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Werner knallhart

Lebensmittel-Verschwendung: Werden Sie Kühlschrank-Manager

Wir schmeißen in Deutschland jedes Jahr pro Kopf durchschnittlich 235 Euro an Lebensmitteln in den Müll. Weil wir nicht in der Lage sind, unseren Kühlschrank unter Kontrolle zu halten. Aber Reste essen kann man lernen.

Lebensmittel liegen in einer Bio-Mülltonne Quelle: dpa

Essen wegschmeißen wie Gott in Frankreich: Jeder Franzose wirft zu Hause im Schnitt pro Jahr rund 30 Kilo Lebensmittel weg. Und weil die Regierung sich vorgenommen hat, die Verschwendung von Essen in Frankreich generell zu halbieren, dürfen Supermärkte übriggebliebenes Essbares nicht mehr einfach wegwerfen oder systematisch ungenießbar machen, sondern müssen es spenden oder etwa als Tierfutter zur Verfügung stellen.

In Deutschland geht das anders. Hierzulande sind es über 80 Kilo (in Worten: über achtzig), die wir pro Kopf und Jahr in die Tonne kloppen. Gut, das können wir uns leisten, denn unsere Lebensmittel sind billiger als die in Frankreich. Aber das zeigt auch: billig macht verschwenderisch.

So essen die Deutschen am liebsten
FleischDie Deutschen lieben Fleisch. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Bundesagrarministers Christian Schmidt (CSU) kommen bei vier von fünf Deutschen (83 Prozent) Fleisch und Wurst mehrmals in der Woche auf den Tisch. Quelle: AP
GeschlechtsunterschiedeBesonders Männer und Bürger aus den neuen Bundesländern bestehen auf ihr tägliches Schinkenbrötchen und ihr Schnitzel. Insgesamt ernähren sich Frauen gesünder als Männer. Schmidt sprach insgesamt von einem „eigentlich ziemlich guten Befund“. Gemeinsam mit Forsa-Chef Manfred Güllner bescheinigte der Minister den Deutschen bei ihrem Ess- und Konsumverhalten die Note 2 bis 3. Das Klassenziel sei erreicht, einige Werte müssten aber noch verbessert werden. Quelle: Fotolia
PastaLaut dem Ernährungsreport 2016 ist das Lieblingsgericht der Deutschen aber nicht Wurst oder Steak, sondern Pasta. Die dann vermutlich mit Hackfleischsauce. 35 Prozent nennen Spaghetti, Spätzle & Co als Lieblingsgericht. Quelle: AP
LieblingsessenWeitere Lieblingsgerichte nach Nudeln sind Gemüse- und Kartoffelgerichte (18 Prozent) sowie Fischgerichte (16). Salat bezeichneten 15 Prozent als ihre Leibspeise, das Schnitzel nannten nur elf Prozent. Quelle: dpa
Vegetarier und VeganerNur drei Prozent der Deutschen verzichten ganz auf Fleisch und Wurst. Nur sechs Prozent der Frauen und lediglich ein Prozent der Männer geben an, nie Fleisch oder Wurst zu essen, wie aus von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) vorgelegten „Ernährungsreport 2016“ hervorgeht. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Bio-LebensmittelIm Trend liegen eine artgerechte Tierhaltung sowie Regionales: Fast alle Befragten wären bereit, für Fleisch aus tiergerechter Haltung mehr zu zahlen. 86 Prozent der Verbraucher sind für ein besseres Einkommen der Landwirte. Etwas mehr als drei Viertel legen zudem Wert darauf, dass die Lebensmittel aus der Region kommen. Quelle: dpa
EinkaufenTrotz steigenden Angebots nutzt laut der Umfrage bisher kaum jemand (durchschnittlich weniger als 1 Prozent) die Möglichkeit, Lebensmittel im Internet zu bestellen und sich diese nach Hause liefern zu lassen. Aber jeder Fünfte nutzt das Smartphone und „googelt“ beim Einkauf. Trotzdem fühle sich aber auch fast ein Viertel der Befragten (24 Prozent) weniger gut bis schlecht informiert über die Lebensmittel, die sie kaufen. Quelle: dpa

Und was macht unsere Regierung? Nichts dergleichen. Man setzt auf den mündigen Verbraucher. Mit anderen Worten: Man will der Einzelhandelslobby und den Lebensmittelkonzernen nicht rein quatschen. Nicht vergessen: Der Bundesernährungsminister, das ist der, na, wie heißt er, der Dings von der Union der Sozialen Christen, der den Geflügelbauern auch nicht reinquatschen will, wenn es um das millionenfache Schreddern von männlichen Küken geht. Er wartet offiziell darauf, dass die Wissenschaft Fortschritte macht. Bis irgendwann der Schredder nicht mehr notwendig ist. Ich stelle mir den Mann gerade vor, wie er vor dem Schredder steht, in den Tausende von gelben, ahnungslos piepsenden, flauschigen Küken vom Fließband hinein plumpsen und dann unten als blutige Pampe heraus spritzen. Und wie der Minister sich dann denkt: "Ach, gut Ding will Weile haben".

Deutsche müssen zur Vernunft kommen

Einfach warten, bis die Welt besser wird. Wer so regiert wird, der muss selber aktiv werden. Wir Verbraucher müssen eben ungesteuert zur Vernunft kommen. Dazu als Grundlage ein paar Fakten:

Wenn wir immer mal wieder hier und da den angedätschten Apfel, den angebrochenen Quark und das halbe Glas mit der Tomatensoße wegschmeißen, tragen wir dazu bei, dass wertvolle Ressourcen verschwendet werden. Es gibt eine Seite im Internet, die heißt: zugutfuerdietonne.de

Da kommt selbst das Ernährungsministerium zur Erkenntnis: "wertvoller Ackerboden, Wasser und Dünger, Energie für Ernte, Verarbeitung und Transport – jedes Lebensmittel braucht für seine Herstellung kostbare Ressourcen.… 700 l Wasser, bis ein Kilo Äpfel geerntet ist. 1000 l Wasser sind es, bis 1 kg Brot entstanden ist. Für 1 kg Käse sind es 5000 l. Für die gleiche Menge Rindfleisch sogar über 15.000 l."

Dazu kommt der Transport der frischen Lebensmittel und der Transport der weggeworfenen Lebensmitteln. Die Umverpackungen, die obendrein recycelt oder verbrannt werden müssen. Tausende von Hühnern, Schweinen, Puten, Kühen, Fischen, Muscheln, Shrimps, Hasen und sogar die kleinen niedlichen Weinbergschnecken, die alle gestorben sind, damit wir sie anschließend wegschmeißen.

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