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Wissenschaft Forscher erwecken Blume aus der Eiszeit zum Leben

Unspektakulär ragt das im Winter blütenlose Leimkraut Silene Stenophylla aus den Plastikkübeln. Es ist es eine Sensation. Über 30.000 Jahre alt soll die Pflanze sein, die russische Biologen wieder zum Leben erweckten.

Die vielleicht älteste Pflanze der Welt steht im Institut für Zellbiophysik im russischen Puschtschino, etwa 120 Kilometer südlich von Moskau, berichtet die Zeit in ihrer aktuellen Ausgabe. Nach Angaben der russischen Wissenschaftler ist das Silene Stenophylla ein lebendes Relikt aus der Eiszeit, das sie aus dem unreifen Fruchtgewebe von Samen, die über 30.000 Jahre alt sind, herangezogen wurden, wie die Zeit schreibt. Bislang war die Dattelpalme die älteste Pflanze der Welt. Sie war in einer Festung in Israel entdeckt wurden und wuchs aus einem 2.000 Jahre alten Kern heraus.

Erdhörnchen aus der Eiszeit, die in der Wissenschaft bislang zu wenig Aufmerksamkeit bekamen, haben die Samen in Nestern angelegt, der Permafrost hat sie konserviert. Um zu überleben, horteten die Tiere, die gemeinsam mit Mammuts lebten, alles, was sie brauchten. Da sie ihre Nester nah am Permafrost bauten, konnten sie ihre Vorräte, wie Blätter, Samen und Früchte, auch im arktischen Sommer kühl halten. Viele prall gefüllte Nester blieben zurück, wurden von Ablagerungen verschlossen. Im Dauerfrost konnte kein Wasser in die Vorratskammern eindringen, wie die Zeit schreibt.

Spannende Entdeckungen
Higgs-Boson entdecktAuch wenn Physiker den Begriff "Gottesteilchen" nicht gerne hören, das Elementarteilchen Higgs-Boson ist von derart fundamentaler Bedeutung für die Physik, dass sich der Spitzname letztlich durchgesetzt hat. Der Nachweis dieses lange vorhergesagten Grundbausteins im Standardmodell der Teilchenphysik gelang Wissenschaftlern des europäischen Kernforschungszentrums CERN. Die Redaktion von "Science" sieht in dieser Entdeckung den wichtigsten Forschungsdurchbruch des Jahres 2012 - auch wenn die beteiligten Forscher noch nicht hundertprozentig sicher sind, dass ihr Fund tatsächlich das lang gesuchte Gottesteilchen ist. Mehr zur Entdeckung des Higgs-Bosons finden Sie hier. Quelle: dpa
Genom des Denisova-Menschen entschlüsseltViel ist es nicht, was Wissenschaftler bislang vom Denisova-Menschen gefunden haben, der nach dieser Höhle in Sibirien benannt wurde: Ein Stück Finger, ein Stück Zeh, ein Backenzahn - mehr ist von dieser vor 40.000 Jahren lebenden Urmenschen-Spezies bislang nicht entdeckt worden. Immerhin genug Material, um Forschern des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig eine umfassende Erbgutanalyse zu ermöglichen. Sie belegt, dass sich die Entwicklungslinien von Denisova- und modernem Menschen vor spätestens 780.000 Jahren getrennt haben müssen - viel früher als etwa beim Neandertaler, dessen Entwicklungslinie sich spätestens vor 320.000 Jahren von der unseren abspaltete. Mehr zum Denisova-Menschen finden Sie hier. Quelle: Presse
Fruchtbare Eizellen aus Stammzellen gewonnenDieser Schnappschuss einer Maus mit Nachwuchs markiert ein weiteres Forschungs-Highlight 2012. Japanischen Wissenschaftlern ist es gelungen, bestimmte Gene in Mäuse-Stammzellen so zu aktivieren, dass sie sich zu Vorstufen von Eizellen verwandelten. Mäuse, denen diese künstlichen Geschlechtszellen eingepflanzt wurden, brachten gesunden Nachwuchs zur Welt. Mehr zu dieser Entdeckung finden Sie hier. Quelle: dpa
Der "Himmelskran" des Marsrovers CuriosityDank der gut geölten PR-Maschine der US-Weltraumbehörde Nasa ist die Mission des Marsrovers Curiosity weit über die Grenzen der Wissenschaft hinaus bekannt geworden. Auch den "Science"-Redakteuren war die erfolgreiche Landung auf dem Roten Planeten eine Auszeichnung wert: Sie kürten Curiositys Landeshilfe, den "SkyCrane" zu einem Forschungs-Highlight 2012. An den Seilen dieses Himmelskrans wurde Curiosity in der letzten Phase der Landung langsam auf den Marsboden niedergelassen. Die aufwendige Technik war nötig, weil der Rover zu schwer gewesen wäre, um einen Aufprall mit dem sonst üblichen Schutz durch Airbags heil zu überstehen. Mehr über die Mission Curiosity finden Sie hier. Quelle: dpa
Röntgenlaser liefert Waffe gegen die Schlafkrankheit60 Millionen Menschen sind - vor allem im südlichen Afrika - von der gefährlichen Schlafkrankheit bedroht. Ein Protein des Erregers Trypanosoma brucei könnte als Waffe zu einer erfolgreichen Bekämpfung der Krankheit dienen. Doch dazu musste zunächst die molekulare Struktur des Proteins mit hoher Genauigkeit entschlüsselt werden. Mit dem stärksten Röntgenlaser der Welt am US-Forschungszentrum SLAC in Kalifornien ist deutschen Forschern dies gelungen. Quelle: Presse
Gene leichter abschaltenUm zu untersuchen, wie unser Erbgut funktioniert, nutzen Wissenschaftler Techniken, mit denen sich einzelne Gene gezielt abschalten lassen. Ein neues und deutlich einfacheres Verfahren für diesen "Gen-Knockout" haben Bonner Forscher entwickelt. TALENS (Transcription activator-like effector nucleases) heißt die Technik, die von der Science-Redaktion als ein Forschungs-Highlight 2012 gewürdigt wurde. Quelle: Presse
Majorana-Fermion nachgewiesenNein, mit der bekannten Gewürzpflanze hat das Majorana-Fermion nichts zu tun. Seinen Namen verdankt dieses Elementarteilchen dem italienischen Physiker Ettore Majorana (1906-1938), der seine Existenz schon 1937 voraussagte. Doch erst 2012 veröffentlichten niederländische Wissenschaftler eine Untersuchung, welche die Existenz des Majorana-Fermions - dem eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Quantencomputern zukommen könnte - definitiv bestätigte. Quelle: Presse

