Werner knallhart

Greenpeace plädiert für massenhafte Tötung von Karpfen

Welchen Fisch darf man bedenkenlos essen? Greenpeace hat dazu wieder eine Übersicht zu jedem handelsüblichen Speisefisch erstellt. Ergebnis: keinen. Außer einem, der nicht schmeckt. Wollen die uns verarschen?

Welche Fische auf den Teller dürfen
Fische Quelle: dpa
Greenpeace Fisch-Einkaufsratgeber Quelle: dpa
Greenpeace Fisch-Einkaufsratgeber Quelle: dpa
Fischzucht Forellen und Störe Quelle: dpa/dpaweb
lachs Quelle: AP
Karpfen Quelle: AP
Dorade Quelle: dpa
Barsche Quelle: dpa
Forelle Quelle: dpa
Hering Quelle: dpa/dpaweb
Lachs Quelle: AP
Makrele Quelle: AP
Marlin Quelle: AP
Miesmuscheln Quelle: AP
ScholleSo richtig soll man auch diesen Fisch nicht essen. Denn wer Scholle aus dem Wildfang serviert, der setzt laut Greenpeace ebenfalls nicht auf nachhaltige Lebensmittel. Eine kleine Empfehlung gibt es nur für die Pazifische Scholle, die mit Grund-Langleinen oder Snurrewaden und Ankerwaden aus den Gewässern Nordostpazifik, Beringsee oder Golf von Alaska gezogen wird. Quelle: dpa
Schwertfisch Quelle: dpa
Shrimps/Garnelen/Scampi Quelle: AP
Thunfisch Quelle: dpa
Tintenfisch Quelle: REUTERS
Zander Quelle: dpa/dpaweb

Stellen Sie sich mal einen Berlin-Reiseführer vor, der zu folgender Quintessenz kommt:

1. Brandenburger Tor: überbewerteter Touristenmagnet im Spionage-Zentrum der Amerikaner und Briten

2. Potsdamer Platz: auf dem Reißbrett entworfene Retortenstadt. Der Todesstreifen hatte mehr Esprit

3. KaDeWe: Pseudo-Schick für fette Neureiche aus östlichen Schwellenländern

4. Mitte: Hier verwahrlost die Jugend mit MacBook auf dem Schoß

5. Fernsehturm auf dem Alexanderplatz: die Aussicht von oben macht das ganze Elend in seinem Ausmaß erst erfassbar

Würden Sie nach der Lektüre auf eine Reise nach Berlin verzichten oder einfach einen anderen Reiseführer kaufen? Ich würde Berlin trotzdem besuchen. Und deshalb esse ich auch noch Fisch.

Obwohl Greenpeace dringend davon abrät. Im aktuellen Fischratgeber 2014 hat die Organisation 46 gängige Speisefische bewertet. Welche darf man ohne schlechtes Gewissen genießen? Antwort: keinen einzigen. Entweder wegen Überfischung, wegen zerstörerischer Fangmethoden, wegen zu viel Beifang, der halbtot ins Meer zurück gekippt wird, oder schlicht, weil die Fischerei illegal ist. Ergebnis: 45 darf man nicht ohne Bedenken essen. Und einen darf man zwar sehr wohl ohne Bedenken essen, kann ihn aber eben nicht genießen. Weil er nicht schmeckt. Der Karpfen. Ausgerechnet der Karpfen. Und gerade der Karpfen.

Sein Bestand ist wohl deshalb nicht gefährdet, weil ihn kaum einer mag. Man würgt ihn sich doch höchstens aus Tradition an Weihnachten oder Silvester rein.

Viele Feinschmecker halten den Karpfen für einen geschmacklosen Fisch, oder noch schlimmer: für einen schlammig modrig schmeckenden Fisch, durchzogen von außergewöhnlich vielen Gräten. Mmmmm! Muffig lehmigen Matsch im Mund, den man nicht wegschlucken kann, weil es in ihm nur so vor feinen Nadeln wimmelt.

Diesen Fisch dürfen wir also ohne Hemmungen essen. Die schmackhaften Arten aber unter keinen Umständen. Keine Makrele! Keine Seezunge! Keinen Alaska-Seelachs! Keinen Aal! Keinen Rotbarsch! Keinen Red Snapper! Keinen Steinbeißer! Niemals und weltweit ohne Ausnahmen!

Andere Fisch-Arten wiederum sind offenbar nur erlaubt, wenn die Tiere dem Angler persönlich bekannt waren: Kabeljau ist laut Greenpeace nur erlaubt, wenn er aus dem Nordost-Atlantik (Fanggebiet FAO 27) stammt, aber nur aus dem Sub-Fanggebiet Barentssee und nur, wenn er mit der Langleine gefangen wurde.

Sagen Sie das mal Ihrer freundlichen Fischverkäuferin bei Kaisers. Ich habe das gestern mal getan:

"Haben Sie Lachs aus dem Nordwestpazifik, Fanggebiet 61 oder aus dem Nordostpazifik Fangebiet 67?"

"Ouh, Pazifik weiß ich jetzt nicht. Ich weiß nur, dass der aus Norwegen kommt."

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