Studie zum Südpol Antarktis-Eis könnte komplett schmelzen

Die Antarktis trägt derzeit vergleichsweise wenig zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Das könnte sich ändern. Die Eisdecke hält Wassermassen, die im Extremfall das Meer um 60 Meter steigen lassen.

Nach den Berechnungen würde die Antarktis als Folge über Jahrtausende hinweg Eis verlieren. Quelle: dpa

Ewig ist das ewige Eis auf lange Sicht mitnichten: Bei extrem hohem CO2-Ausstoß könnte die antarktische Eisdecke komplett abschmelzen. Das schreiben Forscher vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zusammen mit Kollegen im Fachjournal „Science Advances“. „Über einen Zeitraum von 10.000 Jahren kann die Antarktis eisfrei werden, wenn wir unsere fossilen Ressourcen vollständig verfeuern“, sagte Leitautorin Ricarda Winkelmann. Würden alle verfügbaren Vorkommen an Kohle, Öl und Gas verbrannt, wären Kohlenstoffemissionen von rund 10.000 Milliarden Tonnen die Folge.

"Snow Dragon" steckt nach Rettung nun selber fest
Der bei der Rettungsaktion in der Antarktis involvierte chinesische Eisbrecher "Snow Dragon" steckt jetzt selbst im Packeis fest. Die Crew habe sich am Freitag gemeldet und Bedenken geäußert, ob das Schiff sich aus eigener Kraft befreien könne, teilte die Seesicherheitsbehörde (Amsa) am Freitag mit. Amsa alarmierte daraufhin ausgerechnet den australischen Eisbrecher „Aurora Australis“ für einen möglichen Rettungseinsatz. „Die "Aurora Australis" ist in Bereitschaft versetzt worden (...) Sie muss als Vorsichtsmaßnahme in der Nähe bleiben“, teilte Amsa mit. Quelle: dpa
An Bord der Aurora sind die 52 Wissenschaftler und Touristen, die der Hubschrauber des chinesischen Eisbrechers am Donnerstag von der MV „Akademik Shokalskiy“ geholt hatte. Der Helikopter des "Snow Dragon" hatte die Passagiere nach zehn Tagen im Eis gerettet. Quelle: REUTERS
Der Hubschrauber flog sie gut 20 Kilometer weit und setzte sie nach Angaben der australischen Seesicherheitsbehörde (Amsa) auf einer Eisscholle in der Nähe des australischen Eisbrechers „Aurora Australis“ ab. Von dort kletterten sie an Bord. Quelle: Reuters
Das nächste Ziel der "Aurora Australis" sollte Tasmanien sein, wo die Passagiere bis Mitte Januar ankommen sollten. Durch den Einsatz für den Eisbrecher "Snow Dragon" ist dies nun fraglich. Die restliche 22-köpfige Crew harrt vorerst an Bord der „MV Akademik Shokalskiy“ aus. Das Forschungsschiff ist den Angaben zufolge nicht in Gefahr. Quelle: Reuters
Expeditionsleiter Chris Turney veröffentlichte auf Twitter ein Video, das die Ankunft des Helikopters zeigt. Noch kurz zuvor hatte es geheißen, dass sich die Helikopterrettung in der Antarktis am Donnerstag erneut verzögern würde. Kurz vor dem Start der Mission habe Packeis einer Barkasse den Weg versperrt, die die Forscher und Touristen nach dem Hubschrauberflug vom Eisbrecher „Snow Dragon“ zum nahe gelegenen Schiff „Aurora Australis“ bringen sollte, teilte AMSA mit. Quelle: Screenshot
Bereits am 31. Dezember hatten die Passagiere damit begonnen, im Schnee einen Landeplatz für den Helikopter flach zu trampeln. Quelle: AP
Die Expedition hatte Neuseeland am 28. November verlassen. Seit Heiligabend saßen die Teilnehmer nach einem schweren Sturm im Eis der Antarktis fest. Ein ums andere Mal verzögerte sich seitdem die Rettung der Passagiere. Drei Eisbrecher wurden entsandt, um das Forschungsschiff aus der Eiswüste zu befreien, doch sie scheiterten entweder am zu dicken Packeis oder an heftigem Wind und Schnee. Quelle: REUTERS
Die „MV Akademik Shokalskiy“ - hier Archivaufnahmen vom Hafen - sitzt seit dem 1. Weihnachtstag im Eis rund 2800 Kilometer südlich von Hobart fest. An Bord sind unter anderem auch 26 Touristen. Sie waren gemeinsam mit Klimaforscher Chris Turney und Kollegen auf den Spuren eines Polarforschers unterwegs, der die Region vor 100 Jahren erkundete. Quelle: dpa
Die Lage hat sich seit Heiligabend deutlich verschlechtert. Der Eisring um die „Shokalskiy“ schloss sich. Erst trennten nur zwei Kilometer Eis das Schiff vom offenen Meer trennten - ein Klacks für jeden Eisbrecher. Über Nacht wuchs der Ring plötzlich 20 Kilometer. Auch kein Problem, tönte Turney fröhlich von Bord. Quelle: AP
Aus der einsamen Eiswüste schickt Expeditionsleiter Chris Turney über YouTube eindrucksvolle Bilder und Töne in die Welt. Dick verpackt mit Mütze, Anorak und Schneebrille steht er an Deck und versucht, den pfeifenden Wind zu übertönen: „Wir sitzen in einem Schneesturm fest“, schreit er ins Mikrofon. Um das Schiff ist nur Eis zu sehen. Rettungsboote und Deck sind voller Schnee. Turney versichert, die Stimmung an Bord des Polarforschungsschiffs „MV Akademik Shokalskiy“ könne nicht besser sein. Vor dem Schneesturm genoss die Gruppe am 1. Weihnachtstag auf dem Oberdeck bei milden Temperaturen von minus ein Grad noch die Szenerie. „Ein wunderbarer Blick, alles gut hier“, twitterte Turney gelassen. Quelle: REUTERS
Dieses Bild etwa wurde am 29. Dezember gemacht: Nur ein paar Pinguine beäugten neugierig das Team, das sich noch an Weihnachten mit roten Zipfelmützen in bester Stimmung präsentierte. Quelle: dpa
Der chinesische Eisbrecher „Snow Dragon“ war der Akademik Shokalskiy am nächsten, konnte das das Schiff aber nicht erreichen. „Wir haben gerade gehört, dass der chinesische Eisbrecher in der Nähe ist“, berichtete Expeditionsleiter Chris Turney per Video. „Die schlechte Nachricht ist, dass sich das Eis von unserem Schiff aus jetzt über 20 Kilometer erstreckt.“ Das Eis ist zu dick, eine Rettung unmöglich. Aus Sicherheitsgründen sei der Rettungsversuch abgebrochen worden, sagte eine Sprecherin der australischen Seesicherheitsbehörde (Amsa). Der Eisbrecher sei bis auf sechseinhalb nautische Meilen an die MV Akademik Shokalskiy herangekommen. Quelle: REUTERS
Auch der australische Eisbrecher „Aurora Australis“, musste am 30.12.2013 zunächst aufgeben. Der Eisbrecher kam nur bis auf etwa 18 Kilometer an das Forschungsschiff heran. In der Region blase heftiger Wind, es gebe Schneefälle, teilte die Behörde mit. Bei schlechter Sicht sei eine Weiterfahrt zu gefährlich geworden. Deshalb bewege sich die „Aurora“ jetzt zunächst wieder zurück in Richtung offenes Meer. Ein neuer Rettungsversuch sei geplant, sobald sich das Wetter bessere. Auch eine Hubschrauberrettung der Expeditionsteilnehmer sei unter den Wetterbedingungen nicht möglich. Die Menschen an Bord seien nicht in Gefahr, die Stimmung sei gut und die Vorräte reichten für Wochen, versicherte die Behörde. Quelle: REUTERS
Der Zeitplan soll nach wie vor eingehalten werden: Die „Shokalskiy“ soll am 6. Januar in Bluff in Neuseeland wieder anlegen. Quelle: Reuters

