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Weltwasserforum Milliarden sitzen auf dem Trockenen

Für uns ist Wasser ein alltägliches Gut. Doch ein Bericht der Vereinten Nationen warnt davor, dass sich das bald ändern könnte. Weshalb auch Europa vom Wassermangel bedroht ist.

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Francois Fillon Quelle: REUTERS

„Milliarden von Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser“, sagte der französische Premierminister Francois Fillon heute bei der Eröffnung des Weltwasserforums in Marseille. Jedes Jahr verloren Millionen deshalb ihr Leben. „Das ist eine nicht hinnehmbare Situation“, so Fillon weiter.

Tatsächlich diskutieren Politiker, Wissenschaftler und Lobbyisten in dieser Woche zum sechsten Mal über den Umgang mit der knappen Ressource, seit das Weltwasserforum 1997 ins Leben gerufen wurde. Doch getan hat sich seitdem nicht viel.

Trinkwassermenge sinkt

Dabei sind die Probleme bestens bekannt: Die Nachfrage nach Wasser steigt, weil die Bevölkerung der Erde wächst. Damit Landwirte bis 2050 genügend Nahrung für die Erdbevölkerung produzieren können, werden 70 Prozent mehr Wasser benötigt. Das geht aus dem Weltwasserentwicklungsbericht der Vereinten Nationen hervor, der heute in Marseille vorgestellt wurde. Der wachsende Fleischhunger, der zunehmende Energiebedarf und die Industrialisierung verschärfen die Situation zusätzlich.

Zugleich sinkt durch die Klimaerwärmung die Menge an verfügbarem Trinkwasser. Derzeit ist davon vor allem der afrikanische Kontinent betroffen, auf dem lediglich 60 Prozent der Menschen sauberes Wasser trinken können. Doch die Vereinten Nationen warnen davor, dass in Zukunft auch in Europa das Wasser knapp werden könnte: Aus dem Wasserentwicklungsbericht geht hervor, dass schon heute 120 Millionen Menschen auf dem europäischen Kontinent keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.

Wasserknappheit in Europa

Ausgetrockneter Po Quelle: dpa

Und laut einer Prognose des Weltklimarats werden im Jahr 2070 insgesamt 44 Millionen Europäer vom Wassermangel betroffen sein. Dann könnten die Flüsse in Zentral- und Südeuropa bis zu 80 Prozent weniger Wasser führen; auch Kraftwerke könnten deshalb auf dem Trockenen liegen.

„Auch wenn in Deutschland und Westeuropa die Situation derzeit weitgehend entspannt ist, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns bereits mitten in einer globalen Wasserkrise befinden“, warnt Martin Geiger vom World Wide Fund for Nature (WWF). Seine Organisation zählt seit der Jahrtausendwende weltweit über 50 gewaltsame Konflikte, bei denen es um die Wassernutzung ging. Denn gerade in Grenzregionen ist häufig ist völlig ungeklärt, wem die Verwendung von Wasserflächen zusteht.

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Lobbyveranstaltung der Wasserwirtschaft

Deshalb fordert der WWF die Delegierten des Wasserforums dazu auf, ihre Regierungen zur Unterzeichnung der UN-Fluss-Konvention zu bewegen. Sie soll ein partnerschaftliches, zwischenstaatliches Management für Flüsse und Seen ermöglichen, die Ländergrenzen überschreiten. Dass auch EU-Staaten wie Österreich, Großbritannien oder Dänemark die Konvention noch nicht unterzeichnet hätten, sei eine Blamage, so der WWF.

Die globalisierungskritische Organisation Attac ging mit ihrer Kritik einen Schritt weiter: Das Weltwasserforum sei „eine große Lobbyveranstaltung der Wasser- und Energiewirtschaft“ und diene vor allem als Kontaktbörse zwischen Regierungen und den globalen Wasserkonzernen.

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