Valley Talk

Die Pleite des Jahres

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Der Milliarden-Crash des Solarspezialisten Solyndra erinnert an eine der spektakulärsten Pleiten der Internet-Blase – und bedroht die Hoffnungsbranche Cleantech.

Auktion bei Solyndra: Das legte eine spektakuläre Pleite hin Quelle: dapd

Wenn nicht noch ein spektakulärer Betrug vom Schlage des kriminellen einstigen Finanzmaklers Bernie Madoff auffliegt, steht die größte und gefährlichste Pleite des Jahres in der US-High-Tech-Branche fest. Es ist Solyndra. Einst wurde das Unternehmen als Pionier für die Idee gefeiert, günstige Dünnschichtsolarzellen um einen Zylinder zu gruppieren und so möglichst viel Sonnenlicht aufzufangen, und mit sagenhaften 1,65 Milliarden Dollar Wachstumskapital ausgestattet.

Doch seit seiner spektakulären Pleite im September gilt der Solarhersteller als Paria. Eine Wiedergeburt scheint mangels Interessenten ausgeschlossen. Überkapazitäten auf dem Weltmarkt, Dumpingpreise chinesischer Konkurrenten und Fehler seines Gründers Christian Gronet führten das Unternehmen in den Ruin. 1100 gut bezahlte Jobs sind verloren. Solyndras Technologie, Patente und Maschinen sollen versteigert werden.

Die größten Solarhersteller der Welt
Die größten Solarhersteller der WeltPhoton Consulting, eine Forschungs- und Beraterfirma, die sich auf den Solarmarkt spezialisiert hat, hat sich die Hersteller von Solarmodulen einmal genauer angesehen. Aufgrund der Vorjahreszahlen erstellten die Solarexperten eine Prognose, wer 2011 die Top Ten Hersteller sein werden. Die Prognose basiert auf den Produktionskapazitäten - allerdings gaben bereits einige Hersteller an, ihre Kapazitäten doch nicht wie geplant weiter auszubauen. Quelle: dapd
Platz zehn der größten Modulhersteller im Jahr 2011 ist laut Photon-Prognose das japanische Unternehmen Kyocera. Im vergangenen Jahr stand es gleichauf mit dem deutschen Hersteller Solar World. Beide hatten eine Modulkapazität von 800 Megawatt. Zum Vergleich: Ein durchschnittliches Atomkraftwerk produziert um die 1200 Megawatt.
Wie auch im letzten Jahr wird das 2005 in China gegründete Unternehmen LDK Solar auf Platz neun der Liste stehen. 2010 waren die Chinesen in der Lage, 910 Megawatt zu fertigen. Der Umsatz lag bei rund 1,2 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Einen Rang eingebüßt hat der ebenfalls chinesische Modulhersteller Hareon Solar. 2010 reichte eine Produktkapazität von 1.025 Megawatt noch für Rang sieben in der Liste, 2011 wird es damit wohl nur Platz acht. Auf den siebten Platz rückt das japanische Unternehmen Sharp, obwohl die Produktionskapazitäten im vergangenen Jahr noch geringfügig niedriger waren als die der chinesischen Konkurrenz. Der Elektronikriese Sharp wurde 1912 von Tokuji Hayakawa gegründet und hat bereits in den 1960er Jahren begonnen, auch intensiv die Herstellung von Solarzellen zu erforschen.
Auch der sechste Platz des Rankings ist in asiatischer Hand. Dort steht unverändert Jinko Solar aus Hongkong mit einer geschätzten Kapazität von 1.100 Megawatt. Auf Platz fünf steht ebenfalls ein chinesisches Unternehmen: Hanwha SolarOne aus Qidong ist das Ergebnis einer strategischen Partnerschaft des südkoreanischen Konglomerats Hanwha und des chinesischen Unternehmens Solarfun Power Holdings. Obwohl das Unternehmen Hanwha SolarOne erst 2010 entstanden ist, startete es direkt mit einer Fertigungskapazität von 1.350 Megawatt. Quelle: dapd
2010 belegte Canadian Solar aus Kitchener in Ontario Platz fünf im Ranking, laut Photon-Prognose erreicht es in diesem Jahr Platz vier. Das Unternehmen wurde 2001 von Dr. Shawn Qu gegründet und produziert seitdem Standard- und Spezialmodule in China. Quelle: dpa
Unverändert auf Platz drei dagegen steht Yingli, ein chinesischer Hersteller mit einer geschätzten Maximalleistung von 1.650 Megawatt pro Jahr. Yingli wurde auch durch das Sponsoring bei der Fußball-Weltmeisterschaft einem breiten Publikum bekannt. Quelle: dapd

Der Crash ist für die junge Umwelttechnologiebranche im Silicon Valley das, was die 1,2-Milliarden-Dollar-Pleite des Online-Lebensmittellieferdienstes Webvan 2001 für die überhypte Dotcom-Branche war. Eine gute Idee, wahnsinnig aufgebauscht, mit Geld nur so zugepflastert, spektakulär gescheitert und seitdem Synonym für Größenwahn und Gier. Nur dass der Crash von Solyndra wegen seiner politischen Komponente weit gefährlicher ist.

Weil nämlich bei der Pleite 535 Millionen Dollar Steuergelder aus einem speziellen Kreditabsicherungsfonds der US-Regierung für saubere Energien vernichtet wurden, steht nun die Förderpolitik für diese Zukunftsbranche unter Generalverdacht.

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