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UN-Klimakonferenz Wie sich das Klima retten lässt

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Option 5: Heimliche Klimakiller


Welche Unternehmen vom Klimawandel profitieren
Im Jahr 2007 erstellte die Forschungsabteilung der Deutschen Bank eine Studie zu den Gewinnern und Verlierern des Klimawandels. Zu den Gewinnern zählen demnach etwa hoch gelegene Skigebiete, wie der mehr als 3000 Meter hohe Piz Nair in St. Moritz (Bild) - zumindest vorläufig. Die Skigebiete sind bereits heute von der Erderwärmung betroffen. Vor allem niedrig gelegene Regionen leiden unter zu wenig Schnee. Ski fahren wollen die Menschen natürlich trotzdem und so profitieren hoch gelegene Gebiete von der Schneearmut ihrer Nachbarorte. Außerdem werden immer öfter Schneekanonen eingesetzt. Die Hersteller der Geräte können sich also über gute Geschäfte freuen. Quelle: ap
Der Weltklimarat erwartet unter anderem auch in Mitteleuropa und der Mittelmeerregion eine Zunahme von Dürren. Bilder wie dieses, das die durch Hitze und Trockenheit aufgebrochene Erde am Düsseldorfer Rheinufer zeigt, dürfte man demnächst häufiger sehen. Profitieren könnten davon sämtliche Technologien rund um die Wasserwirtschaft, wie etwa Hersteller und Betreiber von Wasseraufbereitungsanlagen, Kläranlagen, Meerwasserentsalzungsanlagen, Bewässerungstechnologien, Pumpen und Kompressoren. Quelle: dpa
Auch die Nachfrage nach Dünge- und Pflanzenschutzmitteln könnten aufgrund der Klimaveränderungen steigen. Profiteure wären dann die Produzenten der entsprechenden Güter wie etwa der Düngemittelhersteller K+S aus dem hessischen Kassel. Quelle: dpa
Speziell in Westeuropa werden die Hitzewellen zunehmen, erwartet der Weltklimarat in seiner jüngsten Studie. Davon könnte der Maschinenbau profitieren - schließlich steigt dann auch der Bedarf an Klima- und Lüftungstechnik. Quelle: dpa
Vor allem ältere Menschen werden von den extremen Temperaturen heftig getroffen werden und entsprechende Medikamente benötigen. Davon könnte die Pharmaindustrie profitieren. Zudem erwarten Experten, dass sich in Europa bislang unbekannte Krankheiten oder Krankheitserreger weiter nach Norden ausbreiten, zum Beispiel Malaria. Dann würden entsprechende Impfstoffe oder Medikamente stärker nachgefragt. Allerdings erwarten Fachleute auch, dass typische Winter- und Herbstkrankheiten wie Grippe oder Erkältungen auf Grund der milderen kalten Jahreszeiten abnehmen werden. Quelle: dpa
Bereits heute zählt die Bauindustrie zu den Gewinnern des Klimawandels. Um Energie zu sparen, wurden und werden zahlreiche Gebäude saniert. Auch die Beseitigung von Schäden durch die sich in Zukunft wohl häufenden extremen Wetterereignisse könnte Sonderkonjunkturen auslösen. Zudem müssen durch den steigenden Meeresspiegel gefährdete Küstenregionen stärker geschützt werden. Die Investitionen in die Aufstockung der Deiche kommen auch der Baustoffindustrie zugute. Quelle: dpa
Generell profitieren natürlich diejenigen Branchen, die auf Grund des Klimawandels besonders gefördert werden. Dazu zählen alternative Energien, wie etwa Windräder des Offshore-Windparks "EnBW Baltic 1" auf der Ostsee vor der Halbinsel Darß.   Die Energiewirtschaft ist aber auch negativ von Klimaeffekten betroffen. So könnten die Kosten für Versicherungen für Kraftwerke an Standorten, die häufiger extremen Wetterereignissen ausgesetzt sind, steigen. Auch der Reparaturbedarf könnte zunehmen. Quelle: dpa

30 Prozent der Erderwärmung gehen auf Schadstoffe wie Methan, Ruß und Ozon zurück. Ihr Ausstoß ließe sich leicht eindämmen.

Wenn es um die globale Erwärmung geht, steht meist nur das Gas CO2 am Pranger. Dabei gibt es weitere Schurken, die zum Treibhauseffekt beitragen – vor allem Methan, Ruß und bodennahes Ozon. Sie verursachen laut dem Weltklimarat IPCC 30 Prozent der Erderwärmung – und böten einen idealen Angriffspunkt, um den Klimawandel kurzfristig deutlich einzudämmen.

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    Denn Ruß und Methan gehören zu den sogenannten kurzlebigen Klimatreibern: Sie tragen wie Kohlendioxid zur Erderwärmung bei, werden aber deutlich schneller in der Atmosphäre abgebaut oder, im Falle von Ruß, mit dem Regen aus der Luft gewaschen. Das bedeutet: Wenn die Menschheit weniger CO2 ausstößt, wirkt sich das erst Jahrzehnte später positiv auf das Klima aus; spart sie bei Methan und Ruß, folgt die Wirkung nach Wochen oder Monaten.

    Erderwärmung bis 2050 verringern

    Welcher Effekt sich mit einem Kampf gegen die heimlichen Klimakiller erzielen ließe, berechnete unlängst ein internationales Forscherteam im Fachmagazin „Science“. Demnach könnte ein Bündel von Emissionsschutzmaßnahmen gegen Ruß und Methan bis zum Jahr 2050 die Erderwärmung um 0,5 Grad Celsius verringern.

    Die Instrumente, die die Wissenschaftler vorschlagen, sind nicht kompliziert. So lässt sich Methan, das bei der Erdölproduktion bisher abgefackelt wird, auch zurück ins Erdreich pressen oder als Energiequelle nutzen. Mülldeponien, aus denen das Gas bisher meist ungehindert in die Atmosphäre entweicht, lassen sich mit Folien abdecken. Auch Reisfelder würden, stünden sie nur zeitweise unter Wasser statt das ganze Jahr, weniger Methan ausstoßen.

    Umwelt




    Gegen Ruß gibt es ebenfalls viele simple, aber wirksame Mittel: Partikelfilter für Dieselmotoren etwa oder ein Stopp der Brandrodung tropischer Wälder. Ein effektives Rußembargo käme am stärksten der Arktis zugute. Dort legen sich die feinen Partikel wie ein grauer Schleier auf das Eis, erwärmen sich im Sonnenlicht und beschleunigen das Abschmelzen der nördlichen Polkappe.

    Weniger Ruß in der Luft könnte laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) die Erwärmung der Arktis bis zum Jahr 2040 um 0,7 Grad, also um zwei Drittel begrenzen. Gleichzeitig würden jährlich bis zu 4,6 Millionen vorzeitige Todesfälle, etwa durch Atemwegserkrankungen, vermieden.

    Zum Kampf gegen die kurzlebigen Klimakiller trat im Februar die internationale Climate and Clean Air Coalition (CCAC) ins Leben, ein Bündnis von 17 Staaten – darunter Deutschland – das UNEP, die Weltbank und die Europäische Kommission. Ein starkes Argument haben die Klimaschützer auf ihrer Seite: Die Hälfte der Ruß- und Methanemissionen ließen sich laut UNEP mit Mitteln einsparen, die sich von selbst finanzieren – etwa mit neuen Motoren, deren Anschaffung sich durch den geringeren Benzinverbrauch bezahlt macht.

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