Nach den Berechnungen würde die Antarktis als Folge über Jahrtausende hinweg Eis verlieren - mit einem durchschnittlichen Anstieg des Meeresspiegels von bis zu drei Metern pro Jahrhundert in den ersten tausend Jahren. In Summe hält das Eis der Antarktis der Studie zufolge Wassermassen, die den Meeresspiegel insgesamt um 58 Meter steigen lassen können.

„Das würde zwar nicht über Nacht geschehen, aber der springende Punkt ist, dass unser heutiges Handeln das Gesicht der Erde, so wie wir sie kennen, noch auf Zehntausende von Jahren verändern kann“, sagte Leitautorin Winkelmann. „Wenn wir den stärksten Meeresspiegelanstieg in der Geschichte der menschlichen Zivilisation verhindern wollen, müssen wir Kohle, Gas und Öl in der Erde lassen.“

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Für die Studie stützen sich die Wissenschaftler auf das sogenannte Parallel Ice Sheet Model (PISM), das Entwicklung und Dynamik von Eisschilden simuliert. Dabei berücksichtigen die Forscher auch Eisströme und große schwimmende Eisplatten. Der Einfluss der Erwärmung sowohl der Luft als auch des umgebenden Ozeanwassers wurden in die Simulationen einbezogen - ebenso wie Faktoren, die Schmelzprozesse beschleunigen oder mildern könnten.

Das Ergebnis der Studie sei unter den Extrem-Annahmen durchaus plausibel, sagte Johannes Sutter, der sich am Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven mit Eismodellierung beschäftigt. Ähnliche Ergebnisse seien auch bei anderen Modellen zu finden. Allerdings sei es sehr schwierig, so langfristige Vorhersagen wie in der vorliegenden Studie zu treffen.

Das Szenario der Potsdamer Forscher sei „eine durchaus realistische Möglichkeit“, sagte Klimaforscher Mojib Latif vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Auch er bezeichnete solche Langzeitvorhersagen als „höchst unsicher“. Er betonte aber: „Das heißt aber nicht, dass man es deswegen einfach vom Tisch wischen kann.“

Derzeit trägt die Antarktis laut PIK nur weniger als zehn Prozent zum globalen Meeresspiegelanstieg bei. Andere Faktoren wie die Ausdehnung der sich erwärmenden Ozeane und die schmelzenden Gletscher spielen eine größere Rolle.

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