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Urbanisierung Der Reichtum der Städte

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Nur für Reiche bezahlbar

Das Wohnen in Paris, einst Anlaufstelle für Hunger leidende Künstler, ist heute den Reichen vorbehalten. Quelle: REUTERS

Es war der Sieg der Städte über Krankheit und Kriminalität, der sie erst zu Orten persönlichen Wohlbefindens und wirtschaftlicher Produktivität machte. Die durch eine lebenswerte Umwelt und ökonomische Vitalität geschaffene Nachfrage erklärt gemeinsam mit dem knappen Raumangebot den stetigen Anstieg der Preise in attraktiven Städten. New York, London und Paris schränken die Neubautätigkeit indes zunehmend ein, wodurch diese Städte immer teurer werden.

Tatsächlich gibt es in unseren Städten viel erhaltungswürdige Substanz – aber die Erhaltung historischer Bausubstanz hat einen hohen Preis.

Ein gutes Beispiel ist die wohlgeordnete Schönheit von Paris. Das Stadtbild besticht durch seine Ordnung: die breiten geraden Boulevards, beidseits gesäumt von eleganten Bauten aus dem 19. Jahrhundert. Wir können die großartigen Kulturdenkmäler bestaunen, weil sie nicht hinter gigantischen Neubauten verschwinden.

Neue Technologien zur Energiegewinnung
Solarzellen gehören in der Stadt von Morgen zu den wichtigsten Technologien bei der Energiegewinnung. Die Integration in die Gebäudehüllen spart Material und verbilligt den Sonnenstrom. Illustration: Javier Martinez Zarracina
Strom erzeugende Straßen gehören zu der Vision des amerikanischen Startup Solar Roadways. Die Oberfläche besteht aus einem extrem harten Glas, darunter befinden sich Solarzellen. Im US-Bundesstaat Idaho wurde so der erste Strom erzeugende Parkplatz aus Solarmodulen gebaut. Illustration: Javier Martinez Zarracina
Durch transparente Farbstoffsolarzellen können zusätzlich Fassadenflächen zur Energiegewinnung genutzt werden. Das australische Solarunternehmen Dyesol und der US-Glashersteller Pilkington wollen bereits in wenigen Jahren damit beginnen, Glas mit Solarzellen aus Farbstoffen zu bedrucken. Illustration: Javier Martinez Zarracina
Einzelne Haushalte können sich zukünftig durch Kleinwindräder, die sich leicht auf Hausdächern und an Balkonbrüstungen montieren lassen, mit Strom versorgen. Der Branchenverband RenewableUK rechnet damit, dass in England bis 2020 Kleinwindräder mit einer Gesamtleistung von 1,3 Gigawatt installiert sein werden - so viel wie ein großes Atomkraftwerk derzeit produziert. Illustration: Javier Martinez Zarracina
Elektroautos könnten in den zukünftigen Megacities direkt am Parkplatz aufgeladen werden - durch Windenergie. Sanya Skypump heissen diese Windturbinen, die vom New Yorker Kleinwindanlagen-Startup Urban Green Energy entwickelt wurden. Illustration: Javier Martinez Zarracina
Selbst Biomasse lässt sich in den Städten zur Energiegewinnung nutzen. Durch Fermentierungsanlagen wird aus dem angefallenen Müll Biogas erzeugt - womit sich wiederum gasbetriebene Fahrzeuge antreiben lassen. Zudem... Illustration: Javier Martinez Zarracina
...lässt sich das gewonnene Biogas problemlos in das Gasleistungsnetz mischen. So können auch hocheffiziente Blockheizkraftwerke betrieben werden, die dann in den Kellern von Gebäuden Wärme und Strom erzeugen. Illustration: Javier Martinez Zarracina

Seine beeindruckenden Sichtachsen verdankt Paris der Tatsache, dass jeder geplante Neubau ein langwieriges Verfahren durchläuft, wobei die Erhaltung bestehender Substanz grundsätzlich Priorität hat. Dieser restriktive Ansatz hat dazu geführt, dass Wohnen in Paris – das einst berühmt war als Zuflucht für Hunger leidende Künstler – nur noch für Reiche bezahlbar ist.

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    Selbstschädigende Politik

    London legt ähnlich großen Wert auf die Erhaltung historischer Bausubstanz. Und ihre Abneigung gegen hohe Bauten haben die Engländer offenbar auch nach Indien exportiert. Allerdings haben die Bau- und Höhenbeschränkungen dort wenig Sinn und richten sogar ziemlichen Schaden an. Mumbai hat eine der restriktivsten Bauordnungen in der Dritten Welt. Die im Zentrum der Stadt errichteten Neubauten hatten im Durchschnitt gerade einmal 1,3 Stockwerke. Was für ein Wahnsinn – eine für Vorstadtlagen typische Bebauungsdichte im urbanen Zentrum dieser pulsierenden indischen Metropole!

    Diese selbstschädigende Politik hat eine Reihe negativer Folgen: überhöhte Wohnungspreise, zu kleine Wohnungen, Verkehrsstaus, Zersiedelung, Slums und Korruption. Die Boomstadt Shanghai wächst noch schneller als Mumbai, aber das Leben in der chinesischen Millionenstadt ist weit erschwinglicher, weil das Wohnungsangebot mit der Nachfrage Schritt hält.

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