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Unabhängig von Strompreisen So werden Sie zum Selbstversorger

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Der Trend geht zum Einsparen von Strom

Vor allem aber genießt der Arzt das Gefühl, nicht mehr den Kapriolen der Energieversorger ausgeliefert zu sein. Und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten zu können. Die Frage der Wirtschaftlichkeit rangiert für ihn erst dahinter. „Es geht mir vor allem um meine Souveränität.“

Spitz gerechnet hat Fischer daher noch nicht. Aber überschlägig ist er sicher, dass sich seine Investition auch finanziell auszahlt. Schließlich vergütet ihm der Staat in seinem Fall per Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) jede selbst genutzte Kilowattstunde mit rund 22 Cent. Und er braucht sie nicht beim Versorger einzukaufen, was ihm nochmals rund 27 Cent bringt. Das summiert sich zu einer Ersparnis von etwa 4000 Euro im Jahr. Auch weil er die Elektroautos der Familie an der heimischen Ladestation auftankt. Der Ertrag vom Dach und aus dem Keller reicht für beinahe 30.000 Kilometer. Das Auf und Ab der Benzinpreise lässt ihn seither kalt.

Für den Bonner EuPD-Marktanalysten Daniel Quack-Scheffen ist Hausbesitzer Fischer der Vorreiter eines Trends. Denn derzeit verändern sich die Motive für eine Energiewende im Privaten radikal. Lange montierten sich Immobilienbesitzer eine Fotovoltaikanlage vor allem aus einem Grund aufs Dach: Dank der garantierten EEG-Subventionierung über 20 Jahre warf sie zu besten Zeiten zweistellige Renditen ab – nahezu risikolos und mehr als praktisch jede Geldanlage.

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Strom für 10 Cent pro Kilowattstunde

Inzwischen ist die Vergütung stark gesunken – für Kleinanlagen gibt es noch 12,56 Cent je kWh. Damit rechnet sich dieses Geschäftsmodell nicht mehr. Stattdessen streben die Hausbesitzer nach maximaler Selbstversorgung. Das mischt den gesamten Markt auf.

Neueste Solarpaneele produzieren Strom schon für rund zehn Cent, das ist ein Drittel dessen, was manches Stadtwerk für die Kilowattstunde verlangt. Und selbst wenn Selbstversorger die Speicherkosten hinzurechnen, können sie nun erstmals billiger davonkommen – dank des Preisrutsches bei den Batteriekästen an der Wand. „Es geht nicht mehr ums Verdienen, sondern ums Einsparen“, beschreibt Quack-Scheffen den neuen Trend.

Batterien im Keller

Ob Energieberater, Heizungsspezialisten wie Viessmann und Vaillant oder Solaranbieter wie Solarworld – alle bestätigen die Entwicklung. Und weil die Akkupreise auch künftig sinken, laut EuPD-Prognose jährlich um voraussichtlich sieben Prozent, wird die Nachfrage nach den elektrischen Speichern kräftig anziehen. „Angetrieben von den Privathaushalten“, ist Quack-Scheffen überzeugt. Zogen vergangenes Jahr erst knapp 9000 Batterien in deutsche Keller ein, werden es 2018 schon fast 25.000 sein (siehe Grafiken auf der ersten Seite).

Dabei bevorzugen die Käufer den EuPD-Analysten zufolge immer häufiger Lithium-Ionen- statt billiger Blei-Akkus. Denn Erstere können, ohne Schaden zu nehmen, tiefer entladen werden und sollen 20 Jahre halten. Erfahrungen über solche Zeiträume liegen aber noch keine vor. Unangenehme Überraschungen sind demnach nicht ausgeschlossen. Die Zellen heutiger Blei-Pendants muss der Besitzer hingegen schon nach etwa zehn Jahren austauschen.

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