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Tierreich Riesenkalmare - die Kosmopoliten der Weltmeere

Bisher haben sich die Riesenkalmare in der Tiefe der Meere vor ihrer wissenschaftlichen Erforschung gut versteckt. Nun haben Biologen einen Blick auf das Erbgut der Tiere geworfen, um den rätselhaften Wesen zumindest einige ihrer Geheimnisse zu entlocken.

Ein Riesenkalmar liegt im Hafen von Melbourne, Australien. Riesenkalmare sind offenbar unterseeische Kosmopoliten: Wie genetische Untersuchungen nahe legen, lebt in den Weltmeeren nur eine einzige Art der riesigen Tintenfische. Quelle: dpa

Riesenkalmare sind offensichtlich Kosmopoliten der Meere: Wie genetische Untersuchungen nahe legen, lebt in den Ozeanen nur eine einzige Art dieser riesigen Tintenfische. Vermutlich treiben die Jungtiere mit den Meeresströmungen um den Globus, schreibt ein internationales Forscherteam in den „Proceedings B“ der britischen Royal Society.
Riesenkalmare - oftmals fälschlicherweise als Riesenkraken bezeichnet - faszinieren Wissenschaftler und Laien gleichermaßen. In den Tiefen der Meere haben sie sich ihrer Erforschung bisher weitgehend entzogen. Meistens bekommen Wissenschaftler nur tote Exemplare in die Hände, die zum Beispiel an Strände gespült oder in den Mägen von Pottwalen gefunden werden. Es hat nach Angaben der Forscher bis zum Jahr 2004 gedauert, ehe ein Riesenkalmar erstmals in seinem Lebensraum gefilmt werden konnte.

270.000 Tonnen Plastikmüll treiben auf den Weltmeeren
Fast 270.000 Tonnen Plastikmüll treiben einer neuen Studie zufolge auf den Ozeanen der Erde. Das sei so viel Abfall, wie nicht einmal in 38 500 Müllwagen passen würde, schätzt eine am Mittwoch in dem Fachjournal „Plos One“ veröffentlichte Studie. Es handele sich dabei um mehr als fünf Billionen Einzelteile, heißt es in der Untersuchung. Um zu den Zahlen zu kommen, hatten Forscher zu See mit einem Maschennetz kleine Abfallteilchen gesammelt. Beobachter auf Booten zählten größere Gegenstände auf dem Wasser. Mit Computermodellen wurde für nicht untersuchte Gebiete hochgerechnet, wie viel Müll auch dort schwimmt. Die Studie bezieht sich lediglich auf Plastikabfall an der Wasseroberfläche. Wieviel Material auf dem Meeresboden liegt, erforschten die Wissenschaftler nicht. Foto: NOAA/PIFSC Quelle: Presse
Im Meer vor Griechenland treiben Plastiksäcke. Das Bild stammt aus dem Jahr 2008. Foto: Gavin Parson/Marine Photobank Quelle: Presse
Plastikmüll als Habitat für Meeresbewohner im Pazifik. Foto: Lindsey Hoshaw Quelle: Presse
Angeschwemmter Plastikmüll vor der Küste von Tromsø in Norwegen. Foto: Bo Eide Quelle: Presse
Angeschwemmter Plastikmüll vor der Küste von Kanapou in den USA. Foto: NOAA/Marine Debris Program Quelle: Presse
Vor der Küste von Hawaii sind etliche Netze angeschwemmt worden. Foto: Chris Pincetich/Marine Photobank Quelle: Presse
Kein seltener Bild: Eine Robbe hat sich in einem Treibnetz verfangen, USA, 2009. Foto: Kanna Jones/Marine Photobank Quelle: Presse


Man weiß, dass die Tiere weltweit verbreitet sind. Die Weibchen können bis zu 18 Metern lang werden, die Männchen sind etwas kleiner. Sie fressen Fische und kleinere Kopffüßer und werden als ausgewachsene Tiere selbst von Walen, vor allem von Pottwalen, gejagt. Oft zeugen kreisrunde Narben auf der Walhaut, die von Saugnäpfen der Kalmare stammen, noch von den Kämpfen der beiden gigantischen Tiere.

Vieles über die Biologie und Verbreitung der Riesenkalmare ist jedoch noch unbekannt. Um das zu ändern, untersuchten die Forscher um Inger Winkelmann von der Universität Kopenhagen Proben von insgesamt 43 Riesenkalmaren, die aus unterschiedlichen Meeren stammten. Sie analysierten Erbgut aus den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen.
Ergebnis: Dieses Erbgut unterschied sich von Tier zu Tier nur sehr wenig. Eine völlig befriedigende Erklärung haben die Forscher dafür nicht. Möglicherweise habe sich eine kleinere Ausgangspopulation von Riesenkalmaren vor einigen Zehn- bis Hunderttausend Jahren stark vermehrt. Die geringe Variabilität bestätige die Hypothese, dass es weltweit nur eine einzige Art von Riesenkalmaren gebe: Architeuthis dux.

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Die Forscher vermuten, dass die Jungtiere in den oberen Schichten der Ozeane mit Hilfe der Meeresströmungen verbreitet werden. Sie fressen demnach währenddessen Zooplankton und kleinere Tiere. Wenn sie eine bestimmte Größe erreicht haben, gelangen die Riesenkamlare den Forschern zufolge in die Tiefe der Meere, wo sie dann ihre Geschlechtsreife erreichen. Auch die ausgewachsenen Tiere wanderten vielleicht über größere Entfernungen. Noch seien zahlreiche Fragen offen, schreibt das Team. Die Wissenschaftler versprechen sich weitere Klärung von einer Analyse des Erbguts in den Zellkernen.

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