Wachstum Die Architektur des Wohlstands

Die einen wollen ohne auskommen – die anderen brauchen es zum Überleben. Wie Familien in Deutschland, Südafrika, China und den USA über Reichtum und Verzicht denken. Vier Hausbesuche.

Norbert und Stefanie Schmedt Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

Irgendwann in diesen Monaten beschlich Norbert Schmedt zum ersten Mal das Gefühl, er beherrsche nicht mehr den Fortgang der Dinge in seiner Agentur, sondern der Fortgang der Dinge beherrsche ihn. Die Dynamik habe „eine gewisse Unumkehrbarkeit“ bekommen, sagt Schmedt, einige Jahresverträge laufen aus, neue Aufträge kommen rein, der Umsatz steigt, das Arbeitsvolumen wächst, also braucht er feste Mitarbeiter, und die wollen nicht nur heute bezahlt werden, sondern auch morgen noch beschäftigt sein – weshalb es jetzt vor allem darum geht, neue Aufträge an Land zu ziehen. „Keine Frage“, sagt Schmedt, „unser Wachstum hat sich verselbstständigt. Es lässt uns keine Wahl. Es lässt uns nur die Wahl, weiter zu wachsen.“

Norbert Schmedt nimmt sich vor, auf anständige Weise zu wachsen, aber ganz so leicht wie früher ist das nicht. Seit Ende der Neunzigerjahre produziert er den „Schrägstrich“, die Mitgliederzeitschrift der Grünen, anfangs allein, später mithilfe der ersten Mitarbeiterin. 2001 gründet er „Kompaktmedien“, ein paar Aufträge tröpfeln rein, viel tut sich nicht, drei Jahre später aber kommt der Durchbruch: Die Agentur gewinnt eine Ausschreibung des Familienministeriums, gestaltet und textet Internet-Portale, profiliert sich mit sozialpolitischen Themen, vergrößert sich, zieht um.

Wo die zufriedensten Menschen leben
Das Städteportal meinestadt.de hatte zur Umfrage gebeten. 11.000 Internetnutzer sollten ihre Stadt auf einer Skala von 1 („sehr attraktiv“) bis 5 („gar nicht attraktiv“) bewerten. Das Ergebnis: Sechs von zehn Deutschen fühlen sich in ihrer Stadt wohl und finden diese attraktiv zum Wohnen. Die Top 15 des Rankings: Quelle: dpa
20 Frauen und ein Mann posieren mit Herzluftballons vor dem Brandenburger Tor Quelle: dpa
Dortmunds players celebrate their opening goal during the German first division Bundesliga soccer match between 1. FC Nuremberg and Borussia Dortmund in Nuremberg Quelle: dapd
Spaziergänger vor dem illuminierten Brunnen am Wasserturm in Mannheim. Quelle: AP
Die "Affenskulptur" von Jörg Immendorff steht auf dem Bahnhofsvorplatz in Bremen. Quelle: dpa
Zwei Besucher des Goetheturms im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen genießen die Aussicht auf die Frankfurter Skyline Quelle: dpa/dpaweb
Kulisse des Nürnberger Christkindlesmarkt. Quelle: dapd
Ein Schiff fährt vor dem rotblau eingefärbten Abendhimmel am Kölner Dom den Rhein hinauf Quelle: dpa/dpaweb
Passanten gehen über die Königsallee in Düsseldorf Quelle: dpa/dpaweb
Absolventen der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn werfen auf der Bonner Hofgartenwiese ihre Barette in die Luft. Quelle: dpa
in Containerschiff verlässt in Hamburg voll beladen den Waltershoferhafen Quelle: dpa
Fans des UEFA Champions League Finalisten FC Bayern Muenchen feiern den Gewinn von Deutscher Meisterschaft und DFB-Pokal auf dem Marienplatz vor dem Rathaus Quelle: APN
Ansicht des Neuen Schlosses in Stuttgart Quelle: dpa
Die Dresdner Semperoper Quelle: dpa/dpaweb

Um gute Mitarbeiter muss Schmedt sich nicht mühen. Er hat einen Ruf als Sozialunternehmer, seine acht, neun Beschäftigten, darunter viele Frauen mit Kleinkindern, können 20, 30 oder 40 Stunden arbeiten, verteilt auf drei, vier oder fünf Tage, als Angestellte oder Freiberufler, ganz wie sie wollen. Die Fluktuation in der Agentur ist gering, die Teamtreue groß, die Stimmung blendend. Nach 19 Uhr will Schmedt niemanden mehr in der Firma sehen.

Bis „Kompaktmedien“ vor einigen Monaten zum zweiten Mal den Zuschlag erhält, das „Wissenschaftsjahr“ mit auszurichten. Es ist ein Auftrag, der viel Geld einbringt, reichlich Personal bindet – und die Prioritäten verschiebt. „Nachhaltigkeit“ ist das Thema des Wissenschaftsjahrs 2012 – ausgerechnet; Schmedt selbst muss darüber schmunzeln. Früher, sagt er, sei es ihm vor allem darum gegangen, gute Produkte abzuliefern und sich von niemanden abhängig zu machen.

Heute gehe es vor allem darum, geschäftlich erfolgreich zu sein und den Fortbestand der Agentur zu sichern: „Ich kann nicht mehr immer nur nett sein.“ Kompaktmedien habe einen kleinen Gipfel erklommen; was jetzt folge, sei ungewiss. „Es wäre schön, wenn wir uns in eine Hochebene hineinbewegen, denn ich spüre, dass bei unserem Wachstum viel auf der Strecke bleibt. Aber ich fürchte, wir müssen hinauf auf den nächsten Gipfel.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%