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Werner knallhart

Labor-Fleisch: Verschläft Deutschland das nächste große Ding?

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Das sagen die größten deutschen Fleischproduzenten

Start-ups wie Supermeat aus Israel haben es mittlerweile aufgegeben, als erstes die perfekte Hühnerbrust im Labor zu züchten. Denn es hakte noch an der Festigkeit und der Struktur. So liegt der Schwerpunkt Forschung nun erstmal nicht auf dem perfekten Filet, sondern auf Fleischmasse wie Hack oder Brät - für Frikadellen, Wurst und Pasteten. Noch nicht rundum perfekt. Aber Kinners, sie forschen!
Und in Deutschland? Das sagen die größten deutschen Fleischproduzenten auf Anfrage der WirtschaftsWoche:

Westfleisch

„Wir engagieren uns nicht im Bereich Laborfleisch. Seit über 90 Jahren versorgt Westfleisch Menschen mit Lebensmitteln höchster Güte. (…) Ohne eine funktionierende Landwirtschaft gibt es keine intakte Landschaft.“
Mit anderen Worten: Was seit fast einem Jahrhundert gut war, muss logischerweise auch in Zukunft gut sein. Zuviel Innovation ist schlecht für die Gegend.

Kaufland Fleischwaren

„Wir gehen davon aus, dass 'Clean Meat' auch in Deutschland an Bedeutung gewinnen wird. Kaufland wird sich diesem Thema nicht verschließen und beobachtet die Entwicklung sowohl der Forschung als auch der Verbraucherakzeptanz.“
Heißt: Ma gucken. Die Anderen mutig machen lassen.

Tönnies

„Auf Grundlage einer weiteren Entwicklung kann Clean Meat möglicherweise zu einer Ergänzung des natürlich gewonnen Fleisches werden. Hierfür ist allerdings noch technischer Fortschritt notwendig.
(…) Die natürliche Erzeugung von Fleisch, als wertvollstes Lebensmittel, wird in Deutschland und der Welt dauerhaft vorhanden sein.“
Will heißen: „Natürliches“ Fleisch (also geschnitten aus hochgezüchteten Tierkörpern aus Massentierhaltung) geht vor. Man spürt regelrecht die Befürchtung, Neues könnte das Alte ruinieren. Aber wäre es dann nicht schlau, mit voller Kraft das Neue mitzugestalten?

Wiesenhof (PHW)

So, suchen Sie sich bitte festen Halt, bei den Hühnerzüchtern tut sich was!

„Wir haben uns in 2017 intensiv mit verschiedenen Start-ups, die Cultured Meat entwickeln wollen, beschäftigt. Nach einem aufwendigen Due-Diligence-Prozess (sorgfältige Prüfung, Anm.) haben wir uns dann für das israelische Start-up SuperMeat entschieden. (…) Die Wissenschaftler wollen binnen drei bis fünf Jahren marktfähige Produkte vorweisen. Sobald Produkte verfügbar sind, wollen wir natürlich auch so schnell wie möglich nicht nur unser ganzes Know-how in der Logistik und Produktion von Convenience- und veganen Produkten, sondern vor allem auch unser breites Vertriebsnetzwerk nutzen, um den Start von SuperMeat auf dem deutschen wie europäischen Markt zu beflügeln.

(…) In-vitro-Fleisch wird anfangs sicherlich erst eine Nische sein, aber es gibt durchaus eine Zielgruppe, die sagt: Klasse, ich kann weiter Fleisch essen, aber dafür muss kein Tier sterben.“

Eine Fleischfirma, die „sterben“ sagt. Das alleine ist schon preiswürdig. Unter allen vier angefragt Firmen ist Wiesenhof die einzige, die mit Verve und klarem Bekenntnis zu mehr Tierwohl nach vorne prescht. Die anderen pennen wohlgenährt im Hier und Jetzt, lassen andere vor und nennen es „natürlich“.

Wenn der Niedergang der deutschen Fleischindustrie nicht irgendwann mal unter der Überschrift „German Gemütlichkeit“ aufgelistet sein wird - als trauriges Beispiel für unsere Angst vor Neuem, die uns in die zweite Liga der Industriestaaten hat abstürzen lassen.

Anfang/Mitte der 20er-Jahre dürfte es langsam losgehen mit „Clean Meat“, schätzen Forscher und Produzenten. Mit oder ohne uns - das Land der Würstchen. Mensch, wir wären doch so prädestiniert dafür.

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