Windenergie Die Kontroverse um Offshore

Verbraucherschützer fordern den Ausstieg aus dem Bau von Meeres-Windparks. Doch eine aktuelle Studie zeigt, dass dies ein voreiliger Schritt sein könnte.

Energiewende: Woher kommt der Strom 2020?
Braunkohlekraftwerk Garzweiler Quelle: dapd
Windkraft Quelle: dapd
Geothermie Quelle: dpa
Biomasse Quelle: dpa
Wasserkraft Quelle: APN
Solarkraft Quelle: dpa
Stromleitungen Quelle: dpa

Verbraucherschützer fordern wegen der ausufernden Kosten den Ausstieg aus dem Bau von Meeres-Windparks in Nord- und Ostsee. Bundesumweltminister Peter Altmaier hingegen hält am erklärten Ziel von 25 Gigawatt (GW) bis 2030 fest – und erhält dafür Unterstützung von  der Unternehmensberatung Roland Berger.

In einer Offshore-Studie, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt, schätzen Deutschlands führende Berater zwar, dass der Seestrom mit neun Cent je Kilowattstunde (kWh) auch 2020 noch drei bis fünf Cent je kWh über den heutigen Erzeugungskosten in Gas- oder Braunkohlekraftwerken liegt. Momentan kostet die Offshore-Stromgewinnung zwischen elf und 18 Cent. Erst gegen 2030 sehen ihre Experten die Parität erreicht. Dennoch plädieren sie dafür, an den Ausbauplänen festzuhalten.

Die Energiewende und der Sand im Getriebe

Ihre Begründung: Wegen der günstigen Windverhältnisse auf der Nordsee lieferten die Anlagen rund die Hälfte eines Jahres zuverlässig Strom – Windräder an Land laufen im Durchschnitt nur ein Drittel des Jahres mit voller Kraft. Für Berger-Windfachmann Marcus Weber ist daher klar: „Ohne Offshore sind die Ziele der Energiewende in Deutschland nur schwer zu erreichen.“

Außerdem sei die Stromproduktion Offshore immer noch eine sehr junge Technologie, die laut Studie langfristig das Potenzial habe ihre Kosten stark zu reduzieren. Eine Voraussetzung dafür sei der Ausbau der Netze, der eine Grundlage dafür bildet, dass der Strom von der Küste ins Inland gelangen kann. Insgesamt dauert die Umsetzung eines Offshore-Projektes etwa sieben bis zehn Jahre ehe die eigentlich Stromproduktion beginnen kann, rechnet die Unternehmensberatung vor.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Die Politik, so Marcus Webers Forderung, dürfe die Rahmenbedingungen für die Förderung der Meeres-Anlagen daher nicht unentwegt in Frage stellen. „Die Branche braucht eindeutige und stabile Vorgaben. Ein Schlingerkurs ist nicht hilfreich und gefährdet die weitere Entwicklung der Windbranche.“

Der Energieexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel, bezeichnet die Offshore-Projekte dagegen als „ökonomische und technologische Irrläufer“. Nach seinen Berechnungen verteuert sich die Kilowattstunde wegen der Förderkosten bei einem Ausbau bis 2022 auf rund 14 Gigawatt um rund zwei Cent. Seine Schlussfolgerung: „Wir sollten damit zumindest warten, bis die Kosten deutlich gesunken sind.“

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%