, laut Toptarif.de, die Haushaltskasse um zwei bis drei Euro. Quelle: obs
Haben Sie den Stecker beim Handy-Ladegerät gezogen? Und beim Tablet? Diese versteckten Stromfresser von der Stromversorgung zu trennen, kann zwischen vier und sechs Euro sparen. Noch so ein versteckter Stromfresser: Deckenfluter. Quelle: dpa
Lassen Sie, wenn möglich, die Klimaanlagen nicht auf maximaler Stufe laufen. Am besten man verzichtet gänzlich darauf. Deckenventilatoren sind besser, sowie das Sonnenlicht in die Wohnung durch Rollos erst gar nicht reinlassen. Also Zimmer und Wohnung konsequent abdunkeln. Nachts sollten dann die Fenster weit geöffnet werden, um die vier Wände gut zu kühlen. Quelle: dpa
Zur Kühlung des Körpers reicht auch eine Dusche im kaltem Wasser. Kostet nichts, kann man daheim und im Urlaub machen und ist außerdem gut für den Kreislauf. Macht man zudem ein Handtuch mit kalten Wasser nass und hängt es in einen Raum auf, gibt die Feuchtigkeit Kühle ab. Quelle: dpa


Auch in deutschen Wäldern müssen Forstwirte demnach weiter vorausdenken als heute. Denn für Buchenwälder tauge das neue Klima wenig. Monokulturen wie Kiefern verdunsteten zu viel Wasser. Die Lösungen sehen Klimaforscher im bewussten Pflanzen von Mischwäldern - das könne Klimaschäden bei einer Baumart am sichersten kompensieren. Der Klimawandel kann aber auch kuriose Folgen haben: Ostdeutschland würde ein exzellentes Weinanbaugebiet, an der Mosel könnten Winzer von weißem Riesling auf Rotburgunder umstellen.
Insgesamt trifft der Klimawandel Deutschland bei weitem nicht so hart wie die Eisbären in der Arktis, denen buchstäblich die Scholle unter den Pfoten wegschmilzt. Auf die leichte Schulter nehmen wollen Klimaforscher den möglichen Wandel hier aber auch nicht. „Wir brauchen erheblich mehr Investitionen für Anpassungen, besonders im Osten“, sagt Gerstengarbe.

Laughlins Thesen zur Energiezukunft

Das Problem seien nicht nur Dürreperioden, sondern auch Hochwasser im Winter. „Die letzte Elbeflut hat zehn Milliarden Euro gekostet“, ergänzt der Wissenschaftler. „Wenn das viermal hintereinander passiert, geht auch Deutschland in die Knie.“

Zwecks Aufklärungsarbeit wollen die Forscher die umfassenden regionalen Prognosen für Jedermann leicht verständlich erklären. Ab dem 1. Dezember geht dafür das Portal www.KlimafolgenOnline.com online.

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