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Wüstenstromprojekt "Desertec ist keineswegs gescheitert"

Gerhard Knies, Hamburger Physiker und geistiger Vater von Desertec, erklärt im Interview, warum die Menschheit das Wüstenstromprojekt nötiger denn je braucht. 

Quelle: dpa Picture-Alliance

Sauberer Strom aus der Wüste Nordafrikas für Europa: Das war die Idee hinter Desertec. Doch fünf Jahre nach der Vision, steht das Projekt offenbar vor dem Aus. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, droht der Desertec Industrial Initiative (Dii) binnen Jahresfrist die Abwicklung. Am Montag treffen sich die Gesellschafter, darunter Größen wie die Deutsche Bank, Munich Re oder der Schweizerische ABB-Konzern, um über die Zukunft der Dii zu entscheiden. Der Namensgeber des Desertec-Projekts, der Hamburger Physiker, Gerhard Knies (76), erklärt im Interview, warum er noch immer an die Umsetzung seiner Vision glaubt.  

WirtschaftsWoche: Herr Knies, der Desertec Industrial Initiative (Dii) droht am Jahresende das Aus. Die beteiligten Firmen wollen offenbar kein weiteres Geld investieren. Ist Ihre Vision, sauberen Strom in der Wüste zu gewinnen, jetzt gescheitert? 

Knies: Nein, die Idee hinter Desertec ist keineswegs gescheitert. Aber eine Abwicklung oder Neuaufstellung der Dii ist ein überfälliger Schritt.

Wie bitte?

Der Gründungsauftrag war, herauszufinden ob es technisch und wirtschaftlich überhaupt möglich ist, Wüstenstrom für den lokalen Energiebedarf im Nahen Osten, in Nordafrika und für den Export nach Europa zu gewinnen. Dieser Auftrag wurde erfüllt – mit dem Ergebnis, dass es absolut sinnvoll ist, Solarkraftwerke in Wüstenregionen zu errichten. Die Dii ist aber nie gegründet worden, um Geld zu verdienen. Sie war eine Studiengesellschaft, keine Projektgesellschaft.

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Das ist doch genau das Problem: Es werden kaum konkrete Projekte umgesetzt.

Desertec ist eine saubere, CO2-freie Versorgungsoption für Milliarden von Menschen. Um die dafür notwendigen Kraftwerke zu bauen, braucht man aber kein Konstrukt wie die Dii. Das können auch einzelne Projektkonsortien regeln. Und wir sehen doch, dass genau das gerade anläuft. In Marokko etwa wird eines der größten Solarkraftwerke der Welt gebaut. 

Trotzdem ist bis jetzt keine einzige Kilowattstunde Wüstenstrom nach Europa geflossen.

Der Export von Strom nach Europa war erst ab etwa 2020 geplant. Zum jetzigen Zeitpunkt war das überhaupt nie vorgesehen. Daher kann man auch nicht davon reden, dass das Projekt gescheitert wäre. Allerdings ist in der öffentlichen Wahrnehmung der Eindruck entstanden, dass Desertec in fünf bis zehn Jahren schon unter Volldampf laufen würde. Das ist völlig falsch und auch unmöglich. Die Fertigstellung von Desertec war stets auf das Jahr 2050 angelegt. Zudem sollten nur 15 Prozent des europäischen Energieverbrauchs durch den Wüstenstrom abgedeckt werden.

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