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Werner knallhart

Wir sind zu blöd für das Mindesthaltbarkeitsdatum

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Ersatz für das Mindesthaltbarkeitsdatum

Mit 43 Prozent ist das abgelaufene Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) einer der wichtigsten Gründe, warum wir Essen wegwerfen.

Laut einer Umfrage der Europäischen Kommission denken nur 51 Prozent der Deutschen, dass man Lebensmittel nach dem Ablauf des MHD noch essen kann, wenn auch unter Umständen mit eingeschränkter Qualität. Muss ich hier noch feststellen, dass damit 49 Prozent von uns irren?

Wiederum 42 Prozent denken, dass man Lebensmittel nach Ablauf des Verfalls-Datums (ungleich MHD) tatsächlich noch essen kann. Dabei kann rohes Fleisch oder geräucherter Fisch danach echt gefährlich ungesund werden.

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    Und weil es uns gesamtheitlich nicht beizubringen ist, wie das geht mit dem MHD, soll es jetzt weg. Stattdessen soll folgendes kommen:

    1. Essen, dass nicht verdirbt, wie Salz, Nudeln oder Zucker, bekommt ein Herstellungsdatum und kein MHD mehr.

    2. Verderbliche Produkte bekommen kein MHD mehr, sondern eine Art Information, was ab einem bestimmten Datum bei dem Produkt dran sein kann.

    3. Produkte, die gesundheitsschädlich werden, wenn sie verderben, wie rohes Fleisch, bekommen ein Verfallsdatum, nach dem man sie nicht mehr essen soll.

    4. Wo technisch möglich und finanziell vertretbar, sollen Verpackungen mit chemischen oder elektronischen Etiketten das Lebensmittel überwachen und den Verbraucher warnen.

    Kann man alles so machen. Wenn man das durchkriegt. Die Lebensmittelindustrie wird an all dem zumindest kein Interesse haben. Zu früh weggeworfene Lebensmittel müssen schließlich vom Verbraucher nachgekauft werden. Warum sonst setzen etwa die Molkereien in Eigenregie auf MHDs, die einen Joghurt verdammen, Monate bevor er wirklich verdirbt? Ich habe vor ein paar Tagen einen verschollenen Vanillejoghurt im Büro-Kühlschrank gefunden, der war im November abgelaufen und schmeckte noch wunderbar.

    Aber je früher ein Produkt seine zugesicherten Eigenschaften nicht mehr haben muss, nämlich nach Ablauf des MHD, desto komfortabler ist das für Hersteller und Handel. Wann ist schon mal ein richtig gelagertes Produkt vor Ablauf des MHD vergammelt?

    Dazu kommt: Ein Großteil der weggeworfenen Lebensmittel sind loses Brot, Obst und Gemüse. Also Lebensmittel ganz ohne MHD und Verfallsdatum.

    Und: Verpackungen mit eingebauten Chips machen gelben Müll zu Elektroschrott.

    Wenn es um die Wurst geht, ist guter Rat teuer
    Fleischkonsum Quelle: dpa
    Tierhaltung Quelle: dpa
    Soja Quelle: dpa
    Grundwasser Quelle: AP
    Amazonasgebiet Quelle: REUTERS
    Bioland Quelle: dpa
    Ökologische und tiergerechte Landwirtschaft Quelle: dpa/dpaweb

    Es gibt daher nur eine effiziente Möglichkeit, ab sofort durchschnittlich 235 Euro pro Jahr zu sparen: Indem wir beim Einkaufen einfach die Vernunft einschalten und genau so viel in den Einkaufswagen legen, wie wir schaffen aufzuessen und auszutrinken, bevor es schlecht wird.

    Dass eine Banane im Rucksack verfault, kann ja mal passieren. Wer aber so einkauft, dass er ständig die tagelang geöffnete Milch nicht austrinkt, bevor sie sauer wird. Oder Kartoffeln in derartigen Mengen vorhält, bis sie im Gemüsefach des Kühlschranks anfangen in ihrer eigenen Siffe zu keimen, der hat es finanziell offenbar so dicke, dass er es auch mühelos bewältigen kann, wenn das Bier um die Ecke 30 Cent teurer wird. Schließlich wirft er diesen Preisanstieg durchschnittlich 783 mal freiwillig in den Müll.

    Hach, uns geht es offenbar einfach wunderbar. Im Durchschnitt.

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