15 Jahre lange habe Swetlana Jaschina, vom Institut für Zellbiophysik, versucht die mitgebrachten Pflanzensamen zum Leben erwachen, manchmal auch, weil es nach einem Umzug keinen passenden, kühlen Ort mehr gab. Ein Nest, das einer der Forscher vor rund zehn Jahren aus der Region Duvanny Jar vom Ufer des Flusses Kolyma mitbrachte, war voll mit dunklen Leimkrautsamen und daraus gelang es den Forschern, das Leimkraut wieder zum Blühen zubringen und es Samen produzieren zu lassen. Sie identifizierten sie als Silene stenophylla, die zur Gattung der Nelkengewächse gehört. Eine ähnliche Art blüht heute noch in der Tundra: Sie unterscheiden sich nur durch die weißen Blütenblätter, die bei der nun gezüchteten Pflanze länger und schmaler sind und weniger tiefe Furchen aufweisen. Außerdem bildete die Urzeitpflanze nur weibliche Blüten, während die jüngeren Pflanzen zweigeschlechtliche Blüten haben.

Das Alter von insgesamt 31.800 Jahren bestimmten die russischen Forscher mit der Radiokarbonmethode. Der Versuch, die Pflanze aus reifen Samenkörnern wachsen zu lassen, misslang, schreibt die Zeit. Erst im zweiten Anlauf und nach der Kultivierung von Teilen des Fruchtkörpers von drei unreifen Samenkörnern im Reagenzglas, glückte es. Es gelang insgesamt 36 Pflanzen zum Keimen zubringen. Zwei Jahre später seien erstmals Blüten zum Vorschein gekommen und schließlich produzierte das Leimkraut sogar selbst Samen.

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Anerkennung für ihre Forschung bekamen die Wissenschaftler lange nicht, viele englischsprachige Fachjournale lehnten ab, weil sie ihnen nicht glaubten. Erst als sich der Wissenschaftler David Gilichinski um die internationale Veröffentlichung kümmerte, wurde die Fachwelt darauf aufmerksam. Doch auch dann konnten die Wissenschaftlicher Ruhm und den Rummel nicht genießen. Gilichinski starb wenige Tage nach der Veröffentlichung im US-Fachmagazin PNAS.

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