Verkehr Robo-Taxi gegen den Stau

Automatisierte Verkehrsmittel bringen uns schneller, sparsamer und bequemer ans Ziel. Mit welchen Konzepten Forscher den Stau besiegen wollen.

Mit neuen Technologien den Smog lichten - darauf hoffen Megastädte wie Malaysia Quelle: dpa/dpaweb

In der Vorstellung von Forschern sehen die Straßen vieler Metropolen in ein paar Jahren völlig anders aus: In Zukunft, so glauben sie, werde es keine festen Wege mehr für Autos, Radfahrer und Fußgänger geben, weil sich alle Verkehrsteilnehmer den Platz flexibel teilen. In den Straßen eingelassene Leuchtdioden passen die Flächen nach Bedarf flexibel an. Stauen sich die Autos im Berufsverkehr, werden die Gehwege verkleinert – umgekehrt, wenn abends die Menschen aus dem Theater gen U-Bahn strömen.

Ein besonders spektakuläres Konzept dafür hat der dänische Architekt Andreas Klok Pedersen entwickelt: Er schlägt vor, die verkehrsleitenden Leuchtdioden in eine gläserne Oberfläche einzulassen. Der Glasboden, der sich über Fotovoltaikmodule mit Strom versorgt, erkennt jeden Fußgänger und markiert ihn mit Lichtkreisen, damit Radfahrer gewarnt sind. Autos kündigt der Boden mit blauen Lichtpfeilen an. Per Autopilot steuern die Fahrzeuge automatisch an Hindernissen vorbei.

Fahrerlose Autos

Plasti-City nennt Architekt Pedersen seine Vision. Sie erscheint kühn und verknüpft doch nur Techniken, die längst erprobt werden: So wächst weltweit die Zahl der Städte, die mit Shared Spaces, also Straßen ohne Begrenzungen und Verkehrsschilder, experimentieren. Auch fahrerlose Autos steuern bereits unfallfrei durch die Stadt, wie Tests in Berlin gezeigt haben. Leuchtende Solarstraßen wiederum werden vom Startup Solar Roadways in den USA getestet – und mit Sensoren, die jeden Winkel der Stadt erfassen, berechnet London, wie viel City-Maut zu zahlen ist.

Verkehrsmittel der Zukunft
In der Stadt von Morgen wird es keine festen Wege mehr für Autos, Radfahrer und Fußgänger geben. Alle Verkehrsteilnehmer werden sich künftig flexibel einen Weg durch die Stadt suchen – das glauben zumindest Forscher, die sich mit Städten der Zukunft befassen. Illustration: Javier Martinez Zarracina
In den künftigen Megacities muss es gelingen auf gleichem Raum mehr Menschen zu transportieren. Indische Städte wie Delhi und Gurgaon planen Roboter-Taxis einzuführen. Die computergesteuerten Kabinen für vier bis sechs Personen warten an Haltestellen auf ihre Fahrgäste. Per Lasertechnik werden die Kabinen durch die Stadt gelotst, die Haltestellen können dann je nach Bedarf angesteuert werden – getrennt vom restlichen Verkehr. Illustration: Javier Martinez Zarracina
In Jakarta bringt ein Zug namens Aeromovel die Fahrgäste ohne Lärm und Abgase ans Ziel – angetrieben von Druckluft. Die Erfindung neuer Transportmittel, die ohne Kraftstoff auskommen wird in Zukunft immer wichtiger werden.  Illustration: Javier Martinez Zarracina
In Medellin befördern seit 2004 Seilbahnen Passagiere umweltfreundlich durch die Stadt. Die ersten europäischen Städte ziehen nun nach. Seilbahnen sollen künftig auch in London und Hamburg sowohl CO2 als auch Platz sparen. Illustration: Javier Martinez Zarracina
In São Paulo kommen auf rund 19 Millionen Einwohner etwa sieben Millionen Autos. Städte wie Istanbul, Bogotá oder Santiago de Chile ersetzen Autospuren durch Schnellbuslinien. Auf diesen Bus Rapid Transits rollen Riesenbusse im Minutentakt an allen Staus vorbei. 900 000 Istanbuler nutzen solche Busse bereits Tag für Tag. Weitere 80 Städte wollen nachziehen. Illustration: Javier Martinez Zarracina
Nicht nur Menschen müssen zukünftig Platz- und Ressourcen sparend durch die Stadt transportiert werden. Gerade der Schwerlastverkehr mit Lastwagen gehört zu den größten Luftverschmutzern. In Bochum setzt das Unternehmen CargoCap daher auf computergesteuerte Kapseln, die Paletten durch Rohe unter der Erde ans Ziel bringen. Eine oberirdische Teststrecke gibt es in Bochum bereits. Die Kosten für dieses System: geringer als der Bau einer Autobahn. Laut CargoCap kostet eine Röhre mit zwei Fahrsträngen pro Kilometer 6,4 Millionen Euro, ein Kilometer Autobahn in Deutschland das Vielfache. Illustration: Javier Martinez Zarracina
In Zukunft werden auch platzsparende Autos gefragt sein. Eine Antwort darauf könnte das Hiriko-Citycar geben. Den Elektrozweisitzer entwickelten Forscher am amerikanischen Massachusetts Institute of Technology. Das Auto lässt sich zum Parken einfach zusammenklappen und benötigt nur ein Drittel der Standfläche eines Smarts. Im Jahr 2013 sollen 20 Modelle auf den Markt kommen, so die Unternehmensberatung Frost & Sullivan. Auch andere Ideen sorgen für Aufsehen… Illustration: Javier Martinez Zarracina
…das kalifornische Startup Lit Motors hat einen elektrischen Kabinenroller erfunden – der Clou: das Vehikel balanciert sich selbst mithilfe eingebauter Stabilisatoren auf zwei Reifen, sogar im Stand. Sollte das Fahrzeug wie geplant 2014 mit einer Reichweite von 320 Kilometern auf den Markt kommen, dürfte es Pendlern locken, die Sprit sparen, aber nicht auf Sicherheit verzichten wollen. Es gibt noch weitere Alternativen… Illustration: Javier Martinez Zarracina
…wie die Möglichkeit einfach ein Fahrzeug zu mieten. Frost & Sullivan schätzt, dass Carsharing-Anbieter bis 2020 europaweit 14 Millionen Kunden haben und damit sieben Milliarden Euro umsetzen. Genauso beliebt sind Fahrradmietsysteme von denen es bereits mehr als 400 in Europa gibt. Das Startup E-Bike Mobility aus Markdorf am Bodensee baut Fahrradtürme. die per Roboter-Aufzug 221 Leihräder übereinander stapeln. Dort können dann auch Elektrofahrräder mit Solarstrom aufgeladen werden. Egal welches Verkehrsmittel, manchmal reicht es auch schon es effizienter zu nutzen. Beispielsweise mit dem Handy die kürzeste Route durch die Stadt zu suchen. Illustration: Javier Martinez Zarracina

Absurder als die Visionen ist eh die Gegenwart: São Paulos jüngster Rekordstau war 293 Kilometer lang, trotz zehnspuriger Straßen. Zwei Millionen Städter weltweit sterben verfrüht an Gift in der Luft. Auf der indonesischen Insel Java kamen zuletzt an einem einzigen Wochenende 378 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben.

Die autogerechte Stadt hat ihre Grenzen erreicht. Es muss gelingen, auf gleichem Raum mehr Menschen zu transportieren – schneller und komfortabler als heute.

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